https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Montag, 24. Januar 2011

Sonde liefert neue Aufnahmen von Marsmond Phobos

Anflug auf Phobos (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen) | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Berlin/ Deutschland - Die ESA-Sonde "Mars Express" hat erste Bilder vom Vorbeiflug am Marsmond Phobos vom 9. Januar 2011 zurück zur Erde geschickt. Die Sonde überflog den größten Marsmond dabei in einem Abstand von nur 100 Kilometern und lieferte erneut erstaunliche Nahaufnahmen.

Ebenso wie unser Mond, so ist Phobos an seinen Planeten rotationsgebunden - zeigt also immer mit derselben Seite in Richtung Mars. Um den Mond also von allen Seiten zu erkunden, muss sich die Sonde außerhalb der Umlaufbahn des Trabanten bewegen.

Phobos im 3D (Rot-Cyan) Anaglyphenbild(Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen) | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Bei Phobos handelt es sich um einen Mond von 27 x 22 x 19 Kilometern Größe. Woher er kam bzw. wie er entstanden ist, wird bislang immer noch von Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Anhand der Oberflächenstruktur glauben einige Forscher, dass es sich um einen eingefangenen einstigen Asteroiden der Klasse C handeln könnte. Eine andere Erklärung vermutet, dass er aus dem gleichen Ausgangsmaterial wie der Mars besteht und sich zeitgleich mit dem Planeten geformt hatte.

Phobos im Vorbeiflug (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen) | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Erst im vergangenen Herbst hatten italienische Wissenschaftler anhand frühere Daten der Mission Schichtsilikate und somit Belege für ehemals flüssiges Wasser auf Phobos nachgewiesen und glauben darin einen Beweis dafür gefunden zu haben, dass der Mond selbst einst Teil der Marsoberfläche war und durch einen gewaltigen Einschlag entstand (...wir berichteten).

Noch in diesem Jahr soll die russische Sonde "Fobos Grunt" (Phobos Boden) Proben des Marsmondes nehmen und diese zurück zur Erde bringen. Für dieses Vorhaben wurden nun die geplanten Landeregionen erneut genauer unter die Lupe genommen.

Geplante Landeplätze der russischen "Phobos-Grunt"-Mission | ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Hinweise auf flüssiges Wasser auf Marsmond Phobos

21. September 2010
Marsmond Phobos: USA spekulierten einst über künstlichen Ursprung
25. Februar 2010
Bald irdisches Leben auf Marsmond Phobos

28. Februar 2009
Marsmond Phobos ein kosmischer Schutthaufen?
19. Oktober 2008
Mars Express erstellt bislang schärfstes Bild von Marsmond Phobos
31. Juli 2001

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / esa.int

Italienische Forscher präsentieren Reaktor für Kalte Fusion

Standbild aus dem Demonstrationsvideo des Reaktors | Copyright: journal-of-nuclear-physics.com

Bologna/ Italien - Italienische Wissenschaftler der "Università di Bologna" haben erklärt, dass sie mittels des Verfahrens der sogenannten Kalten Fusion erfolgreich Wärmeenergie erzeugen können und der Reaktor sogar schon Serienreif sei.

Andrea Rossi und Sergio Focardi erklärten, dass sie mit dem von ihnen konzipierten Reaktor in der Lage seien, eine kontrollierte Kernfusion sozusagen bei Raumtemperaturen und ohne die hohen Temperaturen von plasmabasierten Fusionsreaktoren zu erreichen. Seit den 1940er Jahren gelten Theorien und Visionen um die "Kalte Fusion" als Hoffnungsträger für eine kostengünstige und saubere Energiequelle, wie sie bislang jedoch noch nie in reproduzierbaren Experimenten erzeugt werden konnte.

Am vergangenen Freitag demonstrierten die Wissenschaftler auf einer Pressekonferenz, wie sie mittels des von ihnen konzipierten Nickel-Wasserstoff-Fusionsreaktors mit einer Eingabe von nur 400 Watt eine Wärmeleistung von 12.400 Watt erzeugten. Hinzu erklärten Rossi und Focardi sogar, der Reaktor habe die Forschungsphase bereits überschritten und erste bestellte Einheiten seien schon Ende des Jahres versandfertig.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

In der Anlage, so die Forscher, sollen Kerne von Nickelatomen mit jenen von Wasserstoff verschmolzen werden - ein Vorgang bei dem sowohl Kupfer als auch große Mengen von Energie entstehen und für den die Anlage weniger als 1 Gramm Wasserstoff verbrauche. Hierbei werden zunächst 1.000 Watt an Elektrizität benötigt, die nach wenigen Minuten auf 400 Watt reduziert werden. Jede Minute, so berichtet unter anderem auch "PhysOrg.com", kann die beschriebene Reaktion 292 Gramm von 20 Grad Celsius warmes Wasser in Trockendampf von 101 Grad umwandeln. Da dieser Prozess 12.400 Watt an Energie benötigt, entspricht der Energiegewinn also dem Faktor 12.400/400=31. Die Forscher schätzen derzeit, dass dieser Vorgang weniger als ein Cent/kWh kostet. Wesentlich weniger also, als wenn das gleiche Ergebnis mit Kohle- oder Gaskraftwerken erzeugt werden würde - jedoch ohne, dass dabei Kohlendioxid oder gar radioaktive Abfälle entstehen.

