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Montag, 14. März 2011

Mittelamerika-Forscher kritisieren Maya-Schatzsuche der BILD-Zeitung

Abbildung aus dem "Codex Dresdensis", in dem die Schatzsucher der Bild-Zeitung eine Schatzkarte vermuten | Copyright: gemeinfrei

Bonn/ Deutschland - Vom 2. bis zu 10 März suchten Mitarbeiter der deutschen Boulevard-Tageszeitung "Bild" unter der Leitung eines ehemaligen Realschulrektors in Guatemala nach "versunkenen Goldtafeln" der Maya. Mehr als 100 Mittelamerika-Forscher aus dem deutschsprachigen Raum haben nun die Vorgehensweise der selbsternannten Schatzsucher "mit großer Sorge" scharf kritisiert.

Über die Vorgehensweise der selbst ernannten Schatzsucher, so eine Presseerklärung der "Universität Bonn", seien die Mesoamerikanisten überaus empört und forderten seit Tagen die Zeitung auf, ihre Unternehmung zu beenden, "um die archäologischen Hinterlassenschaften der antiken Maya-Kultur nicht noch mehr zu gefährden." Gerüchte über die Existenz von Goldschätzen hätten in der Vergangenheit bereits in zahlreichen archäologischen Stätten zu Plünderung und Zerstörung wertvoller Kulturgüter geführt, warnen die Wissenschaftler.

Die Unterzeichner der Bonner Erklärung sprechen den "Schatzsuchern im Zeichen der vier Buchstaben" jegliche wissenschaftliche Seriosität ab. So bewegten sich Thesen und Untersuchungsmethoden des Leiters der Operation "außerhalb der Regeln des guten wissenschaftlichen Arbeitens."

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Das Zielgebiet, der Lago de Izabal und seine Umgebung, seien in den vergangenen Jahrzehnten bereits gründlich erforscht worden. Weder archäologische Spuren noch Schriftzeugnisse aus der frühen Kolonialzeit deuteten auf die Existenz einer unbekannten Maya-Stadt hin. Der in der BILD-Zeitung genannte Name "Atlan" sei frei erfunden. Zudem habe es Goldverarbeitung in Form von Tafeln in der antiken Maya-Kultur überhaupt nicht gegeben.

"Wie die Bild-Zeitung aus diesen wirren Thesen einen - so wörtlich 'wissenschaftlichen Durchbruch' ableiten kann, ist mir schleierhaft", erklärte der angesehene Bonner Maya-Experte Professor Dr. Nikolai Grube, der derzeit in Mexiko auf einer Forschungsreise ist. Schatzsucher und Plünderer machten der Mesoamerika-Forschung immer wieder zu schaffen, aber dass eine große Tageszeitung selbst zum Spaten greifen wollte, das habe auch er noch nicht erlebt. Mit Sorge haben die Altamerikanisten von dem forschen Auftreten der selbst ernannten Schatzsucher vor Ort erfahren und sorgen sich nun um das Vertrauen, das sich die deutschen Forscher in den vergangenen Jahrzehnten mühsam erarbeitet haben.

Professor Grube sagt: "Wir können nicht tatenlos zusehen, wie unwiederbringliche Kulturgüter gefährdet und vernichtet werden. Die Bild-Expedition hat alle Regeln der wissenschaftlichen Zusammenarbeit verletzt und ist ein Schlag ins Gesicht aller Kollegen in Deutschland und Guatemala, die sich an die Regeln der Zusammenarbeit halten."

- Die vollständige Stellungnahme mit allen bisherigen Unterzeichnern finden Sie HIER

- Die Berichte der Bild-Zeitung über die eigenen Schatzsuche finden Sie HIER

- Ein vollständige Abbildung des "Codex Dresdensis" finden Sie HIER

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Bücher zum Thema:

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / uni-bonn.de

Haben US-Forscher Atlantis in Spanien entdeckt?

Archiv: Atlantis auf einer Fantasiekarte von 1665 | Copyright: Public Domain

West Hartford/ USA - Mit Hilfe von Satellitenaufnahmen, Bodenradar und Unterwassertechnologien, glaubt ein Team von Wissenschaftlern der "University of Hartford" das sagenhafte Atlantis in Sumpfgebieten im südlichen Spanien lokalisiert zu haben. Offenbar um einer Dokumentation des "National Geographic Channel" vorab nicht erhoffte Zuschauerquoten zu rauben, drückt sich die Pressemitteilung der Universität bislang nicht gerade eindeutig über die gewonnen Forschungserkenntnisse aus.

