Freitag, 28. Oktober 2011

Komplexe organische Verbindungen im All entdeckt

Das Spektrum der beispielsweise im Orionnebel (Hntgr.) entdeckten komplexen organischen Verbindungen. | Copyright: The University of Hong Kong, NASA, C.R. O'Dell u. S.K. Wong (Rice University)

Hong Kong - Wissenschaftler der "University of Hong Kong" haben herausgefunden, dass eine organische Substanz, die nahezu überall Universum zu finden ist, eine Mischung aus aromatischen, also ringförmig angeordneten und aliphatischen (kettenartig angeordneten) Verbindungen enthält. Diese Verbindungen sind derart komplex, dass ihre chemische Struktur der von irdischen Petroleum und Kohle gleicht. Bislang glaubten Wissenschaftler, dass derart komplexe organische Verbindungen nur das Ergebnis biologischer Prozesse - also einstigen Lebens - sein könnten. Die neue Ergebnisse legen nun jedoch nahe, dass sie auch von Sternen synthetisiert werden können, also auch an Orten und unter Umständen, an und unter welchen keine Lebensformen existiert haben.

Wie das Team um Prof. Sun Kwok und Dr. Yong Zhang von der "University of Hong Kong" aktuell im Fachmagazin "Nature" berichtet, gelang die Entdeckung während der Untersuchung von Infrarotemissionen ferner Sterne im interstellaren Raum und Galaxien, die als "unidentifizierte Infrarotemissionsstrukturen" bezeichnet werden. Mehr als zwei Jahrzehnte lang gingen Wissenschaftler davon aus, dass diese Signaturen von einfachen organischen Molekülen aus Kohlenstoff und Wasserstoffatomen, sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs) stammen.

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Neue Messungen der Forscher mit Hilfe des "Infrared Space Observatory" und des NASA-Weltraumteleskops "Spitzer" konnten nun jedoch zeigen, dass die Eigenschaften der unidentifizierten Spektrallinien aus dem All durch PAKs nicht erklärt werden können.

Stattdessen schlagen die Wissenschaftler vor, dass die Substanzen, die diese Infrarotemissionen aussenden, eine sehr viel komplexere chemische Struktur besitzen und während Helligkeitsausbrüchen (Novae) von Sternen in einem Zeitraum von nur wenigen Wochen erzeugt und in den interstellaren Raum, also den Raum zwischen den Sternen, angegeben werden.

Damit stützen die Untersuchungsergebnisse eine schon zuvor von Kwok formulierte Theorie wonach Sterne als regelrechte Molekülfabriken agieren und selbst organische Verbindungen herstellen können. "Unsere Ergebnisse haben gezeigt, dass Sterne problemlos komplexe organische Verbindungen unter den Bedingungen eines annähernden Vakuums entstehen lassen können. Theoretisch ist das eigentlich unmöglich, aber es ist genau das, was wir beobachten können."

Interessanterweise gleicht dieser organische "Sternenstaub" der Struktur komplexer organischer Verbindungen, wie sie auch im Innern von Meteoriten gefunden wurden. Da es sich bei diesen Meteoriten um die Überbleibsel von Körpern des frühen Sonnensystems handelt, könnte die Entdeckung ebenfalls darauf hinweisen, dass Sterne das frühe Sonnensystem mit organischen Verbindungen angereichert haben – war die noch junge Erde doch während des sogenannten Großen Bombardements vor rund vier Milliarden Jahren einem starken Beschuss durch Kometen und Asteroiden ausgesetzt, die auch organischen Sternenstaub mit sich geführt haben könnten. Ob die auf diese Weise zur Erde gelangten organischen Verbindungen jedoch auch eine Rolle für die Entstehung von Leben auf der Erde gespielt haben, bleibe - so die Forscher um Kwok - weiterhin eine offene Frage.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / hku.hk
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