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Donnerstag, 13. Januar 2011

Auch Füchse haben Magnetsinn

Rotfuchs | Copyright: U.S. Fish and Wildlife Service

Duisburg/ Deutschland - Ihre Beute erlegen Rotfüchse meist mit einem Sprung. Dabei springen sie jedoch nicht einfach so auf ihre Opfer zu. Wissenschaftler der "Universität Duisburg-Essen" und der Prager "Agraruniversität" haben herausgefunden, dass sich Füchse bei diesen Sprüngen unbewusst am Magnetfeld der Erde ausrichten.

Mehr als 80 Füchse haben die Forscher um Dr. Sabine, Begall Prof. Dr. Hynek Burda und Prof. Dr. Jaroslav Cerveny bei fast 600 Jagdsprüngen beobachtet und ihre Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Biology Letters" publiziert.

Der Rotfuchs zählt zu den bekanntesten heimischen Säugetieren, obwohl ihn bisher nur wenige Menschen in freier Wildbahn gesehen haben. Noch seltener lässt er sich beim Jagen von Nagetieren beobachten. Hierzu schleicht sich Meister Reinecke an seine Beute heran und springt hoch, so dass er dabei beispielsweise eine Wühlmaus von oben überrascht. Im hohen Schnee taucht er regelrecht kopfüber ein. Seine Beute kann der Fuchs zumindest in hoher Vegetation oder unter der Schneedecke nicht sehen - er ortet sie offensichtlich nur mit seinem empfindlichen Gehör. Diese charakteristische Technik wird im Jägerjargon "Mausen" bezeichnet.

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"Erstaunlicherweise neigen die Füchse dazu, sich beim Orten der Beute und bei der Vorbereitung zum Sprung an der nordsüdlichen Kompassachse auszurichten", berichtet Professor Burda. Hierbei spielen weder Wetterverhältnisse, noch Jahres- und Tageszeit eine Rolle, so dass man von einer magnetischen Ausrichtung und somit auch Magnetwahrnehmung beim Rotfuchs ausgehen kann. In hoher Vegetation (oder im Schnee) sind über 80 Prozent der Sprünge in Nordrichtung (genauer Nordnordostrichtung) und ca. 60 Prozent der in Südrichtung erfolgreich; die Erfolgsquote der Sprünge in andere Kompassrichtungen liegt dagegen bei weniger als 15 Prozent.

"Diese Beobachtungen liefern den ersten empirischen Hinweis für die theoretischen Überlegungen, dass magnetorezeptive Tiere mit ihrem Magnetkompass nicht nur die Richtung, sondern auch die Entfernung messen können", so Burda. Dieser magnetische Entfernungsmesser, der allerdings nur in Nord-Südausrichtung funktionieren kann, würde die Richtungspräferenz beim "Mausen" erklären.

Die Wissenschaftler haben kürzlich die Magnetorezeption beim Hausrind, Rot- und Rehwild nachgewiesen. Mit dieser Arbeit zeigen sie, dass die Magnetfeldwahrnehmung bei Säugetieren weiter verbreitet ist als ursprünglich gedacht und in verschiedenen Kontexten benutzt werden kann. Die Erkenntnisse geben den Forschern neue Impulse für die Erforschung der Magnetorezeption.

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Quellen: uni-due.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

Forscher hoffen auf Urzeit-Leben im antarktischen Wostoksee

Radar-Aufnahme des Wostoksees durch von "RADARSAT-1" | Copyright: NASA

St. Petersburg/ Russland - Wahrscheinlich seit mehreren Millionen Jahren ist der Wostok-Süßwassersee unter einem bis zu vier Kilometer dicken Eispanzer der Antarktis verborgen und dadurch hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen. Russische Forscher wollen nun in den See vordringen und hoffen hier, auf urzeitliche Lebensformen zu stoßen.

Eine direkte Anbohrung der Forscher um Valery Lukin und Sergei Bulat vom russischen "Arctic and Antarctic Research Institute" (AARI) wurde erst kürzlich vom "Sekretariat für das Antarktische Vertragssystem" ("Antarctic Treaty Secretariat", ATS), das für den Schutz des weißen Kontinents verantwortlich ist, genehmigt.

Zur Erkundung des Wostoksees haben die Forscher eine Methode erdacht, durch die eine Kontamination des versiegelten Gewässers unter dem Eis vermieden werden soll. "Sobald unser Bohrkopf den Wasserkörper unter dem Eis erreicht, wird der Wasserdruck den Bohrkopf durch den Bohrkanal zurück an die Oberfläche pressen", erläutert Lukin gegenüber "NewScinetist.com". Das Wasser im Bohrkanal wird dann erneut gefrieren und wir kehren dann später zurück, um diese Eissäule selbst zu beproben.

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Von mehr als 150 bislang bekannten antarktischen Seen ist der Wostoksee mit einer Fläche von 16 Quadratkilometern der Größte und ist bis 1050 Meter tief. "Alles, was im Wostoksee lebt, ist entweder sehr alt oder eine bislang unbekannte Form von Leben", zeigen sich die Wissenschaftler schon jetzt von möglichen Entdeckungen fasziniert.

Schon seit 1998 bemühen sich die russischen Forscher um eine Genehmigung für eine Anbohrung des Wostok, konnten aber erst jetzt eine Methode vorweisen, die eine Kontamination des Gewässers ausschließt und so auch vom ATS akzeptiert werden konnte.

