Sonntag, 26. Juni 2011

Studie belegt: Einige Schimpansen in Gefangenschaft zeigen Anzeichen von beeinträchtiger mentaler Gesundheit

Schimpanse in Gefangenschaft | Copyright: A. Müller, grenzwissenschaft-aktuell.de

Canterbury/ England - In einer aktuellen Studie konnten britische Verhaltensforscher nun nachweisen, dass ernsthafte Verhaltensabnormalitäten bei in Gefangenschaft lebenden Schimpansen mit Geisteskrankheiten bei Menschen verglichen werden können.

Zu den beobachteten Verhaltensweisen zählen die Selbstverstümmelung, wiederholtes Hin- und Herbewegen sowie das Essen und Trinken von Fäkalien und Urin, berichten die Forscher um Dr. Nicholas Newton-Fischer und Lucy Birkett von der "School of Anthropology and Conservation" an der "University of Kent" in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "PLoS ONE".

In ihrer Studie untersuchten die Verhaltensforscher 40 Schimpansen aus insgesamt sechs Zoopopulationen in den USA und Großbritannien. Nachdem die Wissenschaftler zunächst die Häufigkeit, die Diversität, Frequenz und Dauer der abnormalen Verhaltensweisen anhand von 1200 Beobachtungsstunden bestimmt hatten, schlossen die Forscher, dass während die meisten der in den Zoos gehaltenen Schimpansen ein "normales" und damit ihren freilebenden Verwandten gleichendes Verhalten zeigten, abnorme Verhaltensweisen selbst in jenen Populationen endemisch, also fortwährend und gehäuft auftreten können, in welchen die Zoos darum bemüht sind, den Menschenaffen ein artgerechtes und soziales Zuhause zur Verfügung zu stellen.

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Diese Verhaltensauffälligkeiten führen die Forscher darauf zurück, dass die Tiere nur selten Möglichkeiten haben, sich anzupassen oder sich in private und geschützte Räume zurück zu ziehen, wie dies in natürlichen Lebensräumen möglich ist. Aber auch der Umstand, dass der Großteil des täglichen Lebens der Tiere nicht von ihnen selbst, sondern von Menschen bestimmt und organisiert wird, widerspreche den Anforderungen des Tagesablaufs der Schimpansen in freier Wildbahn.

Zwar würden sich zahlreiche Zoos mit einer ganzen Reihe von löblichen Anstrengungen darum bemühen, den Tieren Abwechslung und Inspiration zu liefern, dennoch ändere dies nichts an der Tatsache, dass die Tiere dennoch in Gefangenschaft seien, so Newton-Fisher.

"Wir haben herausgefunden, dass einige der abnormen Verhaltensweisen selbst bei und nach Einführung von Naturalisierungsmaßnahmen anhielten (...) was darauf hindeutet, dass es sich zumindest bei einem Teil der betroffenen Tiere um Exemplare handelt, die regelrechte Geisteskrankheiten entwickelt haben."

Für die Forscher stellt die Gefangenschaft der Tiere selbst den grundlegenden Faktor für die Ausprägung der Verhaltensauffälligkeiten dar. "Es ist also wichtig, mehr darüber zu erfahren, wie Schimpansen mental mit Gefangenschaft umgehen. Diese Frage ist nicht nur von wissenschaftlichem Interesse. Es gilt auch zu hinterfragen, ob Schimpansen und ähnliche Arten überhaupt in Gefangenschaft gehalten werden sollten."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / kent.ac.uk
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