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Samstag, 5. Februar 2011

Homöopathische Ärzte kritisieren Überdosierungs-Aktion als Unsinn

Archiv: Homöopathische Präparate (Illu.) | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Berlin/ Deutschland - Nachdem Homöopathie-Gegner bereits 2010 in England, Kanada und Australien medienwirksam vermeintliche Überdosierungen eines homöopathischen Arzneimittels eingenommen hatten, um die angebliche Wirkungslosigkeit der Homöopathie zu demonstrieren durch das Ausbleiben der Wirkung einer Überdosierung zu demonstrieren (...wir berichteten), planen deutsche Skeptiker auch an der diesjährigen internationalen Kampagne "10:23" am 5. und 6. Februar mit einer entsprechenden öffentlichen Einnahme in deutschen, österreichischen und Schweizer Städten teilzunehmen. In seinem Newsletter klärt der "Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte" (DZVhÄ) nun jedoch über die Sinnlosigkeit der Aktion auf, erläutert die tatsächlichen fachlichen Hintergründe und das richtige Vorgehen einer homöopathischen Arzneimittelprüfung.

Ziel der Aktion "10:23", so erläutert die skeptische "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Überprüfung von Parawissenschaften" (GWUP, gwup.org), sei es, "Verbraucher und Patienten auf das eklatante Missverhältnis zwischen der behaupteten Wirkung und den Beweisen für die Wirksamkeit der Homöopathie hinzuweisen und eine ausführliche Diskussion zu diesem überholten Verfahren anzuregen."

Für die Skeptiker ist in Sachen Homöopathie schon lange klar: "Wo keine Wirkung, da keine Nebenwirkung. Nach diesem Motto demonstrieren Kritiker der Homöopathie im Rahmen der '10:23'-Aktion, dass man ohne Weiteres eine ganze Packung eines hochpotenzierten Homöopathikums einnehmen kann, völlig ohne Wirkung oder Nebenwirkungen."

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Der "Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte" (DZVhÄ, dzvhae.com) erläutert hingegen in der Januar-Ausgabe der "Homöopathischen Nachrichten" das richtige Vorgehen einer homöopathischen Arzneimittelprüfung: "Inhaltlich ist die sogenannte Überdosierung der GWUP völliger Nonsens, da es bei Hochpotenzen keine Rolle spielt, ob 2 oder 500 Globuli zu sich genommen werden"

"Homöopathen behaupten, dass Hochpotenzen einen substanzspezifischen Effekt hervorbringen; sie behaupten nicht, dass es sich dabei um einen pharmakologischen Effekt handelt", erläutert der DZVhÄ-Pressesprecher Christoph Trapp.

Von einer pharmakologischen Wirkung könne dann gesprochen werden, wenn eine Substanz regelhaft (d.h. statistisch belegbar) eine messbare Veränderung in einem Organismus hervorruft. "Eine pharmakologische Wirkung ist dosisabhängig und lässt sich in einer Dosis-Wirkungskurve beschreiben. Bei einer homöopathischen Arzneimittelprüfung im Bereich von Hochpotenzen wird keine messbare (oder jedenfalls eine sehr geringe) Dosis des Arzneimittels verabreicht, insofern kann auch keine pharmakologische Wirkung hervorgerufen werden.

Das Ziel einer homöopathischen Arzneimittelprüfung mit Hochpotenzen ist die Stimulierung von Reaktionen des Organismus. Diese Reaktionen lassen sich von pharmakologischen Wirkungen deutlich unterscheiden; sie sind stark individuell geprägt und den pharmakologischen Wirkungen der jeweiligen Substanz häufig entgegengesetzt. Erst aus der Analyse einer Gruppe von Prüfern ergibt sich ein spezifisches Muster. Warum überhaupt Reaktionen auftreten ist wissenschaftlich unklar, dass Reaktionen auftreten, ist belegt (Möllinger et al. A Double-Blind, Randomized, Homeopathic Pathogenetic Trial with Healthy Persons: Comparing Two High Potencies. Forschende Komplementärmed. Klass Naturheilkd 2004;11:274-280)."

An die freiwilligen Teilnehmer der Aktion "10:23" gewandt erläutert Trapp weiter:
"Soweit die Behauptungen von homöopathischer Seite. Als echter Skeptiker sollten Sie das nicht glauben; Sie können es aber ausprobieren. Einen Effekt wird es nur geben, wenn das individuelle Symptomenmuster passt. Wenn die Arznei keine 100-prozentige Übereinstimmung mit den Symptomen hat, müssen Sie sie häufiger einnehmen. Nehmen Sie eine Woche lang mehrmals täglich einige Kügelchen zu sich. Verwenden Sie dafür beispielsweise Schwefel (Sulfur) in einer C 30 (also weit jenseits der Avogadro-Zahl). Die Wahrscheinlichkeit, dass das eine oder andere Phänomen auftritt, ist bei häufigerer Einnahme deutlich höher. Falls Symptome auftreten und Sie sich fragen, ob diese überhaupt mit der Einnahme von Sulfur zusammenhängen, sollten Sie den Versuch einfach nach einigen Wochen wiederholen. Wenn keine Symptome auftreten, könnte das damit zusammenhängen, dass das Mittel nicht zu Ihnen passt. In diesem Fall könnten Sie den Versuch mit einem anderen Mittel wiederholen.

Bei einer richtigen homöopathischen Arzneimittelprüfung sind die Prüfer homöopathische Ärzte, die gelernt haben, auf die genaue Ausprägung von Symptomen zu achten. Die Prüfer werden von besonders erfahrenen homöopathischen Ärzten genau nach den aufgetretenen Symptomen befragt. Ob sich das auch mit Laien umsetzen lässt, wurde in größerem Maßstab noch nie erprobt. Bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit, auch negativer Art."

Den obig zitierten fachlichen Hintergründen fügt Trapp in der Zeitschrift aber auch ein persönliches Kommentar hinzu: "(...) Ganz offensichtlich geht es hier auch gar nicht darum, sich ernsthaft mit der Technik der homöopathischen Arzneimittelprüfung und deren Relevanz auseinanderzusetzen.

Hier geht es um reine PR. Das hat im vergangenen Jahr bei den britischen Medien schon gut funktioniert - also wird es wiederholt. Ob das in Deutschland auch so gut ankommt, bleibt abzuwarten. Die Aktion der GWUP ist erschreckend platt. Eine Gesellschaft, die den Begriff der Wissenschaft im Namen trägt, reduziert sich auf reine Agitation. Schade!"

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