Zunächst erklärt die besagte Pressemitteilung, dass das Team um den Archäologieprofessor Richard Freund von "Greenberg Center for Judaic Studies" gemeinsam mit dem kanadischen Geophysiker Paul Bauman, dem Geograph Philip Reeder von der "University of South Florida" und spanischen Archäologen im einem der ausgedehntesten Marschlandschaften Europas, dem Nationalpark Coto de Donana im südlichen Spanien auf "geologische Formationen" und "Artefakte" gestoßen ist, die es nun mit den Beschreibungen Platons, der vor fast 2.600 Jahren als bislang einzige historische Quelle, von der einstigen Hochkultur Atlantis und deren plötzlichen Untergang berichtete, in Übereinstimmung zu bringen gelte.

Sollte dies gelingen, so die Pressemitteilung geheimnisvoll weiter, wäre man der Lösung des Atlantisrätsels und damit einem der großen Welträtsel, einen großen Schritt näher gekommen.

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Nachdem die Forscher auf Satellitenaufnahmen im Coto de Donana auf Strukturen stießen, wie sie auf eine dort untergegangene umringte Stadt hindeuten, erkundeten spanische Archäologen von 2009 bis 2010 die Fundstelle und stießen tatsächlich auf eine antike Stadt, deren Alter sie auf etwa 4.000 Jahre datierten.

"Dennoch", so fährt die Pressemitteilung der Universität fort, sei "die ultimative Antwort auf die Frage, was mit Atlantis passiert ist, nicht im Süden Spaniens, sondern anhand von Freunds Entdeckung einer ganzen Reihe mysteriöser Gedenkstädten (memorial cities), wie nach dem Abbild von Atlantis in Zentralspanien errichtet wurden", gefunden worden.

Nach voriger Spurensuche in der Türkei und auf den griechischen Inseln Kreta und Santorin, wende sich die TV-Dokumentation mit dem viel versprechenden Titel "Finding Atlantis" mit dem südlichen Spanien also einem Ort jenseits der "Säulen des Herakles" (Meerenge von Gibraltar) zu, wie er von Platon als Position von Atlantis beschrieben wurde. In den Gewässern vor dem heutigen Cadiz seien die Forscher zudem auf versunkene und von Menschen errichtete Strukturen aus der Bronzezeit gestoßen.

In den ausgedehnten Schlammfluten des Guadalquivir, Spaniens fünftlängsten Fluss, im Coto de Donana Nationalpark seien die Forscher dann auf "merkwürdige geometrische Schatten" im Boden gestoßen, die aussehen, wie die Überreste einer umringten Stadt. Mit den neusten bildgebenden Technologien wurden diese erkundet, "um zu untersuchen, ob hier eine frühgeschichtliche Katastrophe hier eine einst eine blühende Zivilisation untern Metern von Schlamm und Wasser begraben haben könnte."

Schlussendlich, so die Pressemitteilung der Universität, präsentiere "Finding Atlantis" dem Zuschauer "möglicherweise das erstaunlichste Stück Archäologie in Verbindung mit Atlantis". Hierbei handele es sich um erst kürzlich entdeckte 2.800 Jahre alte Ruinen, auf deren Steinen "Abbildungen gefunden wurden, die einen Atalntis-Krieger darzustellen scheinen, der den Eingang zur verschollenen vielfach umringten Stadt bewacht. (s. Video)"

Gegenüber Medienvertretern erklärte Freund bei der Vorabpräsentation von "Finding Atlantis", dass er sich sicher sei, dass man den "besten Kandidaten für den Beginn der Zivilisation" gefunden habe.

Die von der "University of Hartford" selbst auf Youtube zur Verfügung gestellte TV-Bericht über die Sendung. Hier werden unter anderem auch die Felsgravur des "Atlantis-Kriegers" (ab Zeitcode 0:43) und die Position und Rekonstruktion der "umringten Stadt" (ab 1:25) gezeigt.
Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

Beobachter vermuten hingegen, dass es sich erneut um eine typische "National Geographic Channel"-Produktion handeln wird, wie sie zunächst mit sensationalistischen Mitteln beworben wird, um schlussendlich jedoch nicht mehr als in vielerlei Richtungen interpretierbare Spekulationen zu präsentieren... (Hinweis d. Red.: Bis zum Redaktionsschluss dieser Meldung war "Findig Atlantis" noch nicht ausgestrahlt.)

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / hartford.edu
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