Mittwoch, 5. Oktober 2011

ALMA: Weltgrößtes Radioteleskop-Netzwerk sucht nicht nach Signalen Außerirdischer

ALMA-Teleskop mit Blick ins All | Copyright: ESO/José Francisco Salgado (josefrancisco.org)

Garching/ Deutschland - In der Atacama-Wüste hat mit der "Atacama Large Millimeter/submillimeter Array" (ALMA) das weltweit leistungsfähigste und fortschrittlichste Radio-Observatorium seinen Beobachtungsbetrieb aufgenommen und auch schon das erste Bild veröffentlicht. Während die noch unvollständige Teleskop-Anlage der "Europäischen Südsternwarte" (ESO.org) in Chile sowohl extrem kalte Objekte – wie beispielsweise die dichten Wolken von interstellarem Gas und Staub, in denen sich neue Sterne bilden - als auch sehr weit entfernte Objekte im frühen Universum abbilden kann, wird es sich nicht an der Suche nach außerirdischen Signalen beteiligen.

Wie die "ESO" auf Anfrage von "grenzwissenschaft-aktuell.de" mitteilte, sei nicht geplant, "ALMA" auch für die Suche nach außerirdischer Intelligenz (Search for ExtraTerrestrial Intelligence) - kurz SETI, einzusetzen. Der Grund liegt hauptsächlich darin dass SETI "normalerweise im Bereich langwelliger Radiofrequenzen" nach künstlichen Radiosignalen sucht.

ALMA hingegen beobachtet das Universum bei Wellenlängen im Millimeter- und Submillimeterbereich, was etwa der tausendfachen Wellenlänge des sichtbaren Lichtes entspricht. In diesem Spektralbereich können Astronomen sowohl extrem kalte Objekte - wie beispielsweise die dichten Wolken von interstellarem Gas und Staub, in denen sich neue Sterne bilden - als auch sehr weit entfernte Objekte im frühen Universum beobachten.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Auch wenn die Anlage aus bislang erst 12 von letztendlich 66 Teleskopen keine also Alien-Signale suchen wird, so gehört jedoch die Suche nach Planeten jenseits des Sonnensystems, sogenannten Exoplaneten, durchaus zum Aufgabenbereich von ALMA.

"Um fundamentale Fragen zu Planetensystem, wie deren Herkunft, Entstehung und Entwicklung aber auch zu deren Verteilung und Vorkommen beantworten zu können, müssen Wissenschaftler noch sehr viel mehr Exoplaneten finden und studieren", so die ESO-Pressemitteilung. ALMA könne wichtige Informationen über solche extrasolare Planetensysteme in verschiedenen Entwicklungsphasen liefern.

Die Suche im Millimeter- und Submillimeterbereich eröffne dabei gerade auch bei der Suche nach Exoplaneten zahlreiche Vorteile, wenn Strukturen in bislang nicht gekannter Qualität dargestellt werden können, die im sichtbaren und infraroten Lichtspektrum bislang nicht abgebildet werden können. Zudem werden derartige Beobachtungen auch nicht vom Zodiakallicht, gestört wird, das vom interplanetaren Staub in den fernen aber auch in unserem eigenen Planetensystem reflektiert wird.

Auch die Helligkeit des Lichts der fernen Zentralgestirne stellt ein deutlich geringeres Problem als mit Beobachtungen im sichtbaren und infraroten Lichtspektrum dar, da der sonst so große Helligkeitsunterschied zwischen Stern und seinen potentiellen Planeten im Beobachtungsbereich von ALMA wesentlich kleiner ausfällt.

"ALMA wird auch in der Lage sein, Planetensysteme in ihren frühesten Entstehungsphasen abzubilden", berichtete die "ESO". "Es wird auch in der Lage sein, junge Sterne nach der Existenz einer protplanetaren Scheibe zu untersuchen, aus welcher heraus sich Planetensysteme entwickeln. ALMA könnte auch dafür benutzt werden, Eigenschaften wie Größe, Temperatur, Staubdichte und Chemie dieser Scheiben eingehend zu untersuchen."

Blick auf einige der ALMA-Teleskope. | Copyright: ALMA (ESO/NAOJ/NRAO)/L. Calçada (ESO)/H. Heyer (ESO)/H. Zodet (ESO)

ALMA unterscheidet sich grundlegend von Teleskopen für den sichtbares und infrarotes Licht. Es besteht aus einem Feld miteinander verbundener Antennen, die wie ein einziges riesiges Teleskop agieren, welches für viel längere Wellenlängen empfindlich ist als die des sichtbaren Lichtes. Die von ALMA aufgenommenen Bilder unterscheiden sich daher deutlich von den gewohnten Aufnahmen anderer Teleskope.

