Donnerstag, 1. Dezember 2011

Auch Schimpansen nutzen Nahrung gezielt als Medizin

Archiv: Schimpanse im Zoo | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Paris/ Frankreich - Eine Untersuchung der Nahrung frei lebender Schimpansen bestätigt altes Volkswissen, wonach kranke Tiere selbst genau wissen, was sie fressen müssen, um wieder gesund zu werden - zeigte sich doch, dass eine Vielzahl der von den Tieren konsumierten Pflanzen keine Nährstoff-Funktion bedienen, jedoch medizinische Eigenschaften wie etwa antibakterielle Wirkungen aufzeigen. Die Erkenntnisse der aktuellen Studie deuten daraufhin, dass der Ursprung der Medizin schon vor dem Menschen selbst anzusiedeln ist.

Wie die Forscher um Shelly Masi vom "Muséum national d'Histoire naturelle" in Paris aktuell im Fachmagazin "Physiology & Behavior" berichten, konnten sie zeigen, dass sich die Menschenaffen durch ihre Nahrung sozusagen selbst behandeln. "Wir glauben, dass diese Form der Selbstbehandlung schon von unseren frühen Vorfahren betrieben wurde und mit einer hohen sozialen Toleranz und dem Mangel an einer Spezialisierung des Magens auf pflanzliche Kost einherging", so Masi.

Nach den Untersuchungen der Nahrung einer Gruppe aus mehr als 40 frei lebenden Schimpansen im Kibale Nationalpark in Uganda, setzten die Forscher die Verfügbarkeit und Inhaltsstoffe der verzehrten Pflanzen mit der sozialen Interaktion der Tiere untereinander in Verbindung. Die gleichen Informationen trugen die Wissenschaftler auch über wilde Gorillas im Dzanga-Ndoki National Park in der Zentralafrikanischen Republik zusammen. Ein Vergleich zeigte, dass die Schimpansen rund doppelt so viele Nahrung ohne nährstofflichen Wert zu sich nehmen als die Gorillas. Tatschlich sind Gorillamägen aber auch angepasster und sehr viel besser in der Lage, schädliche Stoffe zu entgiften und zu verwerten, was die Notwendigkeit einer Selbstmedikation, wie die Schimpansen und Menschen betreiben, weniger notwendig macht.

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Genau wie Menschen, so sind auch Schimpansen besonders soziale Wesen, die durch dieses Verhalten voneinander lernen - unter anderem eben auch, was genießbar ist und was nicht. "Ältere und erfolgreichere Individuen sind für den Rest der Gruppe meist ein Vorbild und ihr Verhalten wird von den im Rang niedrigeren Tieren kopiert. Erstere sind es auch, die am meisten für die Weitergabe von Nahrungstraditionen verantwortlich sind."

Anhand ihrer Analyse haben die Forscher in ihrer Arbeit auch die Schimpansenapotheke aufgeschlüsselt, in der sich unter anderem Pflanzenstoffe mit anti-bakterieller, anti-malarialer, anti-diarrhealer sowie anti-tumoraler und entwurmender Wirkung finden.

Zudem konnten die Wissenschaftler beobachten, dass die Tiere gezielt nach jenen Teilen der Pflanzen suchten, die entsprechende Stoffe beinhalteten und diese selbst dann bevorzugten, auch wenn zugleich auch nährstoffreichere Nahrung im Angebot war.

In einer von Masis Ergebnissen unabhängigen Studie konnten Forscher des "Utah State University's Department of Wildland Resources" um Juan Villalba und Serge Landau vom israelischen "Volcani Center" ein ähnliches Verhalten auch bei wilden und zahmen Ziegen nachweisen. Diese saugten mit Vorliebe etwa an Pflanzen mit anti-parasitären Inhaltsstoffen wie etwa Schirmakaziengewächsen, was bei den Tieren umgehend zu einer Ausscheidung von Würmern im Kot und Urin der Tiere führte und so offenbar den erwünschten Erfolg erzielte.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / journals.elsevier.com/physiology-and-behavior / mnhn.fr / news.discovery.com
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