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Samstag, 30. April 2011

Kein dritter Stern im Sirius-System: Astronomen finden keinen Beleg für Dogon-Mythologie

Hubble-Aufnahme des Sirius-Dopelsternsystems. Bei Sirius A (Mitte) handelt es sich um einen Stern vom Spektraltyp A1; bei Sirius B (unten links) um einen Weißen Zwerg | Copyright: NASA/ESA

Heidelberg/ Deutschland - Seit den 1920er-Jahren spekulieren nicht nur Astronomen über einen dritten Stern im Sirius-System, einem bekannten Doppelsternsystem des Sternbildes "Großer Hund". Auch die Volksgruppe der Dogon im westafrikanischen Mali scheint ein erstaunliches traditionelles Wissen über das auch als Hundsstern bekannte Himmelsobjekt zu besitzen und beschreiben nicht nur die Eigenschaften des bekannten Doppelsternsystems sondern berichten ebenfalls über einen dortigen dritten Begleiter, obwohl ihnen hierfür eigentlich die astronomischen Hilfsmittel nicht zugänglich waren. Ein internationales Astronomenteam hat nun die Ergebnisse einer Langzeitbeobachtung von Sirius veröffentlicht, die jedoch die Existenz von "Sirius C" nicht bestätigen können.

Zum ersten Mal auf einen möglichen dritten Stern im Sirius-System aufmerksam, wurden Astronomen in den 1920er Jahren, als sie einen schwachen Stern in unmittelbarer Nähe zum Hauptstern "Sirius A" des damals schon bekannten Doppelsternsystems entdeckten, diesen jedoch nach längerer Beobachtungszeit wieder aus den Augen verloren. 1999 glaubten dann französische Astronomen in einem hinter dem Hundsstern vorbeigezogenen Hintergrundstern eine Erklärung für die früheren Beobachtungen gefunden zu haben. Schon damals konnten die Sternensucher bis in eine Nähe von 30 Bogensekunden keinen weiteren Begleitstern finden, wie er sich auch durch eine mit "Sirius A" gemeinsame Eigenbewegung verraten hätte.

Untersuchungen von Unregelmäßigkeiten in der Umlaufbewegung der bekannten Surius-Sterne A und B deuten jedoch weiterhin auf eine dritte Komponente hin, deren Masse auf nur etwa 0,06 Sonnenmassen eingeschätzt wird und eine Umlaufdauer von etwa 6 Jahren haben könnte. Nachgewiesen werden konnte dieser dritte Stern bislang jedoch noch nicht.

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Ein nicht minder großes Rätsel gibt auch das angebliche Wissen der Dogon, einer eingeborenen Volksgruppe im westafrikanischen Mali auf, wie es seit den 1930er-Jahren Jahrzehnte lang von dem französische Ethnologe Marcel Griaule studiert und aufgezeichnet wurde. Wie auch in zahlreichen anderen Kulturen, so etwa in Sumer und Ägypten, spielt Sirius auch in den Legenden und Schöpfungsmythen der Dogon eine wichtige Rolle unter anderem als Heimatwelt der sogenannten Nommos, den Ahnengeistern der Dogon. Die Beschreibungen der Eigenschaften des Sirius-Systems gehen indes weit über das Wissen hinaus, über das der vermeintlich einfache Volksstamm aufgrund des Mangels an astronomischen Beobachtungsinstrumenten eigentlich verfügen dürfte.

So wissen, laut Griaule, die Dogon von Sirius, den sie "Sigu tolo" nennen, dass er von einen Begleiter namens "Polo tolo" auf einer exzentrisch um Sirius A verlaufenden ovalen Umlaufbahn umkreist wird und für diese Umrundung 50 Jahre benötigt, während er sich einmal im Jahr um sich selbst dreht. Tatsächliche beträgt die Umlaufperiode von Sirius B 50,093 Jahre. Zudem beschrieben die Stammesältesten gegenüber dem Völkerkundler ein drittes Mitglied des Sirius-Systems - ein Stern mit dem Namen "Emme ya tolo". Dieser soll etwas größer als "Po tolo" (Sirius B), dafür aber nur ein Viertel so schwer wie dieser sein und Sirius A auf einer größeren Bahn und ebenfalls einmal in 50 Jahren umkreisen.

