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Samstag, 12. Februar 2011

100 Jahre älter als gedacht: Forscher bestimmen mittels C14 das Alter des Voynich-Manuskripts

Eine von 250 Seiten des Voynich-Manuskripts | Copyright/Quelle: voynichcentral.com

Tucson/ USA - Ein vermeintlich 400 Jahre altes Buch, angefüllt mit botanischen, astronomischen und anatomischen Abbildungen und in einer bislang unbekannten Schrift verfasst, sorgt seit spätestens 1930 unter Historikern, Kryptografen und Laienforschern für Rätselraten über den Sinn des sogenannten Voynich-Manuskript. Jetzt haben sich US-Wissenschaftler erneut dem Schriftstück angenommen und dessen Alter mittels Radiokohlenstoffdatierung bestimmt.

Wie Greg Hodgins von der "University of Arizona" berichtet, stammen die Pergamentseiten des 250 Seiten starken Manuskripts laut der C14-Datierung aus dem frühen 15. Jahrhundert. Damit wäre das "unlesbare Buch" gute 100 Jahre älter, als dies viele Forscher bislang vermutet hatten.

Zahlreiche Forscher haben das Manuskript bereits untersucht, ohne jedoch einen Sinn in dem Werk und den dargestellten Abbildungen ausmachen zu können. Nicht zuletzt aus diesem Grund gilt es bei vielen Wissenschaftlern als mittelalterliche oder gar neuzeitliche Eulenspiegelei ohne erkennbaren Sinn. Andere Forscher glauben hingegen, dass es sich um eine kodierte Geheimschrift handelt. Als mögliche Autoren geistern der Universalgelehrte Roger Bacon aus dem 13. Jahrhundert, der Alchemist Edward Kelley, der Mediziner und Chemiker Jakub Horcicky de Tepenec oder sogar der junge Leonardo da Vinci durch die unzähligen Theorien rund um das Manuskript.

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Eine zukünftige direkte Analyse der verwendeten Tinte, soll weitere Aufschlüsse über das Alter der Schrift und Zeichnungen selbst bringen - schließlich könnte auch eine spätere Fälschung auf altem Pergament erstellt worden sein. "Es ist aber leider sehr schwer, die Tinte selbst einer Radiokarbondatierung zu unterziehen, da sie lediglich auf der Oberfläche der Seiten sitzt und dies auch nur in kleinsten Mengen. Zudem ist der Kohlenstoffanteil in Tinte für gewöhnlich sehr gering", erläutert Hodgins. "Die Entnahme einer Tintenprobe ohne verunreinigende Anteile des Pergaments liegt derzeit außerhalb unserer Möglichkeiten." Hinzu gebe es Tinten, die gänzlich frei von Kohlenstoff sind und satt auf pflanzlicher Basis auf Mineralien basieren.

Abbildungen "Sonne und Mond" aus dem Voynich Manuskript

Die Ergebnisse der US-amerikanischen Forscher stützen allerdings frühere Analysen von Wissenschaftlern der "Beinecke Rare Books Library" an der Yale University und österreichischer Forscher. Diese hatten 2009 mittels materialwissenschaftlicher Untersuchungen die Entstehung der Schrift ebenfalls auf zwischen 1404 und 1438 eingegrenzt. Anhand architektonischer Eigenschaften der Abbildung einer Burg, glauben die Forscher zudem die Provenienz des Autors auf den Alpenraum eingrenzen zu können (...wir berichteten).

Sollte das neu ermittelte Entstehungsdatums zutreffen, wären alle bisherigen Spekulationen über postkolumbianische Autoren überflüssig und auch Leonardo (1452-1519), Kelley (1555-1597) oder Tepenec (1575-1622) also aus dem Rennen.

- Hochauflösende Aufnahmen der Seiten des Voynich-Manuskripts finden Sie HIER
- Ein deutschsprachiges Online-Lexikon zum Voynich-Manuskript finden Sie HIER

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Bücher zum Thema:

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arizona.edu

Falscher Alarm: Kein neues SETI-Signal entdeckt

Verwirrendes SETI-Signal (Ausschnitt) | Copyright/Quelle: http://apod.nasa.gov/apod/ap020728.html

Washington/ USA - Aufregung um ein vermeintlich neues Radiosignal von möglicherweise außerirdischer Herkunft: Auf einer NASA-Seite wurde am vergangenen Sonntag der Computerausdruck eines aufgefangenen Radiosignals präsentiert, bei dem, laut den Erläuterungen zum Bild, weiterhin eine wenn auch "geringe Möglichkeit besteht, dass es von einer intelligenten außerirdischen Quelle stammt" gibt. Die Recherchen von "genzwissenschaft-aktuell.de" haben jedoch ergeben, dass es sich nicht um ein aktuell entdecktes Signal handelt und nicht zuletzt selbst sein Entdecker von einer irdischen Herkunft ausgeht.

