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Donnerstag, 19. Mai 2011

Karlsruher Wissenschaftler entwickeln funktionierende Tarnkappe

Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Tarnkappenstruktur. Das Polymer-Luft- Metamaterial (die "Holzscheite") ist blau eingefärbt, die mit Gold beschichteten Bereiche sind gelb. | Copyright: CFN

Karlsruhe/ Deutschland - Wissenschaftler am "Karlsruher Institut für Technologie" (KIT) haben eine optische Tarnung im für Menschen wahrnehmbaren Bereich des Lichts entwickelt und bereits erfolgreich im Nanometerbereich getestet.

"Mit den eigenen Augen etwas Unsichtbares zu sehen, ist eine spannende Erfahrung", zitiert die Pressemitteilung des KIT Joachim Fischer und Tolga Ergin. Die beiden Physiker haben am "Center for Functional Nanostructures" (CFN) am Institut in der Arbeitsgruppe von Professor Martin Wegener fast ein Jahr daran gearbeitet, die Struktur der "Karlsruher Tarnkappe" so zu verfeinern, dass sie auch in einem für den Menschen sichtbaren Bereich des Lichts wirkt.

Das Prinzip der Tarnkappen funktioniert, indem Lichtwellen von bzw. in einem Material derart gelenkt werden, dass sie die "Tarnkappe" wieder verlassen, als ob sie nie mit dem zu tarnenden Objekt in Berührung gekommen wären. Das Objekt ist somit für den Betrachter unsichtbar. Die exotischen optischen Eigenschaften des Tarnmaterials werden mit komplexen mathematischen Werkzeugen berechnet, die denen der Einsteinschen Relativitätstheorie ähneln.

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Die Struktur des Tarnkappenmaterials muss dabei kleiner als die Wellenlänge des Lichts sein, das abgelenkt werden soll. So könne beispielsweise für die relativ großen Rundfunk- oder Radarwellen ein Material verwendet werden, "das fast mit der Nagelschere produziert werden kann“, so Wegener. Bei Wellenlängen, die für das menschliche Auge sichtbar sind, müssen dagegen Materialien mit Strukturierung im Nanometerbereich hergestellt werden.

"Die winzige Tarnkappe, die Fischer und Ergin nun erzeugt haben, ist kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares", berichtet die Pressemitteilung. "Sie lässt eine Wölbung in einem Metallspiegel flach erscheinen und dadurch ein darunter verstecktes Objekt unsichtbar werden. Das Metamaterial, das über diese Wölbung gelegt wird, sieht wie ein Holzstapel aus, besteht jedoch aus Kunststoff und Luft. Die 'Holzscheite' verfügen über präzise festgelegte Stärken im Bereich von 100 Nanometern. Durch sie werden Lichtwellen, die die Wölbung normalerweise ablenkt, so beeinflusst und geführt, dass das reflektierte Licht dem eines flachen Spiegels entspricht." Könnte der Strukturierungsabstand des roten Tarnmantels erneut halbiert werden, so würde die Tarnkappe das ganze sichtbare Lichtspektrum abdecken.

Die KIT-Wissenschaftler verbesserten eine bereits im vergangenen Jahr erstmals vorgestellte 3D-Tarnkappentechnik mit Methoden aus der Mikroskopie, welche dort zu fundamentalen Auflösungsverbesserungen geführt hatten und konnten somit die erste 3D-Tarnkappe für unpolarisiertes sichtbares Licht im Bereich von 700 Nanometern zu realisieren. Dies entspricht der Farbe rot.

"Die nun entwickelte Tarnkappe ist ein attraktives Demonstrationsobjekt für die fantastischen Möglichkeiten, welche das recht neue Gebiet der Transformationsoptik und ihrer Metamaterialien offeriert. In den vergangenen Jahren haben sich hier Gestaltungsspielräume eröffnet, die lange für nicht möglich gehalten wurden", so Ergin. "Wir erwarten dramatische Verbesserungen in den lichtbasierten Technologien, wie Linsen, Solarzellen, Mikroskopen, Objektiven, der Chip-Herstellung und der Datenkommunikation."

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / kit.edu

Mehr sonnenlose Planeten als Sterne in der Milchstraße

Künstlerische Darstellung eines einsam durch All treibenden Gasriesen | Copyright: NASA/JPL-Caltech

Pasadena/ USA - Astronomen habe eine neue Klasse von jupitergroßen Planeten entdeckt, die frei - also ungebunden an einen Stern - durch das Dunkel des Alls treiben. Die Wissenschaftler glauben, dass derartig sonnenfreie Planeten einst aus entstehenden Planetensystemen herausgeschleudert wurden und nehmen sogar an, dass die einsamen Welten zahlreicher sind als Sterne.

Die Entdeckung gelang einem japanisch-neuseeländischen Beobachtungsprojekt, an dem auch Forscher der NASA beteiligt waren, als sie 2006 und 2007 das Zentrum der Milchstraße absuchten. Bei dieser Suche entdeckten die Astronomen bis zu 10 Exemplare dieser frei durchs All treibenden Planeten, wie sie von den Forschern als "Waisen-Planeten" bezeichnet werden. Die hierbei entdeckten Planeten befinden sich zwischen 10.000 und 20.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Für die Forscher stellt der Nachweis derartiger Planeten ein wichtiges Puzzleteil für das Verständnis zur Planetenentstehung und -evolution dar.

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Da "Waiseplaneten" kein Licht eines Sterns reflektieren und deshalb nur schwer zu entdecken sind, gehen die Forscher davon aus, dass sie in Wirklichkeit wesentlich zahlreicher sind, als bislang angenommen. Die Astronomen vermuten sogar, dass ihre Zahl etwa doppelt so groß ist, wie jene der Sterne in unserer Galaxie - zumal die Suche der Astronomen nur Planeten größer als Jupiter und Saturn entdecken konnte. Aufgrund ihrer niedrigeren Masse dürften kleinere Waisenplaneten sogar noch wesentlich öfters aus ihren Planetensystemen geschleudert werden. Zumindest gebe es aber sicherlich mindestens genau so viele einsame Planeten, wie jene, die in Planetensystemen einen Stern umkreisen. Alleine in unserer Milchstraße dürfte es also mehrere hundert Milliarden Waisenplaneten geben.

Zukünftige Untersuchungen sollen sich nun auf die Entdeckung von freitreibenden Felsplaneten konzentrieren. Erst im Februar und April hatten Wissenschaftler sogar Umstände vorgestellt, unter welchen auf einsamen Planeten trotz fehlender Sterne sogar Leben entstanden sein könnte (...wir berichteten, s. f. Links).

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
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