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Montag, 7. Februar 2011

Nachweis eines sphärischen Magnesium-32-Kerns rüttelt am Atomkern-Modell

Rest einer gigantischen Supernova: Der Krebsnebel | Copyright: NASA/ESA

München/ Deutschland - Erstmals konnten nun die Forscher die Existenz eines kugelförmigen Magnesium-32-Kerns nachweisen. Doch die Herstellung des kugelförmigen Magnesium-32-Kerns gelang schon bei viel niedrigerer Energie als theoretisch vorhergesagt. Damit stellt dieses Ergebnis die theoretischen Modelle zur Beschreibung der Veränderung der Schalenstruktur in dieser und anderen Regionen der Nuklidkarte teilweise wieder infrage.

Bei der folgenden Meldung handelt es sich um eine Pressemitteilung der "Technische Universität München", mytum.de


Elemente, die schwerer sind als Eisen, bilden sich nur in gewaltigen Sternexplosionen, sogenannten Supernovae. Durch Kernreaktionen entstehen hierbei jede Menge hochangeregte kurzlebige Atomkerne, inmitten derer die Theorie stabilere Zusammensetzungen voraussagt, die magischen Zahlen. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, die Inseln der Inversion. Unter der Führung von Physikern des Exzellenzclusters Universe an der Technischen Universität München (TUM) hat sich ein internationales Forscherteam die zuerst entdeckte dieser Inseln genauer angesehen. Ihre Resultate veröffentlichten sie nun in "Physical Review Letters".

Alle chemischen Elemente, die wir auf der Erde kennen, stammen aus dem Weltall. Die häufigsten Elemente im Universum, Wasserstoff und Helium, bildeten sich bereits kurz nach dem Urknall. Andere Elemente wie Kohlenstoff oder Sauerstoff entstehen erst später durch die Fusion von Atomkernen im Inneren von Sternen. Elemente, die schwerer sind als Eisen verdanken ihre Existenz gigantischen Sternexplosionen, auch Supernovae genannt. Dazu zählen beispielsweise die Edelmetalle Gold und Silber oder das radioaktive Uran.

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In der Hexenküche einer Supernova entstehen eine Vielzahl massereicher Atomkerne, die über verschiede kurzlebige Zwischenstadien zu stabilen Elementen zerfallen. Analog zum Schalenmodell der Elektronen haben die Kernphysiker ein Modell entwickelt, das für bestimmte Neutronen- und Protonenzahlen eine besondere Stabilität voraussagt. Dies sind die "magischen Zahlen". Bei ihnen ist eine Schale voll besetzt, der Kern nahe an der idealen Kugelform.

Doch es gibt auch "magische" Atomkerne, die von der erwarteten Schalenstruktur abweichen. Ein internationales Forscherteam unter der Führung von Physikern des Exzellenzclusters Universe an der TU München hat sich Kerne in einem Bereich mit der magischen Neutronenzahl 20, der „Insel der Inversion“ genannt wird, genauer angesehen. Messungen am Instrument REX-ISOLDE, einem Beschleuniger für radioaktive Ionenstrahlen am CERN, führten dabei zu überraschenden Resultaten.

In ihrem Experiment untersuchten die Wissenschaftler das neutronenreiche Isotop Magnesium-32, indem sie einen Magnesium-30-Strahl auf eine Titanfolie schossen, die mit Tritium, schwerem Wasserstoff, beladen war. In einer so genannten Paartransferreaktion wurden zwei Neutronen vom Tritium abgestreift und auf den Magnesium-Kern übertragen, der sich damit in Magnesium-32 umwandelte.

Eigentlich sollte das neutronenreiche Isotop Magnesium-32, dessen Kern aus 20 Neutronen und 12 Protonen besteht, magisch sein und damit eine sphärische Form aufweisen. Doch der niedrigste Energiezustand im Magnesium-32 ist nicht kugelförmig sondern deformiert. Der Kern hat eher die Form eines American Footballs. Die sphärische Konfiguration sollte erst bei hohen Anregungsenergien entstehen.

