Samstag, 20. August 2011

Tödliches Heilmittel? - Forscher lüften Geheimnis um den Flakon der Hatschepsut

Der Flakon der Pharaonin Hatschepsut. | Copyright: Ägyptisches Museum / Universität Bonn, uni-bonn.de

Bonn/ Deutschland - Forscher des "Ägyptischen Museums der Universität Bonn" haben den Inhalt eines Flakons analysiert, der - so besagt es die Inschrift - einst der berühmten und ebenso mysteriösen Pharaonin Hatschepsut gehörte, die um 1450 vor Christus lebte. Dreieinhalb Jahrtausende hütete das Gefäß ein möglicherweise tödliches Geheimnis.

Wie die Forscher um den Sammlungsleiter Michael Höveler-Müller und Dr. Helmut Wiedenfeld vom "Pharmazeutischen Institut" an der Universität Bonn berichten, steht nach zwei Jahren Forschung nun fest: "In dem Fläschchen war kein Parfüm, sondern eine Art Hautpflegelotion oder gar ein Medikament für eine von Ekzemen geplagte Monarchin." Darüber hinaus fanden die Pharmazeuten eine stark krebserregende Substanz. Brachte das erhoffte Heilmittel Hatschepsut also den Tod?

Eine bis zu den Untersuchungen als "Verschmutzung" angesehene Verstopfung im Gefäßhals könne ja auch der originale Lehmverschluss sein, mutmaßte Höveler-Müller damals. In einem solchen Fall, so hoffte der Wissenschaftler zudem, könnte darin vielleicht sogar noch etwas vom ursprünglichen Inhalt zu finden sein.

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Die hoffnungsvolle Vermutung des Ägyptologen bestätigte sich dann bei einer Untersuchung de Gefäßes im Computertomographen (CT). "Nicht nur war der Verschluss intakt, im Innern befanden sich auch noch Reste einer eingetrockneten Flüssigkeit", berichtete die Pressemitteilung der Universität. "Proben entnahm Professor Dr. Friedrich Bootz von der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Universität Bonn mit einem endoskopischen „Eingriff“ im Sommer 2009."

Eine Untersuchung der Substanzen durch das Team um Dr. Wiedenfeld macht schnell deutlich, dass die Forscher kein eingetrocknetes Parfüm gefunden hatten. In dem Gemisch waren große Mengen Palmöl und Muskatnussöl enthalten. "Ich habe gleich gedacht, dass sich keiner soviel Fett ins Gesicht schmiert", sagt Dr. Wiedenfeld. "Dann sieht man doch aus wie eine Speckschwarte." Zwei weitere Komponenten brachten den Pharmaforscher dann auf die eigentliche Bestimmung des Gemischs: "Wir fanden viele ungesättigte Fettsäuren, die bei Hautkrankheiten Linderung verschaffen." Hier konnte der Ägyptologe einen wichtigen Puzzlestein ergänzen: "Tatsächlich ist bekannt, dass es in der Familie von Hatschepsut Fälle von Hauterkrankungen gab." Entzündliche Hautkrankheiten wie Schuppenflechte/Psoriasis sind zu einem erheblichen Teil erblich.

Archiv: Hatschepsut-Büste | Copyright: Keith Schengili-Roberts, cc-by-sa 3.0

Auch die dritte Komponentengruppe spricht dafür, dass es bei dem Mittel nicht um Wohlgeruch ging, sondern um die Milderung von Juckreiz: "Die Pharmazeuten fanden reichlich Kohlenwasserstoffe, die aus Teer und Bitumen stammten. Bis heute werden teerhaltige Cremes zur Behandlung chronischer Hautkrankheiten eingesetzt. Wegen der potentiell krebserregenden Wirkung einiger Inhaltsstoffe wurde Teer inzwischen ganz aus Kosmetik verbannt, teerhaltige Medikamente gibt es nur noch auf ärztliche Anordnung."

Vor allem das gefährliche Benzo(a)pyren, ein aus mehreren Kohlenstoffringen bestehender aromatischer Kohlenwasserstoff, fanden die Pharmazeuten in Hatschepsuts Fläschchen. "Benzo(a)pyren ist eine der gefährlichsten krebserregenden Substanzen überhaupt", erläutert Wiedenfeld. So werde das Risiko, vom Zigarettenrauch Lungenkrebs zu bekommen, ganz wesentlich auf diesen Stoff zurückgeführt.

Hat sich Hatschepsut möglicherweise also unwissentlich vergiftet? "Vieles spricht dafür“, sagt Dr. Wiedenfeld. "Wenn man sich vorstellt, dass die Pharaonin chronisch hautkrank war und ihr die Salbe kurzfristig Linderung verschaffte, dann mag sie sich im Laufe einiger Jahre einem großen Risiko ausgesetzt haben." Auch der Ägyptologe hält das für wahrscheinlich: "Wir wissen schon lange, dass Hatschepsut Krebs hatte und vielleicht sogar daran gestorben ist", sagt Michael Höveler-Müller. "Jetzt kennen wir möglicherweise auch die eigentliche Ursache."

Wie Hatschepsut überhaupt an ihre Lotion kam, darüber können die Bonner Forscher derzeit nur spekulieren. "Die Ägypter waren praktische Ärzte und gute Chirurgen, aber lausige Internisten", sagt Dr. Wiedenfeld. "Gut möglich, dass sie das Wissen um bestimmte Medikamente ihren Kontakten nach Persien und Indien verdanken, deren Heilkunst schon in der Antike weit fortgeschritten war."

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Quellen: uni-bonn.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

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