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Donnerstag, 14. April 2011

Planetenforscher spekulieren über Leben auf Titan-artigen Exoplaneten

Computersimulation der Titan-Oberfläche | Copyright: NASA/JPL

Mountain View/ USA - In einer aktuellen Studie vermuten NASA-Wissenschaftler, dass sich um Umfeld Roter Zwergsterne Planeten finden, deren Oberfläche jener des Saturnmondes Titan gleicht und die von organischen Verbindungen bedeckt sind. Auch sternlose "Steppenwolf"-Planeten könnten dem Saturnmond gleichen, auf dem einige Wissenschaftler sogar Leben für möglich halten.

Titan ist der einzige Mond im Sonnensystem mit einer dichten Atmosphäre und neben der Erde der einzige bislang bekannte Himmelskörper mit einem Flüssigkeitskreislauf - auch wenn auf dem Saturnmond kein Wasser, sondern flüssige Kohlenwasserstoffe Methan und Ethan Seen und Flüsse füllen und als Niederschlag vom Himmel fallen.

In den Methan-Ethan-Seen auf Titan, so vermuten einige Wissenschaftler könnte sich sogar Leben entwickelt haben, dass sich - wie auch irdisches Leben - von den auf der Oberfläche reichlich vorhandenen organischen Verbindungen ernährt, jedoch statt Sauerstoff, Wasserstoff ein- und Methan an Stelle von Kohlendioxid ausatmet.

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"Die Astrobiologie hat sich in der Vergangenheit hauptsächlich auf flüssiges Wasser als Lebensgrundlage konzentriert, wie dies auf der Erde ja bekannterweise auch sehr gut funktioniert. Nun gibt es aber ein zusehendes Interesse an der Möglichkeit dass auch andere Flüssigkeiten wie Methan diese Funktion übernehmen können", erläutert der Planetenwissenschaftler Christopher McKay vom "Ames Research Center" der NASA.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Ashley Gilliam hat McKay berechnet, wie eine Titan-artige Welt aussehen könnte, wenn sie einen relativ lichtschwachen M4-Stern, also einen sogenannten Roten Zwerg, umkreisen würde. Ihre Ergebnisse haben die Forscher aktuell im Fachjournal "Planetary and Space Science" veröffentlicht.

"Der Grund, weswegen wir uns für Rote Zwergsterne als Zentralgestirne für unsere Berechnungen entschieden haben ist der, da es sich um die häufigste Form von Sternen in unserer Galaxis handelt (...wir berichteten)", erläutert Gilliam. "Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass wir eine Titan-artige Welt um einen Stern der M-Klasse finden, als im Orbit um einen Stern wie unserer Sonne", zitiert astrobio.net die Forscherin.

Aus ihren Berechnungen leiten die Forscher zudem die Vermutung ab, dass es sich auch bei einem der kleineren Planeten oder einem der dort potentiell vorhandenen Monde, wie sie um den M3-Stern "Gliese 581" entdeckt wurden (...wir berichteten 1, 2) um eine Titan-Welt handeln könnte.

Rote Zwerge strahlen deutlich mehr infrarotes Licht ab als Sterne wie unsere Sonne. Derartiges Licht könnte eine Atmosphäre wie jener des Titan sehr viel leichter und also auch in größeren Mengen durchdringen, wie normales Licht. Würde Titan also einen solchen fernen Zwergstern derart umkreisen, dass er ebensoviel infrarotes Licht abbekommt, wie der Saturnmond in unserem Sonnensystem normales Sonnenlicht, so würde die laut den Berechnungen der Forscher ausreichen, um seine Oberfläche um weitere 10 Grad Celsius zu erwärmen. Zugleich würden die für Rote Zwerge typischen vielfachen Sonneneruptionen mehr ultraviolette Strahlung abgeben, wie sie wiederum zu mehr Dunst in einer Titan-Atmosphäre und somit aufgrund des blockierten Lichteinfalls zu einer Abkühlung der Oberfläche führen - dennoch bliebe diese wahrscheinlich warm genug, um flüssige Seen aufrecht zu erhalten.

