Sonntag, 30. Oktober 2011

Wissenschaftler messen erstmals Trauminhalte

Aktivität in der motorischen Hirnrinde bei einer tatsächlich ausgeführten Bewegung der Hände im Wachen (linkes Bild) und während einer geträumten Bewegung (rechtes Bild). Blaue Regionen spiegeln die Aktivität bei einer Bewegung der rechten Hand wider, die in der linken Gehirnhälfte deutlich wird, wohingegen rote Regionen die entsprechende Bewegung der linken Hand auf der gegenüberliegenden Hirnhälfte anzeigt. | Copyright: MPI für Psychiatrie, mpipsykl.mpg.de

München/ Deutschland - Anhand der Hirnaktivität träumender Probanden haben deutsche Neurowissenschaftler erstmals erfolgreich Rückschlüsse auf den Trauminhalt gezogen. Möglich wurde dies mit Hilfe so genannter luzider Träumer, also von Menschen, die sich ihres Träumens bewusst werden und ihre Trauminhalte verändern können. Die Messungen zeigen, dass das Gehirn im Traum ähnlich aktiv ist wie bei der tatsächlich ausgeführten Handlung im Wachzustand.

Mit Hilfe bildgebender Verfahren wie etwa der funktionellen Kernspintomografie können Wissenschaftler seit einigen Jahren Gehirnaktivität während des Schlafs räumlich genau lokalisieren und sichtbar machen. Hirnaktivität während eines Traumes konnte bislang jedoch noch nicht gemessen werden, da eine gemessene Hirnaktivität sich nur dann auf einen spezifischen Traum zurückgeführt werden kann, wenn die genaue zeitliche Übereinstimmung von Trauminhalt und Messung bekannt ist. Das Problem: Ob ein Mensch träumt, könnte also nur die Person selbst mitteilen.

Die Wissenschaftler um Studienleiter Michael Czisch vom "Max-Planck-Institut für Psychiatrie", der Berliner "Charité" und des "Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften" in Leipzig haben sich deshalb die Fähigkeit luzider Träumer zu Nutze gemacht, bewusst zu träumen. Der "Klarträumer" sollte sich während des Schlafs in einem Kernspintomografen seines Traumes bewusst werden und diesen sogenannten luziden Zustand an die Forscher durch Augenbewegungen melden. Dann sollte er willentlich "träumen", zuerst die linke und dann die rechte Hand für 10 Sekunden wiederholt zu einer Faust zu ballen.

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Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler anhand der Hirnströme (EEG) des Untersuchten den Eintritt in den REM-Schlaf messen. Hierbei handelt es sich um jene Schlafphase, in der Träume besonders intensiv empfunden werden. Die ab diesem Zeitpunkt gemessene Aktivität des Gehirns spiegelte den vereinbarten "Traum" wider, abwechselnd die Fäuste zu ballen.

"Tatsächlich wurde eine Region in der sensomotorischen Großhirnrinde des Gehirns aktiviert, die für die Ausführung von Bewegungen zuständig ist", erläutert die Pressemitteilung des "Max-Plank-Instituts" (mpg.de). "Dies zeigt auch ein direkter Vergleich mit der Gehirnaktivität, die bei einer tatsächlich ausgeführten Bewegung der Hand im Wachen auftritt. Auch wenn der luzide Träumer sich die Bewegung der Hand im Wachen nur vorstellt, reagiert die sensomotorische Hirnrinde ähnlich (s. Abb.)."

Die Übereinstimmung der gemessenen Gehirnaktivität von Traum und bewusster Handlung zeigt, dass Trauminhalte gemessen werden können. "Wir können mit dieser Kombination aus Hirnströmen während des Schlafs, bildgebenden Verfahren und luzidem Träumen jedoch nicht nur einfache Bewegungen im Traum untersuchen, sondern auch die Aktivierungsmuster im Gehirn bei visuellen Traumwahrnehmungen messen“, sagt Martin Dresler, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

Die Forscher konnten die mittels Kernspin gewonnen Daten an einem anderen Probanden durch eine weitere Technik bestätigen. Mit Hilfe der so genannten Nah-Infrarot-Spektroskopie beobachteten sie zusätzlich eine gesteigerte Aktivität in einer Hirnregion, die bei der Planung von Bewegungen eine wichtige Rolle spielt. "Unsere Träume sind also kein 'Schlaf-Kino', in dem wir passiv ein Geschehen nur beobachten, sondern schließen Aktivität in denjenigen Hirnregionen mit ein, die für die Traumhandlung relevant sind", erklärt Michael Czisch, Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

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