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Freitag, 25. Februar 2011

Gezeiten beeinflussen habitable Zonen um massearme Sterne

Künstlerische Darstellung eines felsigen Exoplaneten | Copyright: NASA

Potsdam/ Deutschland - Gezeitenkräfte können die sogenannte habitable Zone um massearme Sterne, jenem Abstand also, wie er auf Planeten gemäßigte Temperaturen, damit flüssiges Wasser und möglicherweise auch erdähnliches Leben ermöglicht, unbewohnbar machen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam von Astronomen um René Heller vom "Astrophysikalischen Institut Potsdam" (AIP) in einer aktuell publizierten Studie.

Bisher gingen die meisten Astrophysiker davon aus, dass vor allem die Entfernung des Planeten zu seinem Mutterstern und die atmosphärische Zusammensetzung des Planeten seine Oberflächentemperatur regeln. Heller und seine Kollegen haben nun den Einfluss von Gezeiten untersucht, die zwischen massearmen Sternen und ihren potenziellen erdähnlichen Begleitern wirken. Aufgrund dieser Erkenntnis fordern die Wissenschaftler nun eine Modifikation des traditionellen Konzepts und der Definition der habitablen Zone.

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Verantwortlich für die Beeinflussung seien vornehmlich drei Effekte: "Erstens bewirken Gezeiten eine Aufrichtung der planetaren Rotationsachsen gegen die Umlaufbahn auf 90 Grad und das bereits innerhalb weniger Millionen Jahre. Auf der Erde beträgt dieser Winkel dank des Bahndrehimpulses des Erdmonds konstante 23,5 Grad und verursacht unsere Jahreszeiten. Auf erdähnlichen Planeten in der habitablen Zone um massearme Sterne gäbe es demnach keine Jahreszeiten. Das wiederum verursacht enorme Temperaturunterschiede zwischen den Polen und dem Äquator. Sie bewirken extreme Winde und langfristig ein Ausfrieren der Atmosphäre an den Polen und eine Evaporation am Äquator. Als zweiter Effekt tritt, ähnlich wie auf dem Jupitermond Io, welcher von globalem Vulkanismus gekennzeichnet ist, zwischen massearmen Sternen und terrestrischen Planeten in der habitablen Zone eine starke Gezeitenheizung auf. Sie vermag den Planeten umfassend unbewohnbar zu machen. Darüber hinaus veranlassen Gezeiten drittens, dass sich die Rotationsperiode von Exoplaneten in der habitablen Zone massearmer Sterne langfristig der Orbitperiode nähert. Das bedeutet, innerhalb eines Bahnumlaufs erfolgt dann nur eine Eigendrehung des Planeten. In diesem Zustand wird nur noch eine Hälfte des Planeten vom Stern bestrahlt und erhitzt, während die andere in ewiger Dunkelheit ausfriert."

Die habitable Zone, so die AIP-Pressemitteilung, um massearme Sterne sei also zumindest nicht komfortabel, womöglich nicht einmal habitabel. Bislang galten massearme Sterne als aussichtsreiche Kandidaten für habitable, planetare Begleiter. "Die verheißungsvollen erdähnlichen Planeten, die mittlerweile um massearme Sterne gefunden werden und unter denen sich bereits die ersten Kandidaten in der traditionellen habitablen Zone befinden, müssen also nun auf Gezeiten analysiert werden", so die Forscher.

Vor dem Hintergrund der neuen Faktoren haben die Astronomen um Heller auch den kürzlich noch als ersten bewohnbaren Exoplaneten gefeierten Kandidaten "Gliese 581g" (...wir berichteten s. Links u.) nochmals zumindest theoretisch untersucht. Das Ergebnis: Auf dem Planeten keine Jahreszeiten mehr geben dürfte und dass unter Annahme einer kreisförmigen Umlaufbahn die Länge eines Tages auf dem Planeten identisch mit der Länge eines Jahres wäre. Der Planet besäße somit kein flüssiges Oberflächenwasser und wäre somit zumindest nach irdischen Maßstäben höchstwahrscheinlich unbewohnbar.