Um einen verlässlichen Betrieb garantieren zu können, sollen die angekündigten kommerziellen Einheiten auf 8 Einheiten an ausgegebener Energie nur eine Einheit an Eingabenergie verbrauchen, obwohl - wie am 15. Januar demonstriert - deutlich höhere Werte möglich wären. Durch die Kombination mehrerer Anlagen soll jedoch schon jetzt eine höhere Energieabgabe möglich sein. Derzeit sei eine Anlage in Planung, die durch die Kombination von 125 Einheiten insgesamt 1 Megawatt produzieren können soll.

Schon seit zwei Jahren soll eine bereits tätige Anlage mittlerweile fortwährend laufen und Wärme für eine kleine Fabrik liefern. Genauer Angaben über deren Standort liegen bislang jedoch noch nicht vor.

Der ungewöhnliche Weg der Veröffentlichung ihres Forschungserfolgs in Form einer ersten Präsentation der Anlage auf einer kleinen Pressekonferenz vor 50 anwesenden Personen, war das Ergebnis einer Ablehnung eines dazugehörigen (mittlerweile online im eigens veröffentlichten "journal-of-nuclear-physics.com" selbstpublizierten) Fachartikels durch zahlreiche Fachzeitschriften. Grund hierfür sei stets der Mangel an theoretischen Erklärungen dafür gewesen, wie der Reaktor genau funktioniere: "Was genau die Kalte Fusion auslöse, können wir nicht erklären. Die spätere Anwesenheit von Kupfer und die nachweisliche Energieabgabe sind jedoch Beweis dafür, dass es funktioniert."

Nicht zuletzt aufgrund dieser Mängel sehen sich Rossi und Focardi zahlreicher Kritik besonders aus wissenschaftlichen Kreisen ausgesetzt. Auch ein Antrag der Forscher auf Patentierung ihres Reaktor wurde bislang mit dem Hinweis abgelehnt, dass die Behauptungen den Gesetzten der Physik widersprächen und die Erfinder nicht genügend theoretische Grundlagen liefern, diese zu untermauern.

All dieser Kritik widersprechen jedoch zumindest italienische Forscher um Giuseppe Levi, Physiker am italienischen "Nationalen Institut für Kernphysik (Istituto Nazionale di Fisica Nucleare", INFN), der auch die Demonstration der Anlage mitorganisierte. Er bestätigt, dass der Reaktor tatsächlich 12 kW erzeugte und diese Energie nicht das Ergebnis chemischer Prozesse war. Schon bald will Levi gemeinsam mit Kollegen einen Bericht über ihre Einschätzung des Reaktors vorlegen.

Videomitschnitt der Pressekonferenz vom 15. Januar 2011 (in 3 Teilen)









Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / journal-of-nuclear-physics.com / physorg.com

Achtsamkeitsmeditation verändert Hirnstruktur innerhalb von acht Wochen

Archiv: Meditation | Copyright: franklaumen.de

Boston/ USA - Schon die Teilnahme an einem achtwöchigen Übungsprogramm in sogenannter Achtsamkeitsmeditation ruft messbare Veränderungen in Hirnregionen hervor, die beispielsweise für Erinnerung, Selbstwahrnehmung, Empathie und Stress verantwortlich sind. Zu diesem Ereignis kommt eine Studie von deutscher und US-amerikanischer Neurologen.

Wie die Wissenschaftler um Dr. Britta Hölzel vom "Bender Institute of Neuroimaging" an der "Justus-Liebig Universität Gießen" und Dr. Sara Lazar vom "Psychiatric Neuroimaging Research Program" am "Massachusetts General Hospital" in der kommenden Ausgabe des Fachmagazins "Psychiatry Research: Neuroimaging" berichten, ging es in der Studie darum, die Behauptungen von erfahrenen Meditierenden zu überprüfen, die berichteten, dass Meditation nicht nur zu einem Gefühl des Friedens und physischer Entspannung verhilft, sondern auch kognitive und psychologische Verbesserungen mit sich bringen kann, von welchen man auch im alltäglichen Leben profitieren könne.