Um all diese Bedingungen erfüllen zu können, müsste sich ein entsprechender Himmelskörper (Planet oder Mond) zwischen 8,4 und 23 Prozent einer Astronomischen Einheit (AU = Abstand zwischen Erde und Sonne) von seinem zentralen Roten Zwergstern entfernt befinden. Im Fall von "Gliese 581" sollte dieser Abstand 63 bis 166 Prozent einer Au betragen.

Selbst auf einem einsam durchs All wandernden, sonnenlosen Planeten (...wir berichten 1, 2) könnten geothermale Quellen noch genügend Wärme zur Verfügung stellen, um eine Titan-Welt zu ermöglichen. Hierzu müsste der Planet jedoch etwa das 20-Fache an geothermaler Wärme erzeugen, wie die heutige Erde – für einen erdgroßen Planeten wäre diese Vorstellung jedoch unrealistisch. Lediglich eine um das 20-Fache dichtere Atmosphäre könnte die von einem solchen Planeten selbst erzeugte Wärme derart isolieren, um Kohlenwasserstoffozeane aufrecht zu erhalten.

"Bislang ist noch unbekannt, über welche Arten von Atmosphären solche Einzelgänger verfügen", so McKay. Um flüssige Ozeane zu besitzen, müsste ein solcher auch als "Steppenwolf-Planet" bezeichneter Planet sowohl größer als auch wärmer als Titan sein und zudem über eine dichtere Atmosphäre verfügen."


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / astrobio.net / nasa.gov

Neue Funde belegen: Schon frühes Leben an Land nutze sexuelle Fortpflanzung und Sonnenlicht

Fossiler Organismus vom Loch Torridon | Copyright: Oxford University/Martin Brasier

Sheffield/ England - Am schottischen Loch Torridon haben britische und US-amerikanische Forscher Fossilien von Organismen gefunden, die hier schon vor einer Milliarde Jahren am Grunde urzeitlicher Seebetten lebten. Die Funde eröffnen einen neuen Blick auf jenen historischen Moment in der Evolutionsgeschichte, als das Leben den Schritt von kleinen bakteriellen Zellen (Prokaryoten) hin zu größeren und komplexeren Zellen (Eukaryoten) wagte, die dann mittels Photosynthese das Sonnenlicht zur Energiegewinnung nutzen und auch die sexuelle Reproduktion ermöglichten. Zugleich stellen sie erneut die Vorstellung in Frage, nach der sich die wichtigen evolutionären Schritte des frühen Lebens in den Ozeanen und nicht an Land abgespielt haben.

Ihre Ergebnisse haben die Forscher um Dr. Charles Wellman von der "University of Sheffield" und Prof. Martin Brasier von der "University of Oxford" aktuell im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht. Einige der Urzeitfossilien sind, so die Forscher, derart fein strukturiert und zugleich so verhältnismäßig groß und komplex, dass sie einen erstaunlich frühen Beginn der Entwicklung komplexer Eukaryoten auch an Land (bzw. in dortigen Seen und Wasserflächen) belegen. Die Forscher glauben, dass es Zellen wie diese waren, die die Entstehung von Grünalgen und Landpflanzen und so auch die Inbesitznahme der Landmassen durch das Leben erst ermöglichten.

Rund 500 Millionen Jahre nach dem Auftauchten dieser komplexen Zellen, begannen sich die ersten einfachen Pflanzen wie Flechten und Moose auch über die Landflächen auszubreiten und bereiteten so auch das Land für die ersten Tiere vor.
"Es wird allgemein angenommen, dass das Leben in den Ozeanen begann und dass auch die für die frühe Evolution des Lebens wichtigen Schritte, wie etwa die Entstehung von Prokaryoten, Eukaryoten, die sexuelle Fortpflanzung und die Mehrzelligkeit, in den Meeren stattfanden", erläutert Wellman.

