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Mittwoch, 15. Juni 2011

Blutmond über Europa

Roter Vollmond bei Mondfinsternis | Copyright: A. Müller, grenzwissenschaft-aktuell.de

Saarbrücken/ Deutschland - Wenn der Mond heute Abend aufgeht, wird er rot am Himmel stehen. Grund für das faszinierende Himmelsschauspiel ist die längste Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren.

Wenn die Mondfinsternis beginnt, sich der Kernschatten der Erde also vor die Mondscheibe schiebt, ist unser Trabant von Mitteleuropa aus zwar noch nicht zu sehen. Bereist nahezu vollkommen bedeckt wird der Mond als sogenanngter "Blutmond" dann gegen 21 Uhr am Südhorizont aufgehen und seine vollständige Verfinsterung um 21:22 erreichen. Die verdunkelte Phase dauert dann bis kurz nach 23 Uhr an. Eine Stunde später ist der Vollmond dann wieder schattenfrei am Himmel zu sehen.

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Zwar verfinstert sich der Mond oft mehrmals im Jahr, doch derart lange ist das Schauspiel nur selten zu beobachten und zeigte sich so zum letzten Mal vor mehr als zehn Jahren. Bei günstigen Witterungsbedingungen, wie sie für einige Teile Deutschlands vorhergesagt werden (bitte beachten Sie hierzu die Informationen ihrer lokalen Wettervorhersagen), sollten sich Astrofreunde dieses Schauspiel also nicht entgehen lassen.

Während der Mondfinsternis selbst ist dann auch noch hinzu gegen 23:10 Uhr ein Überflug der Internationalen Raumstation ISS am Himmel über Deutschland zu sehen. Wie ein heller Stern wird diese dann auch nochmals gegen 0:50 Uhr ein weiteres Mal zu sehen sein. Hinzu wird es wahrscheinlich während der Mondfinsternis zu zwei Iridium-Flares kommen, wenn das Licht der Sonne von den Solarflächen von Iridium-Satelliten reflektiert wird und das Ganze wie ein langsam dahin ziehender Meteor erscheinen wird.

Zu einer Mondfinsternis kommt es immer dann, wenn die Erde ziemlich genau zwischen Sonne und Mond steht - ein Ereignis, wie es nur bei Vollmond geschehen kann und auch dann nur, wenn der Mond sich in der Nähe der Schnittpunkte seiner Bahn um die Erde mit der Ebene der Erdbahn um die Sonne befindet.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de

Forschungsprojekt untersucht vedische Texte und ihren Ursprung

Sanskrit-Texte auf Birkenrinde in Oriya-Schrift. Der Inhalt der Texte geht auf die Jahre 1100 bis 800 vor Christus zurück und wird an der Universität Würzburg erforscht. | Copyright: Arlo Griffiths

Würzburg/ Deutschland - Ein neues Projekt am Lehrstuhl für Vergleichende Sprachwissenschaft der "Universität Würzburg" widmet sich uralten hinduistischen Überlieferungen aus Indien, die auf linealförmig zugeschnittener Birkenrinde festgehalten wurden. Die als Veden (Veda = Wissen) bezeichneten und jahrtausendealten religiösen Texte aus dem Hinduismus sind in Sanskrit verfasst und überliefern zum Beispiel Offenbarungen von Weisen, Gesänge, Opfer- und Zaubersprüche.

Nachdem die vedischen Texte Anfangs ausschließlich mündlich weitergegeben wurden, kam es erst ab 1000 nach Christus zu ersten Niederschriften. Im Mittelpunkt des aktuellen Forschungsprojekts stehen der älteste der vedischen Texte, der "Rigveda", und der zweitälteste, der "Atharvaveda". Letzterer wird auf die Zeit um 1100 bis 800 vor Christus datiert (s. Abb) und besteht vor allem aus Zaubersprüchen. "Das sind zum Beispiel Formeln, die vor Schlangengift oder parasitischen Würmern schützen sollen", sagt Projektleiter Dr. Jeong-Soo Kim. "Aber auch magische Sprüche für Frauen, die einen Mann suchen, und andere Beschwörungsformeln sind darin enthalten."

Für die Zaubersprüche selbst interessieren sich die Würzburger Forscher nicht vorrangig. Wohl aber für die Entstehung des Atharvaveda: "Für die Kulturgeschichte und die Sprachwissenschaft ist er von höchster Bedeutung", sagt Kim.

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Der Grund dafür: Die Texte spiegeln einen historischen Sprachwechsel im Norden Indiens wider, der mit einem Halbnomadenvolk zusammenhängt, das sich selber die Arier nannte - was wörtlich übersetzt "die Gastfreundlichen" bedeutet. "Dieses Volk breitete sich vermutlich ab dem dritten Jahrtausend vor Christus von den Steppen südwestlich des Urals aus", erläutert die Pressemitteilung der Universität. "Dabei spaltete es sich in einen indischen und einen iranischen Zweig auf. Der indische Zweig gelangte, von Nordwesten kommend, in die Gangesebene, und erreichte, dass die dort einheimische Bevölkerung die Sprache der Neuankömmlinge übernahm.

In dieser Zeit entstanden die Texte des Atharvaveda. Die Worte für Tiger und für Reis zum Beispiel kommen darin bereits vor, während sie in den älteren Rigveda-Texten noch nicht auftauchen - weil die Halbnomaden vor der Einwanderung in die Gangesebene weder Tiger noch Reis zu Gesicht bekommen hatten." Somit finden sich im Atharvaveda viele neue Wörter, die es in anderen Veda-Texten nicht gibt, besonders auch umgangssprachliche Formulierungen.

