Freitag, 2. September 2011

Tasmanischer Tiger war zu schwach für die Schafsjagd

Im digitaler Stresstest offenbart sich die geringe Beißkraft (rote und weiße Flächen im rechten Bild) der Tasmanischen Tiger. | Copyright: Marie Attard

London/ England - Der auch als "Tasmanischer Tiger" bekannte Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) war einst das größte Raubtier auf dem australischen Kontinent. Ausgerottet wurde er im frühen 20. Jahrhundert vornehmlich von den weißen Siedlern, die in ihm einen schädlichen Schafsräuber sahen. Eine neue Studie der Beißkraft des etwa hundsgroßen Tieres zeigt nun, dass seine Kiefer in Wirklichkeit zu schwach waren, um größere Tiere wie Schafe zu reißen.

Wie die Forscher um Marie Attard von der "University of New South Wales" aktuell im Fachmagazin "Journal of Zoology" berichten, seien die Beutelwölfe gerade einmal in der Lage gewesen, kleiner Tiere, wie etwa Opossums oder Wombats, zu erlegen: "Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Tiere mit ihren relativ kraftlosen Kiefern auf die Jagd kleiner lebhafter Beutetiere angewiesen waren. Das ist eine recht ungewöhnliche Eigenschaft für Raubtiere mit einem Lebendgewicht von durchschnittlich 30 Kilogramm und einer hauptsächlich auf Fleisch basierten Ernährung. Der den Tieren angedichtete Ruf als brutaler Schafsjäger kann von unseren Untersuchungsergebnissen nicht bestätigt werden und war, gelinde gesagt, stark übertrieben."

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Mit Hilfe von dreidimensionalen Computermodellen erhaltener Schädel der Tiere konnten die Wissenschaftler die Beißkraft der Beutelwölfe berechnen: "Durch den Vergleich mit heute noch lebenden Raubtieren können wir sagen, dass Tasmanische Tiger höchstens Tiere von gleicher Körpergröße wie sie selbst erlegen konnten", so die Forscher.

Archiv: Zwei Tasmanische Tiger im Zoo in Washington, 1902. | Copyright: Public Domain

Das letzte bekannte Exemplar der Beutelwölfe verstarb 1936 im "Beaumarais Zoo" von Hobart. Der Grund für die Ausrottung war die von den weißen Farmern kolportierte Behauptung, dass die Beutelwölfe gefräßige Schafsräuber seien. Schon vor den aktuellen Untersuchungen vermuteten Forscher immer wieder, dass die meisten gerissenen Schafe in Wirklichkeit wahrscheinlich auf das Konto von verwilderten Hunden gingen. Dennoch setzte in den 1830er Jahren die australische Regierung eine Belohnung von 25 Cent für jeden getöteten Tasmanischen Tiger aus. Zudem setzte wahrscheinlich eine Krankheit der stark dezimierten Population der Tiere zu, welche sich in plötzlich zurückgehenden Abschussraten um 1906 abzeichnete. Trotz zahlreicher Bemühungen internationaler Zoos gelang es nicht, die Art in Gefangenschaft zu züchten und so vor der Ausrottung zu bewahren.

Neben Bigfoot, Yeti, dem Ungeheuer von Loch Ness und dem Quastenflosser gilt der Tasmanische Tiger vielen Kryptozoologen oft als inoffizielles Wappentier der Forschung nach von der Wissenschaft noch nicht beschriebenen oder eigentlich ausgestorben geglaubten Tieren. Bis heute halten sich Gerüchte und Sichtungsbeschreibungen über in freier Wildbahn gesichtete Tasmanische Tiger (...wir berichteten, s. Links).

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / wiley.com
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