Mittwoch, 19. Oktober 2011

Archäologen finden "gefiederten Mann"

Einmaliger Fund: "Brosche" in Form eines geflügelten Mannes | Copyright/Quelle: Sofia Winge / Uppåkra Arkeologiska Center, uppakra.se

Uppakra/ Schweden - Bei den andauernden Ausgrabungen im südschwedischen Uppakra, die schon zuvor faszinierende und einmalige Funde zu Tage gefördert hatten, haben Archäologen im Innern eines Grabhügels eine einzigartige Bronzefigur entdeckt, die offenbar ein mythologisches Wesen in Form eines gefiederten Mannes mit Kettenhemd darstellt.

Uppakra selbst bezeichnet den Ort einer eisenzeitlichen Siedlung, fünf Kilometer südlich von Lund, an dem Archäologen seit Jahren erstaunliche Funde machen. Seit 1996 wurden hier mehr als 20.000 eisenzeitliche Artefakte gefunden und Forscher gehen davon aus, dass sich hier in den ersten zehn Jahrhunderten eines der kulturellen und politischen Zentren der Region befand. Besonders bekannt ist Uppakra nicht zuletzt für den Fund einer Steinnadel, die der Kopf eines Wesens ziert, das verblüffende Ähnlichkeit mit "Micky Maus" aufweist, wahrscheinlich aber einen Löwenkopf darstellt (... wir berichteten 1, 2).

Der aktuelle Fund wird von den Archäologen auf ein Alter von 1.000 bis 1.200 Jahren geschätzt. Was oder wen die gefiederte Menschengestalt darstellen könnte, darüber sind sich die Forscher noch uneins. Sicher scheint allerdings schon jetzt, dass es "unwahrscheinlich ist, dass es sich um eine jüdisch-christliche Engelsdarstellung handelt, da die Christianisierung zur fraglichen Zeit Skandinavien noch nicht erreicht hatte", kommentiert der schwedische Archäologe Dr. Martin Rundkvist in seinem Archäologie-Bog "Aardvarchaeology" (scienceblogs.com/aardvarchaeology).

Frontalperspektive des "gefiederten Mannes" von Uppakra | Copyright/Quelle: Sofia Winge / Uppåkra Arkeologiska Center, uppakra.se

Stattdessen verweisen die Archäologen Gestalten der nordischen Mythologie, als Erklärung für die Darstellung. Zum einen könnte es sich um Freya, die nordgermanische Göttin der Liebe und der Ehe, in ihrem Falkengewand handeln, mit dem sie wie ein Falke durch die Lüfte gleiten konnte. Dieser Deutung scheinen jedoch die eher männlichen Attribute der Figur zu widersprechen. Zum anderen könnte es 'Wieland der Schmied' (Wiolant, Veland, Völundr, Welent) sein, dem mit Hilfe eines Federmantels die Flucht aus der Gefangenschaft unter Nidung gelang. Auch ein Bezug zu den zahlreichen Varianten der Sagen um Schwanenkleider, die ihren Trägern übermenschliche Kräfte verleihen, könnte sich in der Darstellung widerspiegeln. Selbst der Hauptgott der germanischen Mythologie, Odin (Wodan) käme, wie auch andere Götter der eddischen Dichtungen, aufgrund seiner Fähigkeit der Formwandlung - vorzugsweise in Tiere – als Vorbild in Frage.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / uppakra.se / scienceblogs.com/aardvarchaeology
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
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