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"Während dieser Zeit, so die ebenfalls verbreitete Vorstellung, waren die Kontinente noch ohne Leben, bzw. nur von sehr einfachen Mikroben und Cyanobakterien bewohnt. In den schottischen Ablagerungen haben wir nun Beweise für komplexes Leben an Land (bzw. in dortigen Seen und Wasserflächen) schon vor rund einer Milliarde Jahren gefunden. Diese Funde legen nahe, dass das Leben hier zu dieser Zeit bereits verbreiteter und komplexer war als bislang angenommen." Zudem eröffnen die Funde die Möglichkeit, dass wichtige evolutionäre Schritte auch an Land bzw. zumindest nicht alleine in den Ozeanen vollzogen wurden.

"Diese Zellen unterscheiden sich von ihren bakteriellen Vorfahren von daher, als dass sie spezialisierte Strukturen aufzeigen, darunter einen Zellkern (Nucleus), Mitochondrien und Chloroplasten - die Grundvoraussetzung also u. a. für die Photosynthese", erläutert Brasier. "Zudem finden sich Hinweise auf eine sexuelle Reproduktion, was wiederum zu sehr viel schnelleren evolutionären Entwicklungen führt. Es könnte sogar sein, dass die Bedingungen, wie sie in den Urzeitseen rund um Loch Torridon vorgeherrscht haben, im Gegensatz zu den Ozeanen diesen Entwicklungsschritt sogar begünstigt hatten, der die Einbindung symbiotischer Bakterien in die Zelle beinhaltet, um hieraus Chloroplasten (Organellen zur Betreibung der Photosynthese) zu entwickeln."

"Keine unserer Entdeckungen wäre möglich gewesen, wenn diese Entwicklungsschritte von diesen kleinen Mikroben damals nicht vollführt worden wären, deren Überreste wir heute in den Phosphaten der einstigen Torridon-Seen finden. Es waren wohl diese Organismen, die dazu beigetragen haben, das Land von einer rauen und steinigen Wüste in grüne und lebensfreundliche Landschaften verwandelt wurden."

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Quellen: grenzwisseschaft-aktuell.de / shef.ac.uk / ox.ac.uk

Ausstellung im Mühlerama, Zürich: Geisterstunde

Archiv: In der Geisterbahn "Geister Express", Zürich 1956 | Quelle/Copyright: Yvan Dalain, Pro Litteris / Fotostiftung Schweiz

Zürich/ Schweiz - Zur finsteren Geisterstunde beschleicht auch die Mutigsten ein mulmiges Gefühl. Geisterfurcht begleitet die Menschen seit je und auch heute noch faszinieren uns die nebelhaften Gestalten. Und zwar nicht nur als Fiktion in Film und Literatur, sondern auch als ganz reale Wesen. Der Geisterglaube ist sehr lebendig und auch bei uns nicht ausgestorben. Die Ausstellung erzählt, welchen Stellenwert Geister heute in unserer Gesellschaft haben und lässt Geistergläubige zu Wort kommen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, mit welchen Geistervorstellungen unsere Vorfahren lebten. Und zum Schluss geht es um die schauerlichste Seite von Geistern: den Spuk. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Dezember 2011 zu sehen.

"Geister sind heute zur harmlosen Freizeitbeschäftigung geworden", stellen die Ausstellungsmacher des "Mühlerama", dem Museum in der Mühle Tiefenbrunnen, (muehlerama.ch) in Zürich fest. "Vor ihnen fürchtet sich niemand ernsthaft. In Büchern, Filmen, Sagen, auf Ghost-Tours und in Geisterbahnen wimmelt es von ihnen, doch jedes Kind weiß: Alles ist nur Fiktion, denn echte Geister gibt es nicht! Oder etwa doch?"