Das nun schon seit Ende Dezember entstehende Bohrloch soll bis in eine Tiefe von 3725 Metern vorstoßen. Danach wird der traditionelle Bohrkopf durch einen neuentwickelten Hitzebohrkopf ersetzt, der - mit einer Kamera ausgestattet - die restlichen Meter im Eis bis zum Wasserreservoir zurücklegen soll. Während Kritiker bezweifeln, dass der derzeitige Bohrversuch noch binnen der nächsten Wochen bis zum Wasser des Wostok vorstoßen kann, zeigen sich die Russen aktuell zuversichtlich und hoffen, schon bald den See erkunden zu können.

Auch die NASA zeigt sich an einer Anbohrung des Wostoksees interessiert, nicht zuletzt, weil Wissenschaftler Parallelen zum wahrscheinlich unter einem dicken Eispanzer verborgenen Ozean auf Jupitermond Europa ziehen. Eine Beprobung des Sees plant die NASA im Rahmen der "Europa/Wostok Initiative" ebenfalls schon seit 1998. Mit Hilfe eines sogenannten Kryobots, einer Sonde, die sich mittels eines thermalen Schmelzbohrkopfs bis zur Wassergrenze des Sees vorarbeitet, soll eine weitere Sonde, ein sogenannter Hydrobot, zur Erkundung des Gewässers ausgesetzt werden. Auch diese Mission wurde aufgrund ungeklärter Kontaminationsgefahren noch 2003 um rund 10 Jahre verschoben.

Die bei früheren Bohrversuchen, wie sie jedoch nur bis zu 60 Meter an den See vordrangen, entdeckten Mikroben im Bohrkern weisen darauf hin, dass es im Wostoksee tatsächlich Leben gibt. Kritiker vermuten jedoch lediglich eine Kontamination mit Mikroben von der Oberfläche.

Sowohl die niedrigen Temperaturen als auch ein aufgrund des enorm hohen Drucks extrem hoher Sauerstoffgehalt, der jenen von normalem Süßwasser um etwa das Fünfzigfache übersteigt, aber durch das Vorkommen von Klathraten, also Einschlussverbindungen gasförmiger Stoffe im Eis, dürfte der Wostoksee einen sehr extremen Lebensraum darstellen. In welcher Form sich hier also Leben erhalten und entwickelt haben könnte, bleibt reine Spekulation.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / aari.nw.ru / newscientist.com

Mondwasser stammt aus dem Erdmantel und von Kometen

Blick auf den Mond aus dem Erdorbit heraus | Copyright: NASA

Knoxville/ USA - Ein Team US-amerikanischer und japanischer Wissenschaftler hat herausgefunden, woher ein Teil des Mondwassers stammt. Laut der Studie der Forscher gelangte das Nass unter anderem mit Kometen auf den Erdtrabanten.

Larry Taylor von der "University of Tennessee" war schon an der Entdeckung der Spuren von Wasser auf dem Mond beteiligt (...wir berichteten: 1, 2) und somit an der Widerlegung des Mythos vom Mond als staubtrockener Ödnis beteiligt. Zugleich stellten die Forscher fest, dass das Wasser sogar in solch großen Mengen vorhanden ist, dass es sogar zur Versorgung von bemannten Mondbasen verwendet werden könnte. Woher bzw. wie das Wasser jedoch auf einst auf den Mond gelangte, war bislang Inhalt zahlreicher Spekulationen, Studien und kontroverser Diskussionen.

Genau dieser Frage sind die Forscher in ihrer aktuellen Studie nachgegangen und haben ihre Ergebnisse auf der Internetseite des Fachmagazins "Nature Geoscience" veröffentlicht.

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Anhand von Mondbodenproben, die von den Apollo-Missionen zurück zur Erde gebracht wurden, führte Taylor gemeinsam mit James P. Greenwood von der "Wesleyan University", Shoichi Itoh, Naoya Sakamoto und Hisayoshi Yurimoto von der "Hokkaido University" und Paul Warren von der "University of California" in Los Angeles Analysen von Wassersignaturen mit einem Sekundärionen Massenspektrometer durch, mittels welcher die Herkunft des Wassers identifiziert werden konnte.

Hierbei stellten sie überrascht fest, dass sich das Mondwasser von dem Wasser der Erde unterscheidet: "Diese Erkenntnis zwingt uns wieder zum Anfang unserer Fragestellungen zurückzukehren, wie sie mit der Entstehung des Erde-Mond-Systems einhergehen", erläutert Taylor. "Vor unseren Untersuchungen glaubten wir, dass Erde und Mond nachdem gewaltigen Einschlag, (durch den, so die bislang gängigste Theorie, der Mond aus den Trümmern des Zusammenstoßes der Erde mit dem marsgroßen Himmelskörper Theia, entstand) die gleichen flüchtigen Bestandteile, lediglich in unterschiedlichen Mengen, beinhalteten. Unsere Arbeit wirft nun ein neues Licht auf die Herkunft des Wassers - Kometen."

In dieser frühen Phase, so nehmen die Forscher an, sei das Erde-Mond-System einer großen Menge von Kometen ausgesetzt gewesen. Die Erde verfügte zu diesem Zeitpunkt bereits über größere Mengen von Wasser und flüchtigen Bestandteilen. "Der Mond jedoch war damals tatsächlich noch knochentrocken und erlangte sein Wasser hauptsächlich durch den Einschlag der 'schmutzigen Eiskugeln'."

Die Analysen belegen, dass die Mondwasser schon zu allen Zeiten vorhanden waren und teilweise durch die Interaktion des Sonnenwindes mit dem Mondboden (...wir berichten) des Weiteren von Kometen und wiederum weitere Teile aus dem Mondinnern bzw. aus dem Erdmantels stammt. Ein weiteres Indiz also für die derzeitige Lehrmeinung von der Entstehung des Mondes durch einen Zusammenstoß der Erde mit Theia.

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