Donnerstag, 24. November 2011

Sprites: Atmosphärische "Kobolde" könnten auf Leben auf anderen Planeten hinweisen

"Roter Kobold": Atmosphärisches Wetterphänomen, aufgenommen am 4. Juli 1994. | Copyright: NASA/University of Alaska

Tel Aviv/ Israel - Seit Beginn der Luftfahrt wurden sie zwar von Piloten gesichtet und beschrieben, von Wissenschaftlern jedoch jahrzehntelang als Halluzinationen oder gar Spinnereien abgetan: Farbige Leuchtphänomene oberhalb der Wolkendecke, die bis zu 100 Kilometer nach oben ausschlagen und meist einer schmalen Stichflamme oder sogar einem Atompilz gleichen können.

Erst als die Phänomene durch wissenschaftliche Beobachtungen in 50 bis 85 Kilometern Höhe nachgewiesen werden konnten, wurden sie als atmosphärische Wetterphänomene anerkannt. Verursacht werden sie durch elektrische Entladungen von Blitzgewittern und ermöglichen Wissenschaftlern seither neue Einblicke in die Zusammensetzung unserer Atmosphäre.

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Verschiedene Formen von Sprites in den oberen Atmosphärenschichten der Erde (Illu.). | Copyright: Abestrobi, cc-by-sa 3.0

In einer Studie haben sich internationale Wissenschaftler an der "Tel Aviv University" (TAU) nun den sogenannten Sprites (Kobolden) gewidmet und diese im Labor reproduziert. Sie kommen zu dem Schluss, dass die atmosphärischen Kobolde wahrscheinlich auch in den Atmosphären anderer Himmelskörper zu finden sind und hier sogar Rückschlüsse auf dort vorhandenes Leben ermöglichen könnten.

In ihren Experimenten haben die Forscher um Dr. Daria Dubrovin, Prof. Colin Price, Prof. Yoav Yair von der "Open University of Israel", Ute Ebert und Dr. Sander Nijdam von der "Technischen Universiteit Eindhoven" in den Niederlanden erkannt, dass die Farbe der nur wenige Augenblicke andauernden Sprites Rückschlüsse auf die in der jeweiligen Atmosphäre vorhandenen Moleküle und dortige elektrische Prozesse zulassen.

Da Blitze von vielen Forschern als Schlüsselfaktoren bei der Entstehung organischer Moleküle und damit auch der Bausteine des Lebens betrachtet werden (...wir berichteten), könnte also der Nachweis von Sprites in den höheren Atmosphärenschichten eines Planeten auch Rückschlüsse auf dortiges Leben zulassen.

Um zu testen, ob Sprites also auch auf anderen Planeten vorkommen können, hat das Team um Dubrovin die Atmosphären von Jupiter, Saturn und Venus im Labor simuliert und darin extrem kurzlebige elektrische Entladungen generiert, die natürliche Sprites imitieren sollten. Bilder dieser Entladungen wurden dann anhand verschiedener Faktoren wie Helligkeit, Farbe, Größe und Geschwindigkeit quantifiziert um zu bestimmen, wie kraftvoll die außerirdischen Höhengewitter ausfallen können.

Eine Aufnahme eines im TAU-Labor simulierten Sprite in der Saturnatmosphäre. | Copyright/Quelle: aftau.org

Dubrovin erhofft sich nun, dass die Ergebnisse die NASA und ESA davon überzeugen, die Sensoren und Kameras der gemeinsamen Saturnsonde "Cassini" auf die Suche nach Sprites in der Atmosphäre des Ringplaneten auszurichten. "Gerade jetzt tobt in der Atmosphäre des Saturns ein gewaltiges Gewitter, das pro Sekunde mehr als 100 Blitze erzeugt (...wir berichteten). Hierbei handelt es sich um ein einzigartiges Phänomen, das so wahrscheinlich nur einmal in zehn Jahren zu beobachten ist. Über den die gewöhnlichen Blitze erzeugenden Atmosphärenschichten von Jupiter und Saturn befinden sich dichte Wolkenschichten, die teilweise das Licht der Blitze verdecken", erläutert Dubrovin. "Sollte die Sonde Bilder von Sprites in den höheren Schichten der Saturnatmosphäre liefern, könnten diese auch neue Rückschlüsse auf den sich darunter austobenden Sturm ermöglichen."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / aftau.org
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