"Unsere Studie zeigt, dass Veränderungen in der Hirnstruktur möglicherweise tatsächlich auf die Meditation zurückzuführen sind und sich die Meditierenden nicht einfach nur besser fühlen, weil sie durch die Meditation entspannt haben", so Lazar.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Schon in früheren Studien konnte Lazars Forschungsgruppe Strukturunterschiede zwischen den Gehirnen erfahrener Meditierer und Personen ohne entsprechende Erfahrungen nachweisen (...wir berichteten 1, 2). Bislang war es anhand dieser Studien jedoch noch nicht möglich gewesen, nachzuweisen, dass die Veränderungen tatsächlich durch die Meditation hervorgerufen worden waren.

In der aktuellen Studie wurden die Hirnstrukturen von 16 Probanden mittels Magnetresonanztomographie (MR, MRT) zwei Wochen vor Beginn des achtwöchigen intensiven Achtsamkeitsmeditations-Programms "Mindfulness-Based Stress Reduction" (MBSR) am "University of Massachusetts Center for Mindfulness" dokumentiert.

Zusätzlich zu den wöchentlichen Meditationssitzungen, bei welchen die urteilsfreie Wahrnehmung von Empfindungen, Gefühlen und der Gemütsverfassung angestrebt wurde, bekamen die Mitglieder der Meditationsgruppe Audioanweisungen für die persönliche Meditation zuhause und sollten hinzu aufzeichnen, wie lange sie täglich meditierten.

Im Gegensatz zu den Mitgliedern der nichtmeditierenden Kontrollgruppe, berichteten die Teilnehmer der Meditationsgruppe von deutlichen Verbesserungen, dass sie täglich durchschnittlich 27 Minuten meditiert hatten.

Auch die Auswertung der MR-Aufnahmen bestätigten eine gesteigerte Dichte der sogeannnten grauen Hirnsubstanz in jenen Hirnarealen, wie sie für jene in der Meditation trainierten Aufgaben zuständig sind; so etwa im Hippocampus, der eine wichtige Rolle beim Lernen und Erinnern spielt, aber auch in Strukturen, die mit Selbstwahrnehmung, Mitgefühl und Selbstprüfung assoziiert werden.

Die von den Meditationsteilnehmern beschriebene Reduktion von Stress, spiegelte sich mit einer zurückgegangenen Dichte der grauen Hirnsubstanz in der Amygdala wider, die eine wichtige Funktion in der Entstehung von Ängsten und Stress spielt.

Während in den früheren Studien auch eine entsprechende Substanzveränderung in der sogenannten Insula festgestellt werden konnte, jener Region also, die mit Selbstwahrnehmungsprozessen assoziiert wird, fanden sich für eine Zunahme der Dichte der grauen Hirnsubstanz in diesem Areal während der aktuellen Studie keine Anzeichen. Die Forscher vermuten jedoch, dass deren Zunahme möglicherweise längere Zeit beanspruchen könnte


Bei keinem Mitglied der Kontrollgruppe konnten die obig beschriebenen Veränderungen auch nur ansatzweise nachgewiesen werden, was schlussendlich auch belegt, dass es sich bei den Veränderungen der Meditierenden nicht um gewöhnliche Prozesse während der verstrichenen Zeitperiode gehandelt hatte.

"Es ist faszinierend zu sehen, dass unser Hirn eine derartige Plastizität aufweist und dass praktizierte Meditation eine aktive Rolle in diesen Veränderungen spielen kann, wie sie auch einen Beitrag zu alltäglichem Wohlbefinden und Verbesserung der Lebensqualität leisten kann", kommentiert Hölzel. "Andere Studien mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen haben gezeigt, dass Meditation zu bedeutenden Verbesserungen einer Vielzahl von Symptomen führen kann. Jetzt untersuchen wir die zugrunde liegenden Mechanismen im Hirn, wie sie diese Veränderungen ermöglichen."

Auch Dr. Amishi Jha, eine nicht an der Studie beteiligte Neurologin an der "University of Miami" zeigt sich von dem Ergebnis fasziniert. "Meditation kann nicht nur innerhalb von acht Wochen Stress reduzieren, sondern geht auch noch mit strukturellen Veränderungen im Hirn einher. Das öffnet viele neue Möglichkeiten für weitere Erforschungen des Potentials der Tiefenmeditation, etwa als Schutz gegen stressbedingte Störungen, wie etwa dem posttraumatischen Stresssyndrom."

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Neue Studie: Yoga hilft gegen Stress und vermehrt Hirnsubstanz
24. November 2008
Studie: Zen-Meditation reinigt tatsächlich den Geist
3. September 2008
Harvard-Studie: Meditation verändert das Gehirn

24. Juni 2008

Studie belegt: Transzendentale Meditation kann Bluthochdruck verringern
18. März 2008

Hin-Scans zeigen, wie Meditation wirkt
2. Juli 2007

Bücher zum Thema:


- - -


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / mgh.harvard.edu

Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE