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Donnerstag, 7. Juli 2011

Experimente zeigen: Rhesusaffen haben Ich-Bewusstsein

Archiv: Rhesusaffen | Copyright: Mieciu K2 / GNU FDL

Buffalo/ USA - Bei einem Test mit Rhesusaffen hat ein US-amerikanischer Psychologe nun nachgewiesen, dass auch Rhesusaffen eine Form von Ich-Bewusstsein haben, die man ihnen bislang nicht gesprochen hatte. Die Ergebnisse werfen auch ein neues Licht auf Selbstbewusstseinsdefizite bei Menschen, etwa bei Autismus, Schizophrenie oder Alzheimer.

Wie Dr. Justin J. Couchman von der "University at Buffalo" in seinen Experimenten belegen konnte, verfügen die Äffchen über das sogenannte Handlungsbewusstsein, also über Fähigkeit, sich selbst als Ursache bestimmter Handlungen, deren Konsequenzen und Ereignisse wahrzunehmen. Seine Ergebnisse hat Couchman aktuell im Fachmagazin "Biology Letters" veröffentlicht.

Nicht zuletzt aufgrund des extensiven Einsatzes von Rhesusaffen für Tierversuche gehören sie zu den meist untersuchten Affenarten der sog. Alten Welt. In früheren Experimenten konnten die Forscher schon nachweisen, dass Rhesusaffen den sogenannten Spiegeltest, in dem überprüft wird, ob Tiere sich selbst im Spiegel erkennen, nicht bestehen. "Auch wenn die Rhesusaffen den Spiegeltest nicht bestehen, so wollten wir überprüfen, ob die Tiere nicht vielleicht dennoch andere Formen des Ich-Bewusstsein aufweisen und haben uns für Experimente zum Handlungsbewusstsein entschieden."

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In seinen Untersuchungen verglich der Forscher die Ergebnisse von 40 Studenten mit denen von vier Rhesusaffen. Beide Gruppen hatten hierbei die Aufgabe, mittels eines Joysticks jeweils einen Mauszeiger auf zwei Bildschirmen zu kontrollieren. Die ausgeführten Steuerungsbewegungen bewegten allerdings nur einen der beiden Zeiger Tatsächlich erkannten auch die Affen sehr schnell und ohne Probleme, welchen Zeiger sie bewegten. "Dieses Ergebnis zeigt, dass Rhesusaffen, genau wie Menschen, ein Verständnis der eigenen Handlungen und deren Konsequenzen haben", so Couchman. Diese Wahrnehmung legt nahe, dass die Tiere einen ausgeprägten Sinn des eigenen 'Ichs' als Auslöser bestimmter Handlungen haben."

Da es sich bei den Ergebnissen erstmals um den Beleg von Handlungsbewusstsein bei einer Tierart handelt, die den Spiegeltest nicht besteht, könnten diese auch ein neues Licht auf Selbstbewusstseinsdefizite bei Menschen werfen, da auch Patienten mit mentalen Krankheiten wie Autismus, Schizophrenie oder Alzheimer, sich selbst oft nicht mehr im Spiegel erkennen.

"Es ist nicht klar, warum dieses Defizit auftritt. (...) Weitere Versuche könnten Informationen darüber liefern, ob das Versagen ihrer Spiegel-Selbsterkennung auf ein Problem in der Verarbeitung von Sinnesreizen oder aber von kognitiven Informationen beruht", so Couchman.

"Handlungsbewusstsein spielt eine zentrale Rolle bei der kognitiven Entwicklung", erläutert der Forscher. "Sie steht in Verbindung mit der Metakognition, der ersten Phase des Selbstbewussteins. Die Fähigkeit ermöglicht es uns Menschen, uns als Individuen unabhängig von der äußeren Welt wahrzunehmen und es erlaubt uns mit anderen und der Umwelt bewusst und intelligent zu interagieren. Wenn Rhesusaffen die Fähigkeit haben sich selbst als Handlungsauslöser wahrzunehmen, dann könnten sie vielleicht auch ein ähnliches Verständnis darüber haben, dass sie individuelle Wesen sind."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / buffalo.edu

Astronomen finden das Schlüsselmolekül Wasserstoffperoxid

Farbaufnahme des Sternentstehungsgebiets um den Stern Rho Ophiuchi 8 inmitten der blauen Region im oberen Bildteil), etwa 400 Lichtjahre von der Erde entfernt. | ESO / S. Guisard

Bonn/ Deutschland - In dem 400 Lichtjahre von der Erde entfernten Sternentstehungsgebiet Rho Ophiuchi haben Astronomen jetzt erstmals Moleküle von Wasserstoffperoxid nachgewiesen. Während die Flüssigverbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff weitläufig als Bleichmittel bekannt ist, interessiert die Wissenschaftler allerdings etwas anderes: Wie hat sich Wasser, das wohl wichtigste Molekül für die Entstehung von Leben, im Universum gebildet?