Die Übereinstimmungen des mythologischen Wissens der Dogon über das Sirius-System mit modernen astronomischen Kenntnissen, erscheinen auf den ersten Blick erstaunlich und unerklärbar. Nicht zuletzt aus diesem Grund bilden sie die Grundlage für zahlreiche kontrovers diskutierte Erklärungstheorien und Spekulationen.

Ein Vergleich einer angeblichen Darstellung einer traditionellen Dogon-Darstellung der Sirius-Sterne "Sigu tolo" (X) und der Umlaufahn "Polo tolo" mit einem Orbitaldiagramm von "Sirius B" um "Sirius A"

Hierzu führt die deutsche Wikipedia (wikipedia.de) folgendes aus:
"Die bemerkenswerte Ähnlichkeit dieser Beschreibungen mit Sirius B und einem eventuellen Sirius C ist umso erstaunlicher, als nichts davon mit bloßem Auge erkennbar ist. Zahlreiche unterschiedliche Spekulationen versuchen die Herkunft dieser Kenntnisse zu erklären. In der Populärliteratur finden sich zwei Hauptströmungen: eine hauptsächlich in afrozentrischer Literatur vertretene Ansicht sieht die Dogon als Überbleibsel einer einstigen hochentwickelten, wissenschaftlich geprägten schwarzafrikanischen Zivilisation. R. Temple andererseits vertrat in seinem Buch The Sirius Mystery (dt.: Das Sirius-Rätsel) die Vermutung, außerirdische Besucher aus dem Sirius-System hätten vor etwa 5000 Jahren den Anstoß für den Aufstieg der ägyptischen und der sumerischen Zivilisation gegeben.[62] Die Dogon seien Nachfahren eines nordafrikanischen, später nach Westafrika ausgewanderten Volksstammes, der die von den Außerirdischen vermittelten Kenntnisse über das Sirius-System bewahrt habe.

Die in wissenschaftlichen Kreisen bevorzugte Erklärung geht von der Kontaminierung der Dogon-Mythologie mit modernen astronomischen Erkenntnissen aus. Die anthropologische Variante nimmt an, dass die Kontamination (wenn auch nicht absichtlich) durch Griaule selbst geschehen sei. Der niederländische Anthropologe Walter van Beek arbeitete selbst mit den Dogon und versuchte Teile des Materials von Griaule zu verifizieren. Er konnte jedoch große Teile der von Griaule wiedergegebenen Mythen nicht bestätigen, unter anderem Sirius als Doppelsternsystem. Van Beek vertritt die Ansicht, dass die von Griaule publizierten Mythen nicht einfach Wiedergaben von Erzählungen seiner Gewährsleute seien, sondern in einem komplexen Zusammenspiel zwischen Griaule, seinen Informanten und den Übersetzern zustande gekommen seien. Ein Teil von ihnen sei das Ergebnis von Missverständnissen sowie Überinterpretation durch Griaule. Laut Griaules Tochter, Dr. Geneviève Calame-Griaule, hätten allerdings die astronomischen Kenntnisse ihres Vaters nicht ausgereicht, um selbständig astronomische Sachverhalte in die Erzählungen der Dogon hineinzuinterpretieren.

Eine spekulative Erklärung bezieht sich auf angenommene Kontakte der Dogon mit europäischen Besuchern. Sie weist darauf hin, dass die Dogon-Erzählungen den astronomischen Kenntnisstand ab etwa 1926 widerspiegeln (während Griaule erst ab 1931 bei den Dogon zu arbeiten begann): die Umlaufperiode, der elliptische Orbit und die große Masse von Sirius B waren bereits im 19. Jahrhundert bekannt, sein geringer Durchmesser ab etwa 1910, ein möglicher dritter Begleiter wurde in den 1920er-Jahren vermutet, die hohe Dichte von Sirius B wurde 1925 nachgewiesen. Die Beobachtung der gravitativen Rotverschiebung an Sirius B ging als aufsehenerregende Bestätigung der Allgemeinen Relativitätstheorie durch die populäre Presse. Als Quellen kommen beispielsweise Missionare in Betracht, worauf möglicherweise auch biblische und christliche Motive in der Dogon-Mythologie hinweisen. Missionarische Aktivitäten bei den Dogon fanden ab 1931 statt, allerdings sind bisher keine Missionare nachweisbar, die konkret als Quelle in Frage kämen."