Die Überlieferungsgeschichte des Atharvaveda, so der Pressetext weiter, ist relativ kompliziert: "Die Textsammlung liegt in zwei Überlieferungssträngen vor, die sich inhaltlich unterscheiden. Die bekanntere Shaunaka-Überlieferung ist gut erforscht, während das bei der so genannten Paippalada-Version noch nicht der Fall ist. Von letzterer wiederum gibt es zwei Varianten, die nach ihren Fundorten in den indischen Bundesstaaten Kaschmir und Orissa benannt sind.

Der Philologe Dipak Bhattacharya von der "Universität Kalkutta" edierte in den Jahren 1997 und 2008 einige bereits bekannte Orissa-Texte. Doch um die Jahrtausendwende tauchten dann neue Manuskripte aus dieser Linie auf: Arlo Griffiths von der "Universität Jakarta", der damals in Leiden in den Niederlanden tätig war, machte sie bei Feldforschungen ausfindig und dokumentierte sie fotografisch."

Tatsächlich scheinen die Orissa-Texte viel Neues zu bergen – zumindest die Bücher 8 und 9, mit denen Kim sich auseinandersetzt: "Buch 8 besteht aus insgesamt 228 Strophen, und nach meinen ersten Einschätzungen kommt fast die Hälfte davon in anderen vedischen Texten nicht vor“, so der Wissenschaftler. Sogar noch höher könne der Anteil bislang unbekannter Texte im Buch 9 ausfallen.

"Die vedische Forschung steht vor der großen Aufgabe, durch den Vergleich der bekannten Textvarianten einen Archetyp der Paippalada-Schriften zu erschließen“, erklärt Kim. Diese "Urmutter“ der Handschriften zu rekonstruieren, sei philologisch gut machbar. Der Würzburger Sprachwissenschaftler will seinen Beitrag dazu leisten - unter anderem durch metrische Analysen, die Übersetzung ins Deutsche, den Vergleich der Manuskripte in Form eines textkritischen Apparates und mit Kommentaren zu lautlichen und anderen Besonderheiten.

Bücher zum Thema:

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Quellen: uni-wuerzburg.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

Sonde entdeckt rätselhaften dunklen Fleck auf Asteroiden Vesta

Auf diesen Bildern des Asteroiden Vesta, die am 1. Juni aufgenommen wurden, ist in der Äquatorregion ein dunkler Fleck zu sehen. Im Laufe des Beobachtungszeitraums dreht sich der Asteroid, so dass der Fleck in dieser Bilderabfolge von links nach rechts wandert. | Copyright: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Lindau/ Deutschland - Mehr und mehr nähert sich derzeit die NASA-Raumsonde "Dawn" ihrem Ziel, dem Asteroiden Vesta. Auf den neusten Aufnahmen haben Astronomen nun einen rätselhaften dunklen Fleck in der Äquatorialregion des Asteroiden entdeckt.

Vesta selbst umkreist die Sonne auf einer Umlaufbahn jenseits des Marsorbits im sogenannten Asteroidengürtel. “In unseren Aufnahmen wird Vesta nun immer schärfer", kommentiert der wissenschaftliche Leiter des Kamerateams, Dr. Andreas Nathues vom MPS (dawn.mps.mpg.de), die neuen Aufnahmen. In dieser frühen Anflugphase dienen die Bilder in erster Linie hauptsächlich der Navigation.

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Die aktuellen Aufnahmen stammen vom 1. Juni 2011 und zeigen den Asteroiden aus einer Entfernung von rund 483.000 Kilometern. Forscher des "Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung" (MPS) haben die Bilder ausgewertet und darauf unter anderem schon den bereits bekannten gewaltigen Krater auf der Südseite des Asteroiden identifiziert. Zudem ist auf den Bildern ein dunkler Fleck in der Äquatorialregion zu sehen.

Videoanimation der Einzelaufnahmen vom 1. Juni 2011

Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten


Der dunkle Fleck hat einen Durchmesser von etwa 100 Kilometern. “Was dieser Fleck genau ist, werden wir erst in einigen Wochen wissen, wenn wir dem Asteroiden deutlich näher gekommen sind“, erklären Dr. Vishnu Reddy und Dr. Lucille Le Corre vom MPS, die die Aufnahmen ausgewertet haben. Ältere Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble hatten bereits eine ähnliche Struktur erkennen lassen.

“In den jüngsten Bildern der 'Dawn Framing Camera' entspricht ein Pixel 45 Kilometern auf Vestas Oberfläche", erklärt Dr. Holger Sierks, der als Co-Investigator an der Dawn-Mission beteiligt ist. Die Auflösung reiche somit langsam an die der besten Hubble-Aufnahmen heran. "In den nächsten Wochen werden wir Vesta genauer zu Gesicht bekommen als je zuvor", so Sierks.

Spätestens aus der Umlaufbahn mit einem Abstand von knapp 200 Kilometern, wird dann ab dem 16. Juli 2011 das Rätsel um dunklen Flecks sicherlich gelüftet werden können. Ab diesem Zeitpunkt umkreist die Sonde Vesta etwa ein Jahr lang, bevor sie zum Asteroiden Ceres reisen wird, den sie 2015 erreichen und erforschen soll.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Sonde hat erstmals Blickkontakt mit Asteroid Vesta
16. Mai 2011
Asteroid Vesta in 3D - Testlauf für die Ankunft der Dawn-Sonde im Asteroidengürtel
11. März 2011
Neue Art von Asteroiden entdeckt
7. Januar 2011


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / dawn.mps.mpg.de
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