Dienstag, 11. Oktober 2011

Fossile Hinweise auf urzeitliche Riesenkraken entdeckt

Die fast schon puzzleartig angeordneten Wirbelscheiben versteinerter Ichthyosaurier im "Berlin-Ichthyosaur State Park". | Copyright: Mark McMenamin

Boulder (USA) - Bislang galten die bis zu 15 Meter langen luftatmenden Ichthyosaurier als Spitze der Nahrungskette in den Ozeanen des Erdmittelalters (Mesozoikum). Die neue Theorie eines US-Paläontologen stellt diese Position der delfinartigen Reptilien nun in Frage und vermutet anhand von ungewöhnlichen Fossilienfunden, dass die Ichthyosaurier selbst von gewaltigen Riesenkraken gejagt, gefressen und ihre Überreste am Meeresboden gezielt zu Mustern angeordnet wurden.

Wie Professor Mark McMenamin vom Mount Holyoke College auf dem Jahrestreffen der Geological Society of America in Minneapolis berichtete, sieht er Hinweise auf das Wirken eines oder mehrerer Kraken von rund 30 Metern Größe anhand von fossilen Knochen von neun 14 Meter langen Ichthyosauriern der Gattung Shonisaurus popularis im Berlin-Ichthyosaur State Park in US-Bundesstaat Nevada.

Für McMenamin stellen die Shonisaurier das Gegenstück zu den heute lebenden Pottwalen dar, die in der Tiefsee Riesenkalmare jagen. Seit ihrer Entdeckung in den 1950er Jahren stellen die Fossilien in Nevada Wissenschaftler allerdings aufgrund der Anordnung der Knochen vor ein Rätsel.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Insgesamt finden sich vor Ort 37 Exemplare an mehr oder weniger gleicher Stelle. Sieben Skelette liegen dabei fast parallel zueinander. Eine vergleichbare Anordnung ist bislang nur von gestrandeten Walen bekannt, was lange Zeit auch als Grund für die Anordnung der Ichtyosaurierfossilien angenommen wurde. Jüngere Untersuchungen des Fundorts haben allerdings gezeigt, dass der dieser zum Zeitpunkt des Todes der Tiere nicht am Ufer sondern am Meeresgrund gelegen haben musste. Dies macht die Anordnung der Tierskelette umso rätselhafter und schließt für den Forscher eine zufällige Anordnung der Körper nahezu aus. "Vor Ort wurde mir schnell klar, dass hier einst etwas sehr ungewöhnliches vorgegangen war", so der McMenamin. "Die Anordnung der Knochen ist sehr seltsam."

Spuren an den versteinerten Knochen belegen, dass die Tiere zudem nicht alle zur gleichen Zeit zu Tode gekommen und von Sediment begraben worden waren. "Zudem sieht es so aus, als seien die Knochen fast schon absichtlich neu angeordnet worden. Dieser Umstand brachte mich auf die Idee, diese Situation mit dem Verhalten eines neuzeitlichen Meeresräubers zu vergleichen, der genau für diese Art von intelligenter Manipulation von Knochen bekannt ist: Kraken tun genau das."

Was also, so McMenamins Theorie, wenn es einst eine urzeitliche Art von wirklich enormer Größe gegeben hat, ganz so wie der Kraken aus der Mythologie? Ich glaube, dass diese (Ichthyosaurier) von solchen Kraken erlegt und am Meeresboden auseinandergenommen wurden."

Die Fossilfunde belegen auch, dass zahlreiche Wirbelknochenscheiben der Ichthyosaurier in einem ebenfalls ungewöhnlichen linearen Muster angeordnet sind, welches fast schon eine geometrische Regelmäßigkeit aufweist. Für den Forscher deutet dies daraufhin, dass es sich bei dem Urzeit-Kraken wahrscheinlich um das vielleicht bislang intelligenteste wirbellose Lebewesen gehandelt haben könnte und die Anordnung der Wirbel eine Art Puzzlespiel mit den Knochen darstellt.

Doch der Wissenschaftler geht in seiner Deutung sogar noch einen Schritt weiter: "Die einem Muster gleich angeordneten Knochenscheiben gleichen in Form und Anordnung den der Saugnäpfe an den Tentakeln von Kraken. Es könnte sich vielleicht sogar um die früheste Form einer Art von Selbstporträt der intelligenten Tiere handeln."

Dass Kraken jedoch überhaupt in der Lage sind, vergleichsweise große und relativ schnell schwimmende Tiere erfolgreich zu jagen, wurde lange Zeit von Wissenschaftlern bezweifelt, bis vor wenigen Jahren Überwachungskameras im "Seattle Aquarium" erstaunliche Aufnahmen lieferten. Damals wunderte sich das Aquariumspersonal darüber, welches Tier in dem großen Becken in der Lage war, die immer wieder am Beckenboden vorgefundenen Haifisch-Kadaver und Überreste davon zu erklären? Bislang waren die Forscher davon ausgegangen, dass die Haie selbst an der Spitze der Nahrungskette im Aquarium standen. Die Aufnahmen zeigten jedoch, dass die Haie tatsächlich von Kraken erbeutet und zerlegt worden waren.


Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

"Ich denke, dass die Urzeit-Kraken damals genau das gleiche getan haben", so McMenamin. Als weitere Hinweise auf Angriffe von Kraken verweist der Forscher auf viele gebrochene Knochen und verdrehte Kopfgelenke in den Fossilfunden: "Entweder ertränkte der Kraken die Ichthyosaurier oder er brach ihnen das Genick."

Zeitgenössische Darstellung eines "Kraken" (1820) von Pierre Denys de Montfort. | Copyright: Public Domain

Da die postulierten Urzeit-Kraken, deren Ausmaße von bis zu 30 Metern selbst Kapitän Nemos Kraken wohl in die Flucht geschlagen hätten, wirbellose Weichtiere waren, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie als Fossilien erhalten wurden. Lediglich die knöchernen Schnäbel der Tiere und Harken an den Saugnäpfen könnten die Jahrmillionen in fossiler Form überdauert haben, doch auch hierfür sieht McMenamin die Wahrscheinlichkeit sehr gering.

Der schon während seines Vortrags auf dem Treffen der Geologen geäußerten Kritik und Spott sieht McMenamin gelassen entgegen: "Darauf war ich vorbereitet. Aber was zählt ist, dass wir hier einen wirklich guten Fall im Sinne meiner Interpretation vorliegen haben."

Aus grenzwissenschaftlicher Sicht stellt sich nun zudem die Frage, ob die Urzeit-Kraken - sollte es sie gegeben haben - bis heute überlebt haben könnten und so einen wahren Kern für Mythen und Legenden rund um sogar Schiffe angreifende und in die Tiefe reißende Riesenkraken darstellen, wie sie sogar die heutzutage bekannten Riesen- und Kolosskalmare (...wir berichteten, s. Links) in den Schatten stellen würden?

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Unterwasserkamera filmt Angriff eines Riesenkalmars

4. Dezember 2008
Koloss-Kalmar wird erstmals ausgestellt

28. November 2008
Koloss-Kalmar wurde aufgetaut

6. Mai 2008

Bücher zum Thema:

- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / geosociety.org
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE