Einer der kohlenstoffreichen Meteoriten der zu Studienzwecken analysiert wurde | Copyright: Antarctic Meteorite Laboratory/NASA Johnson Space CenterGreenbelt/ USA - Eine neue Studie von NASA-Wissenschaftlern kommt zu dem Schluss, dass sich Aminosäuren, die Grundbausteine des irdischen Lebens, in einer deutlich größere Bandbreite von Asteroiden finden lassen als bislang gedacht und stützen damit erneut die Theorie der Panspermie, wonach das die Grundlagen des Lebens sozusagen huckepack im Innern von Asteroiden und Kometen auf die Erde gekommen ist.
Aminosäuren sind die Grundbausteine für Proteine, aus welchen beispielsweise Strukturen wie Haare und Fingernägel bestehen und die chemische Reaktionen beschleunigen und regulieren. Aminosäuren gibt es in zwei Varianten: rechts- und linksdrehend. Das Leben auf der Erde nutzt allerdings ausschließlich die linksdrehende Variante. Grundsätzlich, das haben frühere Experimente gezeigt, würde jedoch auch Leben auf der Grundlage rechtsdrehender Aminosäuren möglich sein. Warum das irdische Leben diesen Schritt jedoch nie gegangen ist, versuchen Wissenschaftler schon lange herauszufinden.
Im März 2009 konnten Forscher vom "Goddard Space Flight Center" der NASA die Entdeckung einer linksdrehenden Form der Aminosäure Isovalin im Innern eines Meteoriten vermelden, der einst Teil eines kohlenstoffreichen Asteroiden war. Diese Entdeckung legt für viele Forscher die Vermutung nahe, dass auch das linksdrehende Leben auf der Erde ursprünglich mit entsprechenden Asteroiden aus dem All kam. Zugleich könnte in diesem Szenario die Antwort auf die lange Zeit gesuchte Frage liefern, warum das irdische Leben links dreht.
In einer neuen Studie, wie sie die Goddard-Forscher um Dr. Daniel Glavin im Fachmagazin "Meteoritics and Planetary Science" veröffentlicht haben, belegen die Wissenschaftler nun den Nachweis eines Überschusses von linksdrehendem Isovalin (L-Isovalin) in zahlreichen Varianten kohlenstoffreicher Meteoriten (Typ 1). "Dieser Nachweis zeigt uns, dass unsere ursprüngliche Entdeckung keine seltene Ausnahme war." Zugleich fanden die Forscher die Aminosäuren vornehmlich im Meteoriten von Asteroiden, auf welchen große Mengen von Wasser vorhanden sind.
Jetzt stellt sich für die Forscher die Frage, welche Prozesse zur bevorzugten Entstehung der linksdrehenden Aminosäuren geführt haben. "Auf jeden Fall scheint flüssiges Wasser hierbei eine Schlüsselrolle zu spielen", so Glavin. "Wir können jetzt schon sagen, wie stark diese Asteroiden von größeren Mengen flüssigen Wassers verändert wurden, in dem wir die Mineralien im Innern ihrer Meteoriten untersuchen. Je stärker die Asteroiden vom Wasser verändert wurden, desto mehr ist das L-Isovalin findet sich."
Ein weiterer Hinweis ergibt sich aus der Gesamtmenge von Isovalin, die in jedem Meteoriten gefunden wurde. In den Meteoriten mit dem größten Überschuss der linksdrehenden Aminosäuren fanden die Forscher 1000-mal weniger Isovalin als in Meteoriten mit kleinem oder kaum nachweisbarem Überschuss. Dies belegt, dass, um den Überschuss zu erhalten, Aminosäuren verbraucht oder zerstört werden müssen.
Was auch immer es sein mag, laut Glavin erbringt die Veränderung durch Wasser nur einen geringen Überschuss an linksdrehenden Aminosäuren und zeige keine größere Tendenz in diese Richtung. Möglicherweise gab es schon im präsolaren Urnebel, jener gewaltigen Gas- und Staubwolke, aus der heraus unser Sonnensystem und wahrscheinlich viele andere Systeme, entstanden sind, eine geringfügige Tendenz in Richtung L-Isovaline und anderen linksdrehenden Aminosäuren bestand.
Einen möglichen Grund sehen die Wissenschaftler in der Weltraumstrahlung: Das All ist voll von Objekten, wie massiven Sternen, Neutronensternen, Schwarzen Löchern usw., die alle verschiedene Arten von Strahlung produzieren. Es wäre möglich, dass sich derartige Strahlung auf unser junges Sonnensystem ausgewirkt hatte und dadurch mehr linksdrehende Aminosäuren produzierte und/oder rechtsdrehende Aminosäuren zerstörte.
Somit wäre es auch möglich, dass ferne junge Sonnensysteme einer anderen Art von Strahlung ausgesetzt waren als unser Sonnensystem, die dort rechtsdrehende Aminosäuren begünstige. Wenn also Leben in solch Sonnensystemen entstanden sein sollte, sind dort vielleicht rechtsdrehende Aminosäuren die Träger des Lebens.
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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov


