Mittwoch, 24. August 2011

Zwergplanet "2007 OR10": Astronomen finden Wassereis und Methan auf rotem Schneewittchen

Künstlerische Darstellung des Zwergplaneten 2007 OR10. | Copyright: NASA, grewi.de

Pasadena/ USA - Kalifornische Astronomen haben entdeckt, dass der Zwergplanet "2007 OR10", der auch als "Snow White" bezeichnet wird, von einem Panzer aus Wassereis überzogen ist, der den halben Planeten bedeckt. Zudem deuten die Beobachtungsmerkmale daraufhin, dass auch eine dünne Schicht von Methan die Oberfläche überzieht und "Schneewittchen" rot färbt.

Das Wasser, so vermuten die Astronomen um Mike Brown vom "California Institute of Technology" (Caltech) im Fachmagazin "Astrophysical Journal Letters", floss vermutlich einst als dickflüssige Masse aus Wasservulkanen. Die Methanschicht ist der Überrest einer einstigen Atmosphäre, die der Planet nach und nach ins All verliert.

"Wir sehen das Bild dessen, was einst eine aktive kleine Welt mit Wasservulkanen und einer Atmosphäre war und heute gefroren, tot und mit einer zusehends schwindenden Atmosphäre ist", so Brown.

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"Schneewittchen" wurde 2007 entdeckt, ist etwa halb so groß wie Pluto, damit der fünftgrößte Zwergplanet und umkreist die Sonne am Rande des Sonnensystems in einem Abstand von rund 86 Astronomischen Einheiten (AE = Abstand Erde - Sonne).

Zunächst hatten Astronomen vermutet, dass es sich nicht um einen eigenen Zwergplaneten, sondern lediglich um ein abgebrochenes Teil des Zwergplaneten Haumea gehandelt. Seinen Beinamen "Schneewittchen" (Snow White) erlangte der Zwergplanet aufgrund seiner von den Astronomen damals angenommenen Oberflächenfarbe. Tatsächlich zeigten spätere Beobachtungen, dass es sich bei "2007 OR10" um eines der rötlichsten Objekte im ganzen Sonnensystem handelt.

Zwergplaneten wie "Snow White" gehören zur Familie der sog. "Objekte des Kuipergürtels". Bislang glaubten Astronomen, dass es sich bei "2007 OR10" um kein besonderes von bislang rund 400 Kandidaten für transneptunische Zwergplaneten handelt. Durch neue Beobachtungen und spektrale Analysen konnten die Forscher nun jedoch nachweisen, dass die Oberfläche des roten Schneewittchens von Wassereis überzogen ist. "Das war ein wirklicher Schock für uns, denn Wassereis ist auch in dieser Region des Sonnensystems schließlich nicht rot."

Dieses sonderbare Merkmal teilt sich "Snow White" allerdings mit einem weiteren Zwergplaneten. Auch der 2002 entdeckte und nur unwesentlich kleinere Quaoar ist mit Wassereis überzogen und dennoch von roter Farbe. Wie auch auf "2007 OR10" ist wahrscheinlich Methan für die Färbung verantwortlich, das einst in einer Atmosphäre um Quaoar gebunden war, die jedoch schon vor Jahrmillionen aufgrund der geringen Größe ins All entfloh. Nach und nach färbte die solare und Weltraumstrahlung das Methan rötlich.

Die neuen Spektralanalysen zeigen nun, dass sich Ähnliches auch auf "Snow White" ereignet hatte. Heute scheint nur noch ein kleinster Bruchteil der Atmosphäre von "2007 OR10" überhaupt vorhanden zu sein. Weitere Untersuchungen sollen nun die Vermutungen der Astronomen darüber, dass Methan das Schneeweiß rot färbte, überprüfen.

Sollten sich die Theorie bestätigen, so würde dies bedeuten, dass "2007 OR10" - ebenso wie Quaoar - groß genug ist, um zumindest für mehre Milliarden Jahre eine Atmosphäre gehalten zu haben. Eine weitere Aufgabe für die Astronomen besteht indes noch darin, dem Zwergplaneten einen richtigen Namen zu geben. "Schneewittchen ist schließlich bislang nur ein Spitzname", so Brown, "der zudem auch nicht mehr stimmig ist - handelt es sich doch um ein sehr rotes Objekt. (...) Vor der Entdeckung von Wassereis und möglichem Methan schien '2007 OR10' für Astronomen derart uninteressant, dass man es nicht für notwendig hielt, sich einen ordentlichen Namen dafür auszudenken."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / caltech.edu

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