Montag, 17. Oktober 2011

ESO und Chile unterzeichnen Abkommen über den Bau des weltgrößten optischen Teleskops

Künstlerische Darstellung des fertigen E-ELT auf dem Cerro Armazones in Chile | Copyright: ESO

Santiago de Chile/ Chile - Vergangene Woche haben der Generaldirektor der "Europäischen Südsternwarte" (ESO), Tim de Zeeuw, und der chilenische Außenminister Alfredo Moreno ein Abkommen zum Bau des "European Extremely Large Telescope" (E-ELT) unterzeichnet. Ab 2018 wird es mit seinem Hauptspiegel der 40-Meter-Klasse das größte optische Teleskop der Welt sein und neben anderen wissenschaftlichen Aufgaben auch intensiv zur Suche nach lebensfreundlichen Planeten jenseits des Sonnensystems beitragen.

Die Vereinbarung zwischen der ESO und der chilenischen Regierung beinhaltet die Schenkung von Land für das Teleskop, langfristige Schürfrechte um eine (licht-)geschützte Region um dieses Land herum zu errichten und die Unterstützung der chilenischen Regierung bei der Errichtung des E-ELT.

Schon im März 2010 hatte die ESO den 3060 Meter hoch gelegenen Berg Cerro Armazones in der Región de Antofagasta in Chile als Standort des geplanten E-ELT ausgewählt (...wir berichteten). Das neue Teleskop wird Bestandteil des "Paranal-Observatoriums" werden, das bereits aus dem "Very Large Telescope" (VLT), dem VLT-Interferometer und den Durchmusterungsteleskopen VST und VISTA besteht. Der Cerro Paranal ist nur 20 Kilometer vom Cerro Armazones entfernt, so dass große Teile der Infrastruktur von beiden Standorten gemeinsam genutzt werden können.

Künstlerische Darstellung des fertigen E-ELT | Copyright: ESO

Mit dem E-ELT erhoffen sich die Astronomen nicht nur die Entdeckung von Planeten bis hinab zur Erdgröße durch die indirekte Messung der von entsprechenden Planeten ausgelösten Schlingerbewegung der Zentralgestirne (Radialgeschwindigkeitsmethode), sondern auch die direkte Darstellung größerer Exoplaneten und Analysen der Eigenschaften und Atmosphären dieser Planeten.

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Zudem sollen die astronomischen Instrumente am E-ELT die Erforschung frühester Entstehungsphasen von Planetensystemen ermöglichen sowie Wasser und organische Moleküle in der protoplanetaren Staub- und Gasscheiben finden können, aus welchen heraus sich um ferne junge Sterne Planeten bilden können.

"Das Abkommen stellt einen weiteren bedeutenden Beitrag zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit zwischen Chile und der ESO dar", so die ESO-Pressemitteilung, "die 1963 mit der Unterzeichnung einer ersten Vereinbarung begann. In der Zwischenzeit haben die ESO und Chile in vielen gemeinsamen astronomiebezogenen Projekten bei Instrumentierung und Technologie zusammengearbeitet, mit dem Ziel, das Bewusstsein für die Astronomie und entsprechende Kompetenzen in Chile zu fördern. Das schließt auch die Ausbildung von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern ein. Chile ist so zu einer der führenden Regionen in der Astronomie geworden."

“Das Abkommen ermöglicht es uns, das E-ELT als Teil des VLT-Systems zu errichten. Außerdem verstärkt sich dadurch unser Engagement für und die Zusammenarbeit mit der chilenischen Gesellschaft. Letztlich ergeben sich so neue Möglichkeiten für großartige Entdeckungen und technologischen Fortschritt”, erläutert Tim de Zeeuw.

Übersicht über das ESO-Gelände rund um den Cerro Armazones | Copyright: ESO

Die Vereinbarung beinhaltet die Schenkung von 189 Quadratkilometer Land rund um den Cerro Armazones für den Bau des E-ELT sowie die Schürfrechte für die Umgebung über einen Zeitraum von 50 Jahren, entsprechend zusätzlichen 362 Quadratkilometer. Diese Maßnahme soll das E-ELT vor Lichtverschmutzung und Bergbauarbeiten schützen. Zusammen mit den bereits vorhandenen 719 Quadratkilometer Land um den Cerro Paranal wächst die Schutzzone um den Paranal-Armazones-Komplex damit auf eine Fläche von 1270 Quadratkilometer.

Alfredo Moreno, der chilenische Außenminister, stellte fest: "Chile hat den klarsten Himmel auf der Welt und ist Heimatland der wichtigsten astronomischen Observatorien. Das ist für uns nicht nur eine Wertanlage, sondern auch ein Beitrags zur Entwicklung der Menschheit als Ganzes. Die Anwesenheit der ESO und das E-ELT-Projekt in unserem Land zeigen deutlich, wie viel Chile an Wissenschaft und Technologie gelegen ist."

"Die chilenische Regierung verpflichtete sich außerdem zur Unterstützung in punkto Infrastruktur. Darunter fallen unter anderem die Unterhaltung der Straßen, welche die Observatorien mit der Stadt Antofagasta verbinden sowie die Mitwirkung bei der Anbindung des Paranal-Observatoriums an das nationale Stromnetz und bei der Untersuchung von Einsatzmöglichkeiten für erneuerbare Energien.

Im Gegenzug erweitert die ESO den bestehenden Anteil von 10 Prozent an Beobachtungszeit für Anträge chilenischer Astronomen auch auf das E-ELT. Mindestens drei Viertel dieser Zeit werden dabei für Anträge chilenischer Astronomen gewährt werden, die mit Astronomen aus den ESO-Mitgliedsländern zusammenarbeiten. Das fördert internationale Kooperationen - ein integraler Bestandteil eines Wissenschaftsprojektes dieser Dimension."

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