Veröffentlicht wurde die Abbildung des Signals am 6. Februar 2011 auf der NASA-Seite "Astronomy Picture of the Day" (APOD, http://apod.nasa.gov/apod/ap110206.html). Allerdings ohne Angaben darüber, wann, wo und von wem das Signal aufgefangen wurde. Es waren sicherlich nicht zuletzt diese Umstände und das aktuelle Datum, die zu einer Verwirrung bei vielen Lesern der Seite und somit auch zu zahlreichen Meldungen über das vermeintlich neu entdeckte SETI-Signal - gerade im englischsprachigen Internet - geführt hatten. Auch der Umstand, dass der erläuternde Text, der von laufenden Untersuchungen spricht, in der Gegenwartsform (Präsenz) verfasst wurde, verstärkt zweifelsohne noch hinzu den Eindruck einer aktuellen Meldung.

- Eine Audioaufzeichnung des Signals finden Sie HIER

Als Erklärung der Abbildung erläutert APOD folgendes:
"Niemand weiß mich Sicherheit, was das Signal verursacht hat. Es gibt eine geringe Möglichkeit, dass es von einer intelligenten außerirdischen Quelle stammt. Die hellen Farben und der blaue Hintergrund belegen, dass das anormale Signal hier auf der Erde mittels eines Radioteleskops aufgefangen wurde, das sich auch an der Suche nach außerirdischer Intelligenz (Search for ExtraTerrestrial Intelligence, SETI) beteiligt. Eine Suche nach diesem Signal wird derzeit von unterschiedlichen Gruppen, darunter freiwillige Mitglieder der "SETI League" durchgeführt. (...) Obwohl dieses starke Signal niemals positiv identifiziert wurde, haben Astronomen darin eine Vielzahl von Eigenschaften und Merkmalen eines eher gewöhnlichen und eindeutig irdischen Ursprungs identifiziert. In diesem Fall ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass das Signal durch eine ungewöhnliche Modulation wischen einem GPS-Satelliten und einer nichtidentifizierten erdgestützten Quelle hervorgerufen wurde. Viele ungewöhnliche Signale aus dem All bleiben unidentifiziert. Keines (dieser Signale) war bislang stark oder andauernd genug, um unmissverständlich als von einer außerirdischen Intelligenz stammend identifiziert werden zu können."

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Vollständiger Ausdruck des Signals (u.) mit GPS-Signalen (o.) | Copyright/Quelle: apod.nasa.gov, setileague.org

Trotz eines Linkverweises gestaltet sich die Zuordnung der Abbildung auf APOD mit den zahlreichen Ausdrucken potentieller und bislang nicht eindeutig identifizierter und hinzu kurzfristiger Signale im Archiv der "SETI League" (setileague.org) nicht ganz einfach.

Das Signal wurde von Gerry Cavan auf einer Frequenz von 1420.477 MHz entdeckt. Nach einigen technischen Erläuterungen, aus welchen hervorgeht, dass das Signal mehrere Tage immer zur gleichen Zeit geortet werden konnte und keine der ihm bekannten Modulationen aufgezeigt habe, kommt jedoch auch der Entdecker zu dem Schluss, dass es sich um eine Intermodulation eines starken GPS-Signals mit einem lokalen Signal handelt.

Wie auch immer man zu dieser Interpretation stehen mag, das Signal ist keinesfalls neu! Zwar wird im erläuternden Text kein Datum der Entdeckung genannt, doch kann diese anhand der chronologischen Auflistung der Signale in den Zeitraum zwischen dem 19. Oktober 1997 (vorheriger Eintrag) und dem 2. August 1998 (darauf folgender Eintrag) eingeordnet werden.

Dass es sich trotz des Seiten-Namens "Astronomy Picture of the Day", also "Astronomie-Bild des Tages", nicht immer um tagesaktuelle Abbildungen und Inhalte handelt, kann bei einem durchsuchen früherer Einträge schnell erkannt werden, wenn oft auch allgemeine astronomische Themen ohne tagesaktuellen Bezug anhand ausgewählter Aufnahmen und Darstellungen kurz erläutert werden. Zudem verwies einer der Autoren der Seite, der Astrophysiker Robert Nemiroff von der "Michigan Technological University" und dem "Goddard Space Center" der NASA, gegenüber unserer Redaktion auf den Umstand, dass die selbe Seite schon zuvor als "Tagesbild" veröffentlicht wurde und zwar jeweils am 28. Juli 2002 und am 7. März 2004.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / apod.nasa.gov / setileague.org
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