Das erste mit ALMA erstellte astronomische Bild zeigt die sogenannten "Antennengalaxien" und damit ein kollidierendes Galaxienpaar, dessen Form durch die Kollision stark verzerrt wurde. Während das sichtbare Licht uns die Sterne in den Galaxien zeigt, ermöglicht ALMA den Blick auf Objekte, die herkömmlichen Teleskopen völlig verborgen bleiben: die Wolken aus kaltem, dichtem Gas, aus denen neue Sterne entstehen. Die hier gezeigte Aufnahme ist das beste Bild, das je im Submillimeter-Bereich von den "Antennengalaxien" gemacht wurde.

Die ALMA-Aufnahme der "Antennengaalxien" (l.) und eine Kombination mit einer Hubbleaufnahme desselben Gebildes. | Copyright: ALMA (ESO/NAOJ/NRAO).

Eines der nächsten Projekte, die für die ALMA-"Early Science“-Beobachtungen ausgewählt wurden, wird von David Wilner vom "Harvard Smithsonian Center for Astrophysics" in Cambridge, Massachusetts in den USA geleitet. Das Ziel dieser Beobachtungen ist "AU Microscopii", ein Stern in 33 Lichtjahren Entfernung, der nur 1% des Alters unserer Sonne aufweist. “Wir werden ALMA verwenden, um den 'Geburtsring' aus Planetesimalen abzubilden, die diesen jungen Stern umkreisen sollten. Nur mit ALMA besteht die Hoffnung, Verklumpungen in diesen staubigen Asteroidengürteln zu entdecken, die die Anwesenheit unsichtbarer Planeten verraten können”, erläutert der Astronom.

Die Suche nach bewohnbaren Planeten, die fremde Sonnen umkreisen, ist auch eine Suche nach Wasser in diesen fernen Sonnensystemen. Die Schwärme aus Felsen, Staubkörnern und Gas im Orbit um Sterne enthalten vermutlich auch Trümmerstücke aus Wassereis, Gasen und womöglich sogar organischen Molekülen - der Astrochemie des Lebens.

Somit werden auch Simon Casassus von der "Universidad de Chile" und sein Team "ALMA" einsetzen, um die Gas- und Staubscheibe um den 400 Lichtjahre entfernten jungen Stern "HD142527" zu beobachten. “Die Staubscheibe um diesen Stern weist eine große Lücke auf, die möglicherweise durch die Entstehung von Riesenplaneten freigeräumt wurde”, erklärt Casassus. “Außerhalb dieser Lücke enthält die Scheibe genug Material um etwa ein Dutzend jupiterartige Planeten hervorzubringen. Innerhalb der Lücke könnte gerade ein junger Riesenplanet entstehen – falls genug Gas vorhanden ist.” Mit ALMA wird das Team die Gesamtmenge und den physikalischen Zustand des Gases in der Lücke vermessen. “ALMA ermöglicht es uns auf diese Weise, die Geburt von Planeten oder aber die unmittelbaren Nachwehen dieses Prozesses zu beobachten”, ergänzt Casassus.

In der viel größeren Entfernung von 26.000 Lichtjahren befindet sich das Zentrum unserer Milchstraße, auch bekannt als "Sagittarius A*", das ein Schwarzes Loch von vier Millionen Sonnenmassen beherbergt. Gas und Staub zwischen dem Zentrum der Milchstraße und der Erde versperren unseren optischen Teleskopen den Blick auf dieses Objekt. ALMA jedoch kann diesen galaktischen Schleier durchdringen und uns fantastische Blicke auf "Sagittarius A*" ermöglichen.

Heino Falcke, Astronom an der "Radboud Universiteit Nijmegen" in den Niederlanden, erklärt: “ALMA wird es uns erlauben, Lichtblitze aus der Umgebung dieses supermassereichen Schwarzen Lochs zu beobachten und Aufnahmen von Gaswolken anzufertigen, die in seinem gewaltigen Gravitationsfeld gefangen sind. So werden wir die ausschweifenden Fressgewohnheiten dieses Monsters studieren können. Wir glauben, dass ein Teil des Gases nahezu mit Lichtgeschwindigkeit aus dem Umfeld des Schwarzen Lochs entkommt.”

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Astronomen finden das Schlüsselmolekül Wasserstoffperoxid
7. Juli 2011

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / eso.org
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE