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Mittwoch, 11. Mai 2011

Kohlenstoff: Grundlegende Frage zur Entstehung des Lebens gelöst

Aktives Sternentstehungsgebiet NGC604 | Copyright: NASA / hubblesite.org

Bonn/ Deutschland - Damit in den Sternen Kohlenstoff, die Grundlage des Lebens, entstehen kann, spielt eine bestimmte Form des Kohlenstoffkerns eine entscheidende Rolle. Physiker der "Universität Bonn" und der "Ruhr-Universität Bochum" haben jetzt gemeinsam mit US-Kollegen diesen legendären Kohlenstoffkern berechnet. Damit haben sie ein Problem gelöst, das die Wissenschaft seit mehr als 50 Jahren vor Rätsel gestellt hat.

- Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Pressemitteilung der "Universität Bonn", uni-bonn.de


"Seit 1954 hat man vergeblich versucht, den sog. Hoyle-Zustand zu berechnen", berichtet Professor Dr. Ulf-G. Meißner (Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik der Universität Bonn), "und wir haben es jetzt geschafft!" Der Hoyle-Zustand ist eine energiereiche Form des Kohlenstoffkerns. Er ist der Bergpass, über den man von einem Tal ins andere gelangt: von drei Kernen des Gases Helium zum sehr viel größeren Kohlenstoffkern. Diese Verschmelzungsreaktion findet im heißen Inneren schwerer Sterne statt. Gäbe es den Hoyle-Zustand nicht, hätten im Weltall nur sehr wenig Kohlenstoff oder andere höhere Elemente wie Sauerstoff, Stickstoff und Eisen entstehen können. Ohne diese Art von Kohlenstoffkern wäre daher vermutlich auch kein Leben möglich gewesen. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in kommenden Ausgabe des "Fachblatts Physical Review Letters".

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Bereits im Jahr 1954 hat man den Hoyle-Zustand experimentell nachgewiesen, aber seine Berechnung scheiterte stets. Denn diese Form des Kohlenstoffs besteht lediglich aus drei sehr lose gebundenen Heliumkernen − ein eher wolkiger diffuser Kohlenstoffkern. Und er liegt nicht einzeln vor, sondern stets zusammen mit anderen Formen von Kohlenstoff. "Das ist, wie wenn sie ein Radiosignal untersuchen wollen, bei dem ein Hauptsender und mehrere schwächere Sender überlagert sind", erläutert Prof. Dr. Evgeny Epelbaum (Institut fürr Theoretische Physik II der Ruhr-Universität Bochum). Der Hauptsender ist der stabile Kohlenstoffkern, aus dem unter anderem auch der Mensch aufgebaut ist. "Wir interessieren uns aber für einen der instabilen, energiereichen Kohlenstoffkernen, also müssen wir irgendwie mit einem Rauschfilter den schwächeren Radiosender von dem dominierenden Signal abtrennen."

Möglich wurde das mit einer neuen, besseren Rechenmethode der Forscher, welche die Kräfte zwischen mehreren Kernbausteinen präziser als zuvor berechnet. Mit "JUGENE", dem Supercomputer am Forschungszentrum Jülich, stand auch das passende Werkzeug parat. Eine knappe Woche hat JUGENE gerechnet. Das Rechenergebnis stimmt so gut mit den experimentellen Daten überein, dass die Forscher sicher sein können, den Hoyle-Zustand tatsächlich von Grund auf berechnet zu haben.

"Jetzt können wir diese spannende und wichtige Form von Kohlenstoffkern ganz genau untersuchen“, erläutert Prof. Meißner. "Wir werden schauen, wie groß er ist und wie er aufgebaut ist. Und damit können wir jetzt auch die gesamte Kette der Elemententstehung unter die Lupe nehmen."

Sogar philosophische Fragen sind in Zukunft vermutlich wissenschaftlich zu beantworten. Seit Jahrzehnten gilt der Hoyle-Zustand als Paradebeispiel für die Theorie, dass die Naturkonstanten bei der Entstehung unseres Universums genauso und nicht anders aufeinander abgestimmt sein mussten, da wir sonst nicht hier wären, um das Universum zu beobachten (Anthropisches Prinzip). "Für den Hoyle-Zustand heißt das: Er muss genau diese Energie haben, die er hat, weil es uns sonst nicht gäbe", sagt Prof. Meißner. "Wir können jetzt berechnen, ob in einer veränderten Welt mit anderen Parametern der Hoyle-Zustand im Vergleich zur Masse von drei Heliumkernen tatsächlich eine andere Energie hätte." Wenn dem so ist, spräche das für das anthropische Prinzip.

Mitgewirkt an der Studie haben die "Universität Bonn", die "Ruhr-Universität Bochum", die "North Carolina State University" und das "Forschungszentrum Jülich".

Quelle: uni-bon.de

Doch keine Blitze auf Saturnmond Titan?

