Sonntag, 4. September 2011

Faustkeile aus Ostafrika sind 1,8 Millionen Jahre alt

Schon vor 1,8 Millionen Jahren nutzen frühe Menschen diesem steinernen Faustkeile am Turkana-See. | Copyright: Pierre-Jean Texier, National Center of Scientific Research, France

Kokiselei/ Kenia - Faustkeile, die Wissenschaftler 2007 an der Kokiselei-Fundstelle am Turkana-See (Rudolfsee) in Kenia entdeckt haben, konnten jetzt auf ein Alter von 1,8 Millionen Jahren datiert werden. Sie sind damit rund 300.000 Jahre älter als die bislang ältesten Funde derartiger Werkzeuge. Erneut stellt sich damit die Frage wo und wann sich der frühe Mensch entwickelt und sich die komplexe Fähigkeit der Werkzeugherstellung angeeignet hatte. "Mit derartigen Werkzeugen war es den Frühmenschen möglich Tiere zu öffnen, zu zerlegen und zu essen."

Der Homo erectus erschien zum ersten Mal vor rund zwei Millionen Jahren sowohl in Afrika als auch in Asien, bevor er vor rund 70.000 Jahren in eine evolutionäre Sackgasse geriet. Einige Forscher vermuten, dass sich der Homo erectus in Ostafrika entwickelt hatte, da von hier auch die meisten fossilen Funde stammen. Ähnliche Funde in den 1990er Jahre in Georgien haben jedoch Zweifel an dieser Sicht geweckt und eine asiatische Herkunft der aufrecht gehenden Frühmenschen zur Diskussion gestellt.

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Wie die Forscher um Dennis Kent und Christopher Lepre von der "Rutgers University" und "Columbia University" aktuell im Fachmagazin "Nature" berichten, nutzten allerdings die Frühmenschen in Kenia demnach schon vor 1,8 Millionen Jahre die mittels der sogenannten Acheuléen-Technologie hergestellten Faustkeile aus Stein, während ihre Artgenossen in Georgien noch immer einfache Hau- und Schneidewerkzeuge nutzen.

"Die ersten eurasischen Frühmenschen könnten also von einer afrikanischen Population abstammen, die Acheuléen-Technologie noch nicht beherrschte", vermuten die Forscher. Entsprechend müsste die Technologie also erst in einer zweiten, späteren Auswanderungswelle aus Afrika nach Eurasien gelangt sein." Als alternative Theorie spekulieren die Forscher darüber, ob der Homo erectus die Fähigkeit zur Herstellung der Faustkeile auf dem Weg nach Asien "verloren" haben könnte.

Entsprechend der Datierung der Erdschicht, in der die Keile gefunden wurden, sind diese rund 1,76 Millionen Jahre alt und wären damit die ältesten bislang bekannten Exemplare von mit der Acheuléen-Technologie hergestellten Werkzeugen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / earth.columbia.edu

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