"Generell sieht es für Leben auf erdähnlichen Planeten in der traditionellen habitablen Zone um massearme Sterne schlecht aus, wenn wir Gezeiten berücksichtigen. Auf der Suche nach einer zweiten Erde, so scheint es, müssen wir uns auch auf die Suche nach einer zweiten Sonne begeben", so Heller.

Bereits zuvor hatten US-Astronomen erklärt, dass der häufigsten Typus von Sternen, sogenannte Rote Zwerge, die aufgrund ihres relativ hohen Alters von meist mehr als 10 Milliarden Jahren als hoffnungsvolle Kandidaten für Leben auf diese Zwergsterne umkreisenden Planeten galten, potentielles Leben auf ihren Planeten sogar gefährden. Grund hierfür seien auffallend häufige und gewaltige Eruptionen dieser fernen Sonnen deren Strahlung Leben schädigen könnte (...wir berichteten).

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Quellen: aip.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

Kepler weist SETI auf hoffnungsvolle Fährten

Künstlerische Interpretation eines vom Weltraumteleskop Kepler entdeckten Planetensystems um den fernen Stern Kepler-11 | Copyright: NASA/Tim Pyle

Washington/ USA - Nachdem die NASA mit dem Weltraumteleskop Kepler 54 ferne Planetenkandidaten ausgemacht hat, die ihre Sterne in einem Abstand umkreisen, wie er auf der Oberfläche der Planeten mit gemäßigten Temperaturen auch flüssiges Wasser und damit erdähnliches Leben ermöglicht (...wir berichteten), wurden die Positionen dieser somit auch potentiell von intelligenten Lebewesen bewohnten Planeten an SETI-Forscher übermittelt. Diese haben sich denn auch umgehend auf die Suche nach möglichen intelligenten Signalen dieser Welten gemacht.

Laut Seth Shostak war man am "SETI Institute" im kalifornischen Mountain View von der Übermittlung konkreter Positionen mehr als begeistert: "Das ist natürlich eine faszinierende Sache", so der Chefastronom gegenüber "AOLnews.com". "Auch wenn wir natürlich schon zuvor wussten, dass es extrasolare Planeten gibt, war die wichtigste Frage doch immer, bei wie vielen dieser Planeten es sich sozusagen um Cousins der Erde handelt, auf welchen es auch Leben gegen könnte."

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Jetzt sei es beruhigend zu wissen, dass solche potentiell lebensfreundlichen Welten offenbar nicht so selten sind, wie zuvor befürchtet. "Jeder hundertste Stern scheint ein Planetensystem zu besitzen, in dem sich auch erdartige Planeten finden."

Jeden der 54 Planetenkandidaten wollen die SETI-Forscher nun genauestens ins Teleskop-Visier nehmen. Erste Suchen nach intelligenten Signalen von den fernen Welten, seien, so die AOL-Meldung, bislang allerdings ohne Ergebnis ausgefallen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / aolnew.com / seti.org

Astronomen beobachten Planetenentstehung live

Künstlerische Darstellung des Begleitobjekts (vorne) um den Stern "T Cha" der von einer zweigeteilten Staubscheibe umgeben ist | Copyright: ESO/L. Calçada

Heidelberg/ Deutschland - Mit dem "Very Large Telescope" der "Europäischen Südsternwarte" (ESO.org) in Chile hat ein internationales Astronomen-Team die kurzlebige Materienscheibe um einen jungen Stern untersucht, in der gerade ein Planetensystem entsteht. Erstmals konnte dabei nun ein Begleiter nachgewiesen werden, der für eine große Lücke in der Scheibe verantwortlich sein dürfte.

Wie die ESO-Astronomen berichten, müssen weitere Beobachtungen nun zeigen, ob es sich bei dem Begleiter um einen Planeten oder um einen Braunen Zwerg handelt.

Wie die ESO-Pressemitteilung erläutert, bilden sich Planeten in Staub- und Gasscheiben um junge Sterne, die ein Überrest der Sternentstehung sind. "Die Entwicklung von einer solchen Scheibe zu einem ausgewachsenen Planetensystem geht allerdings vergleichsweise schnell vonstatten, so dass man nur sehr wenige Objekte in dieser Entwicklungsphase kennt."