Konvektive Methanwolken auf einer Infrarotaufnahme des Titan durch die Cassini-Sonde | Copyright: NASA/JPL/University of Arizona/University of Nantes/University of Paris Diderot

Graz/ Österreich - Seit dem Vorbeiflug der NASA-Sonde "Voyager I" an Titan 1980 spekulieren Wissenschaftler über die Existenz von Blitzentladungen in der Atmosphäre des größten Saturnmondes. Derartige Entladungen hätten immerhin Auswirkungen auf die Chemie seiner Stickstoff-Methan-Atmosphäre, und es könnten dabei sogar organische Verbindungen entstehen, die als Vorläufer für die Entstehung von Leben gelten. In einer aktuellen Studie belegen zwei Weltraumforscher nun jedoch, dass es wahrscheinlich keine Blitzentladungen auf dem Saturnmond Titan gibt.

Wie der Weltraumforscher Georg Fischer vom Grazer "Institut für Weltraumforschung" (IWF) an der "Österreichischen Akademie der Wissenschaften" (ÖAW) und sein amerikanischer Kollege Don Gurnett von der "University of Iowa" in einem Artikel in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" berichten, untersuchten sie die Daten des Instruments "RPWS" (Radio and Plasma Wave Science) an Bord der Raumsonde "Cassini" bis zu ihrem 72. Vorbeiflug am Titan, auf der Suche nach Radiosignaturen von möglichen Titanblitzen.

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Auf dem Saturnmond werden immer wieder konvektive Methanwolken gesichtet, wie und dokumentiert (s. Abb.). Trotzdem konnten, wie schon in einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 2007, keine Blitze nachgewiesen werden. "Daraus schließen wir, dass Blitze auf Titan entweder sehr selten sind oder einfach nicht existieren", erläutert Fischer.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / oeaw.ac.at

Seefahrt auf Saturnmond Titan: NASA benennt Finalisten für zukünftige Discovery-Mission

Künstlerische Konzeptstudie der geplanten NASA-Sonde "Titan Mare Explorer" | Copyright: NASA

Washington/ USA - Die NASA hat drei Projektvorschläge von Wissenschaftsteams als Finalisten bei der Suche zur nächsten Mission im Rahmen des Discovery-Programms ausgewählt. Neben einer mehrfachen Forschungsmission zu einem Kometen und der Erkundung des inneren Aufbaus des Mars, steht auch eine Mission zum Saturnmond Titan zur Wahl. Diese soll mit einer Schwimmsonde erstmals ein außerirdisches "Gewässer" befahren und dieses erforschen.

Bei den drei Missionen handelt es sich um die Finalisten von einst insgesamt 28 Vorschlägen. Den drei Projektgruppen stehen nun zur weiteren Ausarbeitung der Konzeptphase weitere drei Millionen Dollar zur Verfügung, bevor dann im nächsten Jahr der Sieger bekannt gegeben werden und die entsprechende Mission schon 2016 starten soll.

Bei dem Discovery-Programm der NASA handelt es sich um eine Reihe von auf jeweils 425 Millionen Dollar Gesamtkosten gedeckelten wissenschaftlichen Weltraummissionen. Zu den bisherigen erfolgreichen Discovery-Missionen zählen unter anderem der "Mars-Pathfinder", die Kometen-Sonden "Deep Impact" und "Stardust", der Mondsatellit "Lunar Prospector" und das "Moon Mineralogy Mapper"-Instrument an Bord des indischen Mondorbiters "Chandrayaan-1". Ebenfalls Teil des "Discovery-Programms" sind die derzeitige Merkur-Sonde "MESSENGER", die Asteroidensonde "Dawn", sowie die unter dem Namen "EPOXI" fortgeführte Mission der "Deep Impact"-Sonde.

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Der von einem Team des "Applied Physics Laboratory" an der "John Hopkins University" in Laurel im US-Bundesstaat Maryland entwickelte "Titan Mare Explorer" (TiME) soll dann zum ersten Mal eine flüssige ozeanartige Umgebung jenseits der Erde erforschen. Hierzu soll eine Landeeinheit nach dem Start 2016 im Jahre 2023 auf einem der Methan-Meere auf dem Saturnmond Titan landen und mindestens 96 Tage lang schwimmend mittels Messinstrumenten und Sonden die Zusammensetzung messen und die das Zwischenspiel mit der Titan-Atmosphäre dokumentieren. Im Titan-Meer soll die Schwimmsonde zudem nach Hinweisen auf komplexe organische Chemie fahnden, wie sie auch zur Entstehung von Leben geführt haben könnte. Damit hoffen die Forscher nicht zuletzt auch Rückschlüsse auf das irdische Leben ziehen zu können - wird der heutige Saturnmond aufgrund seiner dichten Atmosphäre, festen Oberfläche und einem Flüssigkeitskreislauf mit Ozeanen, Seen und Flüssen doch von vielen Wissenschaftlern mit der jungen Erde verglichen.

Als weiteres Projekt schickt das NASA-eigene "Jet Propulsion Laboratory" (JPL) die Landeeinheit "Geophysical Monitoring Station" (GEMS) in Rennen, die erstmals den inneren Aufbau erkunden soll. Das ebenfalls der NASA angegliederter "Goddard Space Flight Center" schlägt als dritten Kandidaten den sogenannten "Comet Hopper" vor. Hierbei handelt es sich um eine Sonde, die mehrmals einen Kometen anfliegen, auf diesem Landen und dessen Zwischenspiel mit der Sonne erforschen und unter anderem mittels einer hochauflösenden Spezialkamera dokumentieren soll.

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