Teile des untersuchten Meteoriten "Grave Nunataks (GRA) 95229" | Copyright/Quelle: Sandra Pizzarello, asu.eduTempe/ USA - Einer der chemischen Grundbausteine des irdischen Lebens, Stickstoff, kam möglicherweise mit Meteoriten aus dem All auf die noch junge und unbelebte Erde. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie US-amerikanischer Wissenschaftler anhand einer Analyse eines Chondrit-Meteoriten, in dem sie auf große Mengen Ammoniak stießen - eines stickstoffreichen chemischen Elements, wie es zur Entstehung von Proteinen, DNA und RNA benötigt wird.
Bislang stellte die Frage, wie genügend Ammoniak auf der Erde entstehen konnte, Wissenschaftler vor ein Rätsel, wird Ammoniakgas in der Atmosphäre doch alleine schon durch das Sonnenlicht sehr schnell zerstört. Des Weiteren deuten geologische Proben daraufhin, dass die ursprüngliche Umgebung, in der sich Ammoniak hätte bilden müssen, chemisch neutral war und somit für die Entstehung von Ammoniak nicht förderlich gewesen wäre.
Das Team um Sandra Pizzarello von der "Arizona State University" glaubt nun, das Rätsel gelöst zu haben: Staub, der aus einem Chondrit-Meteoriten gewonnen wurde, setzten sie 300 Grad Celsius heißem Wasser und extrem hohem Druck aus, um damit atmosphärische Bedingungen auf der jungen Erde zu simulieren, wie sie zur Entstehung von Tonerden geführt hatten.
Zum Erstaunen der Forscher führte dieser Vorgang dazu, das große Mengen Ammoniakgas aus den Meteoritenmaterial austraten, wie sie 60 Prozent des Stickstoffs im Meteoritenpulver entsprachen. Weitere Analysen der Stickstoffisotope im Ammoniak bestätigten, dass dieses aus dem All stammt und nicht von irdischen Verunreinigungen herrührt.
"Jede Theorie, die versucht, die Biogenese zu erklären, muss den Nachschub von Stickstoff in Form von Ammoniak miteinbeziehen", erläutert Pizzarello die Forscherin. "Die direkte Belieferung großer Mengen von prebiotischem Ammoniak (durch Meteoriten) ist in dieser Frage eine reizvolle Vorstellung."
Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Untersuchung erscheinen Meteoriten zu einer wichtigen außerirdischen Quelle von reaktivem Stickstoff. Zudem wäre Ammoniak Im Innern der Meteoriten auch vor der zerstörerischen Wirkung des Sonnenlichts geschützt und könnte somit unbeschadet die Erdoberfläche erreicht haben.
Pizzarello selbst vermutet, dass der untersuchte Meteorit mit der Bezeichnung "Graves Nunataks (GRA) 95229" von einem Asteroiden oder einer ähnlichen Umwelt stammt, in dem Ammoniak sozusagen als schlafende Chemikalie vorhanden ist. Ihre Ergebnisse haben die Forscher aktuell im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlicht.
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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / asu.edu / pnas.org