"Unsere Vorfahren jedenfalls glaubten fest an sie. Wo man ging und stand war man von geisterhaften Wesen umgeben, sei es im Wald oder auf Wegen, sei es in Stall und Haus. In der Ausstellung erwartet einen der Geisterwald und man gelangt zur Mühle. In Mühlen soll es besonders gerne gespukt haben. Einsam standen sie außerhalb der Dörfer - ein idealer Tummelplatz für Wassergeister, Nixen oder gar den Teufel. Schutz vor zwielichtigen Wesenheiten fanden die Menschen mit Hilfe von Amuletten sowie Zeichen und Objekten am und im Haus. Rinderschädel, Drudenfuß, Mistel, Kreuz, Agathabrot: lang und vielfältig ist die Liste. Unschwer zu erkennen, dass sich hier verschiedene Glaubenssysteme treffen und mischen.

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Auf den ersten Blick scheint das magische Denken heute aus unserem Alltag entschwunden zu sein. Seit der Aufklärung ist rationales Denken gefragt. Laut dem Tiefenpsychologen C. G. Jung verstärkt sich aber mit zunehmendem Licht der Schatten: Je rationalistischer wir denken und im hellen Tageslicht Geister lautstark verneinen, desto lebendiger spuken sie in der Welt des Unbewussten. Und tatsächlich, der Geisterglaube ist auch heute noch da, allerdings spielt er sich meist im Verborgenen ab.

Bei einigen fast alltäglichen Handlungen wie Daumen drücken oder Holz anfassen ist der Glaube an magische Kräfte, an unsichtbare Zusammenhänge, an "Geister", die den Menschen in ihr Glück dreinpfuschen wollen, noch spürbar. 42% der EU-Bürgerinnen und -bürger geben an, "abergläubisch" zu sein. 46% haben schon "Unerklärliches" erlebt.

Die Vielfalt des Geisterglaubens in der heutigen Gesellschaft ist groß - dies wird im dritten Ausstellungsteil klar, wo die "andere Welt“ zum Greifen nah ist. Es gibt Menschen, die von sich sagen, Verstorbene wahrzunehmen und mit ihnen in Kontakt treten zu können. Und es gibt Menschen, die diesen Kontakt suchen, Medien konsultieren, an so genannten Séancen teilnehmen, zu Hause in der Küche Tische rücken oder Apparate bauen, um mit Verstorbenen zu kommunizieren.

Das Ausstellungsplakat | Copyright/Quelle: muehlerama.ch

Richtig unheimlich wird’s im letzten Raum der Ausstellung, wo vier Betten bereit stehen. Es geht um Spuk. Gerade im Bett zur Nachtzeit, wenn der Mensch am verletzlichsten ist, schlägt der Spuk zu. Im Liegen gibt es vergangene und aktuelle Spukberichte aus erster Hand zu hören. Von Schritten, Klopfen, Geistererscheinungen ist hier die Rede. Und es wird nach Erklärungen gesucht, denn längst ist nicht sicher, dass Geister dahinter stecken.

Geisterbahn, Sage, Tonbandgerät, Schlafzimmer: Die Besucherinnen und Besucher dürfen in die beunruhigende und eigenartige Welt der Geistervorstellungen eintauchen. Neben den Beschreibungen und Berichten wird auch kritisch nach dem Wie und Warum gefragt, denn der Graben zwischen Geistergläubigen und Ungläubigen ist tief - wie es sich für Glaubensfragen gehört. Eindeutige Antworten können nicht gegeben werden. Dies wird veranschaulicht durch den "Geisterclub", eine Runde von Geisterexpertinnen und -experten verschiedenster Richtungen, die nach jedem der vier Ausstellungskapitel miteinander diskutieren."

Bücher zum Thema:

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Quellen: muehlerama.ch / grenzwissenchaft-aktuell.de
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