Mittwoch, 16. November 2011

Wissenschaftler lösen Rätsel der polierten Felsen in der Atacamawüste

Eine Ebene angefüllt mit großen Felsbrocken mit polierten Oberflächen in der Atacamawüste. | Copyright: Jay Quade

Tucson/ USA - Lange Zeit galten die dicht aneinander platzierten großen Felsbrocken in der chilenischen Atacamawüste, deren Seiten geradezu wie sanft poliert erscheinen, als großes Rätsel, um dass sich auch exotische Erklärungstheorien rankten und die selbst erfahrene Geologen sprachlos machten. Durch einen Zufall haben US-Forscher nun den Prozess, der zu den geschliffenen und polierten Oberflächen der Felsen direkt beobachten und damit auch die Entstehung der Ebene erklären können.

Eine Magenverstimmung war es, die die Geologen um Jay Quade, Peter Reiners und Kendra Murray von der "University of Arizona" zu einer kurzen Rast an den großen Felsbrocken veranlasste. Dabei fielen Quade die teilweise poliert erscheinenden Seitenflächen der bis zu acht Tonnen schweren Steine auf: "Doch was könnte diese Strukturen an diesem Ort, an dem die normalerweise häufigste Ursache von Erosion - Wasser - nahezu nicht vorhanden ist?"

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Das erste, woran der Forscher dachte, waren Erdbeben, liegen diese Felsen doch schon seit rund zwei Millionen Jahren in der sandigen Ebene. Wurden sie also von seismischen Wellen immer wieder aneinander gerieben und so ihre Seiten nach und nach glatt geschliffen? Doch obwohl diese Theorie plausibel erschien, glaubte Quade nicht im Traum daran, sie auch einmal beweisen zu können.

Auf einer späteren Forschungsreise in die Atacama stand der Geologe erneut an der Felsebene, als die Region von einem Erdbeben der Stärke 5,3 erschüttert wurde. "Die ganze Landschaft begann sich zu bewegen und der Klang der aneinander reibenden Felsen war laut und deutlich zu hören. Es war ein ungeheurer Klang, wie das Schlagen tausender kleiner Hämmer", erinnert sich Quade.

"Ich war erstaunt, dass dieses Erdbeben genau dann einsetzte als wir vor Ort waren und uns regelrecht demonstrierte, wie die Steine poliert werden", berichtete Quade auf dem Jahrestreffen der "Geological Society of America" in Minneapolis.

Wahrscheinlich stammen die Feldbrocken selbst von den Anhöhen der die Ebene überragenden Hügel, wurden wahrscheinlich durch Erdbeben gelöst und sammelten sich in der sandigen Ebene. Quade vergleicht dieses Entstehungsszenario des Ortes mit einem überfüllten Bahnhof, in dem die wartenden Reisenden dicht an dicht gedrängt stehen und sich dabei aneinander reiben. "In diesen Fall wurden die Felsen vor vielen Jahrtausenden in diesen Bahnhof gedrängt, ohne dass je ein Zug kam. Die Ebene wurde nach und nach also immer voller und immer mehr Steine rieben sich immer wieder aneinander.

Analysen der Oberflächen der Felsbrocken deuten daraufhin, dass diese hier schon seit einer bis zwei Millionen Jahren liegen. Dieses Alter, kombiniert mit der Tatsache, dass die seismische Aktivität in de Region Erdbeben von der Stärke wie jenes, dass Quade und Kollegen selbst miterleben konnten, erzeugen kann, legt die Schätzung nahe, dass die mit den Felsbrocken bestückte Ebene bereits insgesamt zwischen 50.000 und 100.000 Stunden erlebt hatte.

Zugleich beantwortet die Beobachtung auch die Frage der Entstehung der Eben selbst: "Wie erodiert eine Landschaft derart stark ohne, dass es ausgedehnte Regenfälle gibt? Die Antwort ist auch hier die seismische Aktivität", so Quade.

Aufgrund dieser Erkenntnis spekuliert der Geologe weiter, dass sich ähnliche Ebenen auch auf anderen Planeten wie beispielsweise dem Mars, finden lassen könnten. "Wenn es auf dem Mars seismische Aktivität gibt und sei dies nur durch Meteoriteneinschläge, so könnte diese auch dort ähnliche Landschaften entstehen lassen."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / geosociety.org
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