Das internationale Team um Christian Thalmann vom "Max-Planck-Institut für Astronomie" (MPIA, mpia.de) hat nun die Daten einer Lagzeitbeobachtung mit dem "Infrared Camera and Spectrograph"-Instrument (IRCS) des japanischen "Subaru Telescope" am "Mauna Kea Observatory" auf Hawaii unübertroffen genaue Daten vorgelegt und auf "arxiv.org" vorab veröffentlicht. Aus diesen Werten könne kein Begleiter im Sinne des zuvor vermuteten Sterns Sirius C abgeleitet werden. Auch können die Wissenschaftler anhand der Infrarotmessungen die Existenz von Staub, etwa in Form einer protoplanetaren Scheibe, um den weißen Zwergstern Sirius B ausschließen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arxiv.org

Astronomen beschreiben exotische Super-Erde

Ein Vergleich unserer Sonne mit den simulierten Transits von Erde und Jupiter (l.) im vergleich zur Super-Erde "55 Cancri e" vor ihrem Zentralgestirn dem sonnenähnlichen Stern "55 Cancri A" | Copyright: Jason Rowe, NASA Ames and SETI Institute and Prof. Jaymie Matthews, UBC

Cambridge/ USA - Ein internationales Astronomenteam hat Details über Größe und Eigenschaften des exotischen erdartigen Exoplaneten "55 Cancri e" und damit einer nur 40 Lichtjahre von der Erde entfernt gelegenen, sogenannten Super-Erde, veröffentlicht.

Wie das Team aus Wissenschaftlern, des "Massachusetts Institute of Technology" (MIT), der "University of British Columbia", des Harvard Smithsonian Center for Astrophysics und der "University of California in Santa Cruz" (UCSC) im Fachmagazin "Astrophysical Journal Letters" berichten werden, ist der Durchmesser von "55 Cancri e" rund 60 Prozent größer als jener der Erde, während seine Dichte etwa doppelt so groß hoch ist und nahezu an die von Blei heranreicht. Damit handelt es sich um den bislang dichtesten Planeten überhaupt.

Das Cancri-System befindet sich rund 40 Lichtjahre von der Erde entfernt. "55 Cancri e" umkreist sein Zentralgestirn, "55 Cancri A" so dicht, dass er für eine Umrundung gerade einmal 17 Stunden und 41 Minuten benötigt. Aus diesem Grund beträgt die Oberflächentemperatur auf dem Planeten auch bis zu 2.700 Grad Celsius und die Forscher glauben nicht, dass er über eine Atmosphäre verfügt. "Es handelt sich also nicht gerade um einen Ort, an dem Exobiologen nach Leben suchen würden", kommentiert der Hauptautor der Studie Josh Winn vom MIT.

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Dennoch sei der Planet für die Erforschung von Exoplaneten von besonderem Interesse, da die Helligkeit des Systems weitere Untersuchungen mit Teleskopen mehr als begünstigt. "'55 Cancri e' ist das perfekte Laboratorium, um verschiedene Theorien der Planetenentstehung, -evolution und -lebensdauer zu testen", so Winn. 
Während der Planet selbst mit derzeitigen Teleskopen allerdings nicht direkt beobachtet werden kann, ist sein Zentralgestirn, "55 Cancri A" schon mit bloßem Auge von der Erde aus sichtbar.

"Auf dem Planeten würden sie das Dreifache ihres irdischen Körpergewichts wiegen und am Tage würde die dortige 'Sonne' 60 mal größer und 3.600 mal heller am Himmel stehen.

Bestätigt wurde "55 Cancri e" mittels der Transit-Methode, bei welcher anhand einer periodisch wiederkehrenden Abschwächung des Sternenlichts durch das vorbeiziehen des Planeten vor der "Sonnenscheibe" auf dessen Existenz geschlossen werden kann. "Hierbei wird das Sternenlicht lediglich zu einem Fünfzigstel eines Prozents abgeschwächt, was den Astronomen den Durchmesser des Planeten von rund 21.000 Kilometern verrät", so Winn und fährt fasziniert fort: "Ist es nicht wunderbar, wenn man auf einen hellen Punkt am Himmel deuten kann, und so viel über einen der dortigen Planeten um diesen Stern weiß?"


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / mit.edu / ubc.ca
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