Das aseptisch wirkende Bleichmittel Wasserstoffperoxid (H2O2) ist inmitten einer ganzen Reihe von Molekülen zu finden, die man nicht nur auf der Erde, sondern auch im Weltraum nachgewiesen hat. Für die akuiellen Beobachtungen nutzte das internationale Team das Submillimeterteleskop APEX (Atacama Pathfinder Experiment), das gemeinsam vom "Max-Planck-Institut für Radioastronomie", dem schwedischen "Onsala Space Observatory" und der "Europäischen Südsternwarte" (ESO) in 5100 Metern Höhe auf der Chajnantor-Ebene in den chilenischen Anden betrieben wird.

"In der durchsuchten Region in der Nähe des Sterns Rho Ophiuchi im Sternbild Schlangenträger", so berichtet die Pressemitteilung der "Max-Planck-Gesellscahft" (mpg.de), "befinden sich extrem kalte (minus 250 Grad Celsius) und dichte Gas- und Staubwolken, in denen neue Sterne geboren werden. Diese Wolken bestehen überwiegend aus Wasserstoff; darin befinden sich aber auch Spuren anderer chemischer Stoffe. Dadurch sind sie erstklassige Zielorte bei der Jagd nach Molekülen im interstellaren Raum."

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In der Radiostrahlung aus der Region haben die Astronomen die charakteristische Signatur von Wasserstoffperoxid identifiziert. "Dieser Nachweis ist ein aufregendes Ergebnis", sagt Per Bergman, Astronom am schwedischen "Onsala Space Observatory". "Wir wussten von Laborexperimenten bereits genau, bei welcher Wellenlänge wir danach suchen mussten, aber die Häufigkeit dieses Moleküls liegt nur bei einem Zehnmilliardstel jener von Wasserstoffmolekülen. Für die Entdeckung solch geringer Spuren waren sehr sorgfältige Messungen erforderlich.“

Wasserstoffperoxid ist sowohl für Astronomen wie auch für Chemiker ein Schlüsselmolekül. Seine Entstehung steht in enger Verbindung mit zwei sehr vertrauten Molekülen: Sauerstoff und Wasser. Beide stellen unverzichtbare Voraussetzungen dar für Leben, wie wir es auf der Erde kennen. Da ein überwiegender Anteil des Wassers auf unserer Erde vermutlich im Weltall entstanden ist, sind die Wissenschaftler sehr daran interessiert, zu verstehen, wie dieser Prozess ablief.

Forscher nehmen an, dass sich Wasserstoffperoxid im Universum auf den Oberflächen von kosmischen Staubkörnern bildet, wenn atomarer Wasserstoff (H) zu Sauerstoffmolekülen (O2) hinzugefügt wird. Eine weitere chemische Reaktion des Wasserstoffperoxids mit Wasserstoff kann dann zur Entstehung von Wasser führen (H2O).

"Wir wissen im Moment noch nicht, wie einige der wichtigsten Molekülarten hier auf der Erde im Weltraum gebildet werden", sagt Bérengère Parise, die Leiterin der Emmy-Noether-Forschungsgruppe zur Sternentstehung und Astrochemie am Bonner "Max-Planck-Institut für Radioastronomie"."Aber unsere Entdeckung von Wasserstoffperoxid dürfte belegen, dass kosmischer Staub die bisher fehlende Zutat in diesem Prozess darstellt."

Die Ausarbeitung, wie genau die Prozesse zur Entstehung dieser wichtigen Moleküle miteinander in Verbindung gebracht werden können, erfordert nun weitere Beobachtungen von Rho Ophiuchi und anderen Sternentstehungsgebieten mit zukünftigen Teleskopen wie etwa "ALMA" (Atacama Large Millimetre Array), das zurzeit ebenfalls auf der Chajnantorebene gebaut wird – und die Unterstützung durch Chemiker in irdischen Laboratorien.


Quellen: mpg.de / grenzwissenschaft-aktuell.de
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