Erstmals konnten nun die Forscher die Existenz eines kugelförmigen Magnesium-32-Kerns nachweisen. Doch die Herstellung des kugelförmigen Magnesium-32-Kerns gelang schon bei viel niedrigerer Energie als theoretisch vorhergesagt. Damit stellt dieses Ergebnis die theoretischen Modelle zur Beschreibung der Veränderung der Schalenstruktur in dieser und anderen Regionen der Nuklidkarte teilweise wieder infrage.

"Die Freude war groß, dass es uns endlich gelungen ist, auch die sphärische Form des Magnesium-32-Kerns nachweisen zu können", sagt Professor Krücken, Inhaber des Lehrstuhls für Physik der Hadronen und Kerne an der TU München. "Doch diese Erkenntnisse stellen uns Physiker auch gleich wieder vor neue Herausforderungen. Um den genauen Verlauf der Elementsynthese in Sternexplosionen vorherzusagen, müssen wir den Mechanismus genauer verstehen, der die veränderte Schalenstruktur herbeiführt." Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es noch vieler weiterer Experimente bedarf, um die Abläufe rund um die mysteriösen Inseln der Inversion und neue magische Zahlen widerspruchsfrei beschreiben zu können.

Die Arbeiten wurden unterstützt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), insbesondere dem Exzellenzcluster Origin and Structure oft he Universe, der Europäischen Gemeinschaft, dem Fonds Wetenschappelijk Onderzoek – Vlaanderen (FWO), dem Helmholtz International Center for FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) sowie des US Department of Energy (US-DOE).

Quelle: mytum.de

"Nichts drin, nichts dran": Rückschau auf die Anti-Homöopathie-Kampagne "10:23"

Berliner Luft: "10:23"-Gruppenbild mit Tor | Copyright/Quelle: Nic Frank, nicsbloghaus.org / Creative Commons 3.0 Deutschland Lizenz

Berlin/ Deutschland - Während die im Vorfeld von der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) in den Medien propagierte Beteiligung der Skeptiker-Gruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an der internationalen Protestaktion gegen die Homöopathie "10:23" am vergangenen Wochenende aufgrund (man möge uns die Formulierung verzeihen) fast schon homöopathisch potenzierter Teilnehmerzahlen im Sande verlief, hält die Kritik daran weiterhin an - und das nicht nur in Homöopathenkreisen.

Während bereits zuvor der "Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte" (DZVhÄ) die Aktion als "unsinnig" bezeichnete und über die sachlichen Hintergründe homöopathischer Anwendungen und das richtige Vorgehen einer homöopathischen Arzneimittelprüfung informierte (...wir berichteten), schlossen sich dieser Kritik erwartungsgemäß auch andere homöopathische Verbände und Institutionen an. So wies beispielsweise die "Karl und Veronica Carstens-Stiftung" darauf hin, "dass homöopathische Arzneimittel dem Arzneimittelgesetz (AMG) unterliegen. Der Aufruf, sie kollektiv einzunehmen, könnte einer klinischen Prüfung gleichkommen und damit genehmigungspflichtig sein."

Weiterhin stellt die Stiftung fest, dass die Aktion "10:23" nach wissenschaftlichen Kriterien keinerlei Aussagekraft habe. Vielmehr trivialisiere sie das eigentliche Erkenntnisproblem in der Homöopathieforschung und reduziert das komplexe Therapiesystem Homöopathie auf die Eigenschaften der homöopathischen Arzneimittel:

"Die wiederholt gestellte Forderung der (10:23-)Veranstalter, den Nachweis der Wirksamkeit von Arzneimitteln mit wissenschaftlichen Methoden zu überprüfen, wird mit dieser Vorgehensweise entkräftet.

Die Gründe hierfür sind:

- Es fehlt jegliche Form der Messung von Symptomen (bspw. in Form einer Befragung oder sorgfältigen Dokumentation) nach der Einnahme der Homöopathika.
- Es gibt keine Kontrollgruppe. Damit fehlt jede Form der Verblindung der Studienleiter und Teilnehmer, um Voreingenommenheit und Ergebnisverfälschungen auszuschließen.
- Einschlusskriterien für Probanden sind nicht gegeben. Dadurch wird ein Vergleich der Probanden untereinander unmöglich.
- Der Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Einnahme wird nicht erfasst. Damit kann eine Veränderung der Befindlichkeit (wenn gemessen würde) nicht erkannt werden.
- Darüber hinaus werden sämtliche Kriterien einer homöopathischen Arzneimittelprüfung am Gesunden missachtet, z. B. die Häufigkeit der Einnahme, die Glaubwürdigkeit und Gewissenhaftigkeit der Probanden und die Dosierung der Arzneimittel."