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Eines dieser Objekte ist der lichtschwache, sonnenähnliche Stern "T Chamaeleontis" (abgekürzt "T Cha"), im Sternbild Chamaeleon am Südhimmel, 330 Lichtjahre von der Erde entfernt. "T Cha" befindet sich mit gerade seinen sieben Millionen Jahren gerade erst am Anfang seines Lebens (zum Vergleich: die Sonne ist etwa 4,7 Milliarden Jahre alt). Während in weiter entwickelten Scheiben bereits in der Entstehung befindliche Planeten bekannt sind, konnten diese in solchen “protoplanetaren Scheiben” um junge Sterne bislang noch nicht beobachtet werden.

"Frühere Studien zeigen, dass 'T Cha' ein lohnendes Ziel sein könnte, wenn man untersuchen will, wie Planetensysteme entstehen", merkt Johan Olofsson vom "Max-Planck-Institut für Astronomie" in Heidelberg an. Er ist einer der Erstautoren von zwei Fachartikeln in der Zeitschrift "Astronomy & Astrophysics", die die neuen Ergebnisse beschreiben. "Allerdings ist T Cha relativ weit von uns entfernt. Daher brauchten wir leistungsstarke Instrumente wie das 'Very Large Telescope Interferometer' (VLTI), um die Details auflösen und nachweisen zu können, was in der Staubscheibe vor sich geht."

Bei diesen Beobachtungen fanden die Astronomen heraus, dass ein Teil des Scheibenmaterials einen dünnen Staubring in einem Abstand von nur 20 Millionen Kilometern vom Stern gebildet hat. Hinter diesem inneren Teil der Scheibe entdeckten sie einen Bereich, der frei von Staub ist. Der äußere Teil der Scheibe beginnt dann bei einem Abstand von etwa 1,1 Milliarden Kilometern vom Stern.

Virtueller Flug rund um den fernen Stern "T Chamaeleontis" und durch dessen Staubscheiben
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Nuria Huélamo vom spanischen "Centro de Astrobiología" und vom "Europäisches Weltraumastronomiezentrum" (ESAC), die Erstautorin der zweiten Veröffentlichung, berichtet, wie es weiter ging: "Die Lücke in der Staubscheibe um 'T Cha' war für uns ein eindeutiger Hinweis. Offenbar hatten wir erstmals direkt beobachtet, wie ein Begleiter des Sterns sich in der protoplanetaren Scheibe eine Schneise gräbt."

Nach Auswertung der Daten fanden die Astronomen tatsächlich ein deutliches Signal eines Objekts in der Lücke der Staubscheibe, nahe am äußeren Scheibenrand in einer Entfernung von etwa einer Milliarde Kilometern vom Stern - das entspricht etwas mehr als dem Abstand Jupiters von der Sonne.

Hierbei handelt es sich um den ersten direkten Nachweis eines Objektes, das wesentlich kleiner als ein Stern ist und sich in einer Lücke in der protoplanetaren Staubscheibe um einen jungen Stern befindet.

Die Astronomen fanden zudem Hinweise darauf, dass der Begleiter kein normaler Stern sein kann, sondern es sich entweder um einen Brauner Zwerg, der von Staub umgeben ist, oder um einen Planet handelt, der sich gerade erst gebildet hat. Besonders letzteres Szenario wäre für die Astronomen von besonderem Interesse.

Weitere Beobachtungen sollen nun dabei helfen zu bestimmen, ob es sich tatsächlich um einen entstehenden Planeten handelt und zudem die Frage klären, woher der Staub im inneren Bereich der Scheibe stammt.

Nur wenige Tage vor der Bekanntgabe der Beobachtung der ESO-Astronomen haben Kollegen vom "Max-Planck-Institut für Astronomie" (MPIA) ähnliche Beobachtungen um den ebenfalls nur wenige Millionen Jahre jungen Stern "LkCa 15" und den Stern "AB Aur" beschrieben (...wir berichteten)

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Quellen: eso.org / grenzwissenschaft-aktuell.de
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