Archiv: Sonnenaufgang über dem Toten Meer | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.deFreiburg/ Deutschland - Freiburger Mikrobiologen haben einen bislang unbekannten jedoch zentralen Stoffwechselweg in Mikroorganismen entdeckt, mit dessen Hilfe diese Lebewesen auch unter extrem salzhaltigen Umweltbedingungen leben können.
Ein derartiger Lebensraum ist beispielsweise das sogenannte Tote Meer (s. Abb.), das entgegengesetzt zu seinem Namen und trotz seines extrem hohen Salzgehalts von Mikroorganismen bewohnt wird, zu denen vor allem salztolerante Archaeen gehören. Diese zählen zu den ursprünglichsten irdischen Lebensformen und haben bis heute insbesondere in extremen Umgebungen überlebt.
Eine Forschergruppe um Dr. Ivan Berg vom "Institut für Biologie II" an der "Universität Freiburg" hat sich nun mit den Stoffwechselvorgängen in gerade diesen Mikroorganismen beschäftigt, die bisher nicht verstanden waren.
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Schon länger war bekannt, dass salztolerante Archaeen unterschiedlichste organische Verbindungen als Nahrungsquelle nutzen, um über aktivierte Essigsäure (Acetyl-Coenzym A) die benötigten Zellbausteine und Vitamine zu synthetisieren. Am Beispiel des Mikroorganismus Haloarcula marismortui, konnten Dr. Ivan Berg, seine Kolleginnen Dr. Maria Khomyakova, Özlem Bükmez, sowie die Kollegen Lorenz Thomas und Dr. Tobias Erb erstmals die Details dieses Stoffwechselweges aufklären.
In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" beschrieben die Freiburger Forscher, wie sie mit Hilfe unterschiedlichster biochemischer und mikrobiologischer Methoden den gesamten Reaktionszyklus mit allen Zwischenschritten aufklären konnten. Der komplette Stoffwechselweg wurde nach seinem charakteristischen Schlüsselintermediat "Methylaspartat-Zyklus" benannt.
Darüber hinaus beschäftigten sich die Wissenschaftler auch mit der Frage, wie dieser neue Stoffwechselweg entstand, da die Vorfahren salztoleranter Archaeen ihren Lebensstil ändern und den Stoffwechselweg erst "erfinden" mussten, um sich ihren salzigen Lebensraum zu erschließen.
Untersuchungen ergaben überraschenderweise, dass die Gene für diesen Stoffwechselweg von den Vorfahren salztoleranter Archaeen aus anderen Mikroorganismen "zusammengeklaubt" wurden. Zufällige Gen-Transporte zwischen Organismen sind unter dem Namen "lateraler Gen-Transfer“ schon länger bekannt. Neu ist jedoch, dass der "Methylaspartat-Zyklus" sich komplett aus alten Genen unterschiedlicher Funktion und völlig unterschiedlicher Stoffwechselwege zusammensetzt.
"Die zufällige (Neu)-Kombination all dieser Gene in einem Vorfahren salztoleranter Archaeen führte so zu diesem neuen Stoffwechselweg", berichtete die Pressemitteilung der Universität. "Die Forscher erklären sich diesen Entstehungsprozess damit, dass es schwieriger und langsamer sei, neue Gene zu "erfinden", als existierende Gene nach dem "Bastelprinzip" zu kombinieren, um dadurch neue Stoffwechselvarianten zu erzeugen.
"Das Bastelprinzip ist unter Biowissenschaftlern als 'evolutionary tinkering' bekannt geworden und soll verdeutlichen, dass die Evolution kein perfekter Ingenieur ist, der von Anfang an alles mit Bedacht plant und genau weiß, was er am Ende erhalten will. Die Evolution erscheint Biologen viel eher als eine Art Bastler, der herumwerkelt, um dringende Probleme irgendwie zu lösen. Bastler benutzen dazu nicht unbedingt neue, maßangefertigte Bauteile (im biologischen Sinne Gene), sondern das, was gerade in Griffnähe und einigermaßen brauchbar ist. Dieses Prinzip gilt auch für die Entstehung neuer Stoffwechselwege unter extremsten Bedingungen, wie die Arbeit von Berg und seinen Kollegen zeigt."
Quellen: biologie.uni-freiburg.de / grenzwissenschaft-aktuell.de