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Als bedenklich kritisieren einige Kritiker der Aktion "10:23"* weiterhin auch den Umstand, dass an einigen Einnahme-Aktionen, etwa in Köln, nicht nur eigenverantwortlich Erwachsene, sondern auch Kinder in das "Überdosierungs-Happening" miteinbezogen wurden; tritt doch die GWUP immer dann, wenn es auch um die homöopathischer Behandlung durch Eltern und Mediziner geht auch für die "medizinische Sicherheit von Kindern" ein.

"10:23 in Köln: "Es kann passieren, dass einem etwas flau im Magen wird - dass kommt dann aber vom Zucker..."

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Ähnlich kritisch wie die Carsten-Stiftung wird die Aktion auch vom "Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte" (BfArM) beurteilt. Hier wies man im Vorfeld der Aktion und begleitend darauf hin, dass trotz der kontroversen Diskussion um Sinn oder Nicht-Sinn der Homöopathie, homöopathische Mittel als Arzneimittel gelten und empfiehlt Patientinnen und Patienten ganz grundsätzlich, mit Arzneimitteln verantwortlich umzugehen:

"Insbesondere mit Überdosierungen können mögliche gesundheitliche Risiken verbunden sein. Aus Sicht des BfArM tragen Aufrufe, Arzneimittel in Überdosierungen einzunehmen, nicht zur Aufklärung und Sensibilisierung von Patientinnen und Patienten bei.


Ob es sich bei der Aktion möglicherweise um eine genehmigungspflichtige klinische Prüfung handeln könnte, können wir aufgrund der zurzeit nur sehr begrenzt vorliegenden Informationen noch nicht abschließend bewerten. Gleichwohl werden wir die Situation auf diese Fragestellung hin weiter überprüfen, um bei Bedarf Maßnahmen zur Sicherheit von Patientinnen und Patienten anstoßen zu können."

Tatsächlich hatte die GWUP im Vorfeld selbst ihre Mitstreiter via Facebook ausdrücklich dazu ermahnt, "die exakten Details von Zeit und Platz ausschließlich in vertrauensvollem Kreis zu kommunizieren, um potenzielle Sabotagen der Demo möglichst auszuschließen".

"10:23" in München: "Schön, dass so viele gekommen sind..."


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Dieser Vorgabe wurde von der GWUP-Gemeinde dann offenbar doch etwas zu streng befolgt, fanden sich zu den verabredeten Treffen in Hamburg, Berlin, München, Köln, Essen und Zürich (wo sich die eidgenössischen Skeptiker als "Freidenker" bezeichnen) doch jeweils kaum mehr als 20 Personen (s. bspw. Abb. und Videos o.). Lediglich auf dem Wiener Stephansplatz kamen knapp 50 Personen zur Aktion zusammen.

"10:23" in Wien


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Auch international stieß das Event, das laut den Veranstaltern (1023.org.uk) in 54 Städten in 27 veranstaltet wurde und "die bis zur Antarktis reicht", auf ähnlich geringes Interesse und niedrige Teilnehmerzahlen, wie die Bilder einer Auswahl der weltweiten Aktionen zeigen. Lediglich die Zentralveranstaltung in Manchester gelang es dann doch, beachtliche 350 Teilnehmer zu mobilisieren.

350 Teilnehmer bei "10:23" in Manchester

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Was bleibt sei lediglich der Show-Effekt, kommentierte treffend der "Kölner Stadt-Anzeiger" in seinem Bericht zur dortigen Veranstaltung und erinnert an eine legendäre Szene zu Zeiten der BSE-Krise, als der britische Landwirtschaftsminister John Gummer öffentlich in einen Hamburger biss, um die Sicherheit heimischer Fleischprodukte zu demonstrieren.

- Die Studienlage zur Wirksamkeit der homöopathischen Arzneimittel ist laut einer Übersichtsarbeit der Carstens-Stiftung bislang uneinheitlich. Diese finden Sie HIER

- Kritische Informationen der GWUP zur Homöopathie, Links und Literatur finden Sie HIER

- Eine umfangreiche Literatur- und Linksammlung zum Thema finden Sie HIER

* Der Name der Kampagne "1023" leitet sich von der Avogadro´schen Zahl ab, einer chemischen Stoffmengengesetzmäßigkeit, nach der bei einer Verdünnung von mehr als 1:1023 statistisch gesehen kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr in der Lösung vorhanden ist.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / 1023.org.uk / gwup.org / kyriacou.ch / ksta.de /
nicsbloghaus.org

Sonde belegt jahreszeitliche Veränderungen der Sanddünen des Mars

Nördliche Marsdünen sind im Winter mit Trockeneis bedeckt | Copyright: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

Tucson/ USA - Bei den Sanddünen des auf der nördlichen Hemisphäre Mars handelt es sich nicht, wie Planetenforscher bislang glaubten, um auf immer und ewig festgefrorene und verkrustete Strukturen, sondern sie unterliegen saisonalen Veränderungen. Damit handelt es sich bei der Dünenlandschaft um eine der geologisch aktivsten Regionen des heutigen Mars.

Entdeckt wurden die jahreszeitlichen Veränderungen auf Aufnahmen der "High Resolution Imaging Science Experiment"-Kamera (HiRISE) an Bord der NASA-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter".

Bis zum Vergleich der Langzeitaufnahmen der Dünen, die einen Zeitraum von annähernd zwei Marsjahren, also vier Erdenjahren, abdecken, vermuteten die Wissenschaftler, dass es sich bei den Dünen um relativ statische Strukturen handelt, die vor langer Zeit geformt wurden, als die Marswinde noch mit sehr viel mehr Kraft über die Oberfläche des Roten Planeten wehten als heute. "Die Anzahl und Stärke der dokumentierten Veränderungen hat uns wirklich überrascht", so die wissenschaftliche Leiter des HiRSE-Projekts Candice Hansen vom "Planetary Science Institute" im Tucson, deren Team die Fotoauswertungen aktuell im Fachmagazin "Science" veröffentlicht haben.

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Veränderungen während eines Marsjahres: Im Sommer (s. Abb. o.) ist die Düne noch frei von Eis. Im darauf folgenden Winter und im Frühling (s. Abb. m.) sublimiert das gefrorene CO2 (s. dunkle Stellen). Im dann folgenden Sommer (s. Abb. u.) ist dann die veränderte Morphologie zu sehen. | Copyright: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

Die saisonalen Veränderungen werden offenbar durch sich veränderndes und in und auf den Dünen gebundenes Trockeneis (Kohlendioxid) verursacht, wenn dieses im Marsfrühling in seinen gasförmigen Zustand übergeht. Zudem sind aber auch Winde beteiligt, die hier offenbar stärker sind als bislang vermutet.

"Der Übergang vom festen zum gasförmigen Zustand des Kohlendioxids, die so genannte Sublimation, destabilisiert den Dünensand, so dass es zu Sandlawinen kommt", erläutert gemeinsam mit seinem Team ebenfalls an der Studie beteiligte Nicolas Thomas von der Abteilung Weltraumforschung und Planetologie der "Universität Bern", dessen Mitglieder diese Erosionsprozesse demnächst auch als Computermodell darstellen wollen.

Aufgrund der Tatsache, dass die berechneten Windgeschwindigkeiten in der Marsatmosphäre selbst nicht ausreichen, um Sandpartikel anzuheben, die Spuren der Sandlawinen jedoch innerhalb eines Marsjahres durch wellenförmige Bewegungen teilweise ausgelöscht werden, vermuten die Wissenschaftler, dass es das polare Wetter ist, das häufiger zu den für die Region eigentlich ungewöhnlich hohen Windgeschwindigkeiten führt.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Kein Wasser? - Frische Abflussrinnen auf dem Mars wahrscheinlich von Kohlendioxid verursacht

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov / unibe.ch / arizona.edu
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