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Donnerstag, 4. August 2011

Kollision mit zweitem Mond könnte gebirgige Rückseite des Mondes erklären

Vier Phasen des Einschlags des nach den Berechnungen der Forscher einst vorhandenen kleinen Mondes mit dem heutigen Erdmond. Diese könnte die unterschiedlichen Hemisphären des Erdtrabanten erklären. | Copyright: M. Jutzi und E. Asphaug, Nature

Santa Cruz/ USA - Warum sich die von der Erde abgewandte "Rückseite" des Mondes mit ihren schroffen Gebirgszügen derart von der eher von flachen Ebenen dominierten, der Erde zugewandten Seite des Mondes unterscheidet, war jahrzehntelang ein Rätsel. Mit einem neuen Computermodell glauben US-amerikanische und Schweizer Wissenschaftler nun eine Antwort gefunden zu haben: Unser Mond könnte einst mit einem ehemals zweiten Mond zusammengestoßen sein.

Im Fachmagazin "Nature" haben Professor Erik Asphaug von der "University of California Santa Cruz" und Dr. Martin Jutzi von der "Universität Bern" die Ergebnisse ihrer Simulation vorgestellt, die auf den bisherigen Modellen der Entstehung des Erdmondes vor rund 4,53 Milliarden Jahren durch eine Kollision der noch jungen Erde mit einem etwa marsgroßen Himmelskörper basiert (...wir berichteten).

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die ins All geschleuderten Trümmer dieses gewaltigen Zusammenstoßes auf der heutigen Umlaufbahn des Mondes nicht nur einen, sondern zwei Trabanten formten, welche die Erde lange Zeit gemeinsam umkreisten und später dann der kleinere der beiden Monde auf den heutigen Mond stürzte. Die Trümmer dieser Kollision wiederum, so die Forscher hätten dann die kilometerdicke und gebirgige Landschaft auf der "dunklen Seite" und dortige Kruste des Mondes geformt.

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Der zweite Mond habe wahrscheinlich einen Durchmesser gehabt, der etwa einem Drittel des Mondes entsprochen habe so die Forscher. Insgesamt 70 Millionen Jahre nach der Entstehung der beiden Trabanten, während derer der kleine Mond seinen großen Bruder auf einem der sogenannten trojanischen Punkten (60 Grad vor und hinter dem Mond) begleitet hatte, wurde das System jedoch instabil und die Monde gingen auf Kollisionskurs zueinander. Dieser Zusammenstoß sei mit rund zwei bis drei Kilometern pro Sekunde jedoch aufgrund des gemeinsamen Orbits relativ langsam vor sich gegangen.

Bei einer Aufschlagsgeschwindigkeit von 2,4 Kilometern, schwappte im Modell der Forscher der damals auf dem heutigen Erdmond noch vorhandene Magmaozean auf die erdabgewandte Seite über und könnte damit recht gut die dortige gebirgige Landschaft und zugleich dem Umstand erklären, warum die Dicke der Mondkruste der Erdseite deutlich dünner ist als jene auf dessen Rückseite.

Tatsächlich hatten erst kürzlich Wissenschaftler Hinweise auf vergleichsweise jungen Vulkanismus auf der von der Erde abgewandte Hemisphäre des Mondes entdeckt und vermutet, dass hier noch vor 800 Millionen Jahren flüssige Lava ausgetreten war.

Bestätigt werden könnte das Modell von Asphaug und Jutzi schon bald von den noch für dieses Jahr angesetzten beiden Mond-Satelliten der "Grail"-Mission ("Gravity Recovery and Interior Laboratory") der NASA, die hochauflösende Gravitationsfeldmessungen der Kruste und des Mantels des Mondes anfertigen sollen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / ucsc.edu / nasa.gov

Zweiter Kornkreis in Deutschland entdeckt

Luftbild: Kornkreisformation bei Gilching | Copyright: Klaus Leidorf Luftbilddokumentation, leidorf.de

Gilching/ Deutschland - Am 2. August 2011 wurde in einem Feld bei Gilching, ganz in der Nähe des Flugplatz Oberpfaffenhofen, in Bayern ein neues Kornkreismuster entdeckt. Nachdem Forscher und Kornkreisfeunde bislang vergeblich auch Kornkreise auch in Deutschland gewartet hatten handelt es sich bei der nun entdeckten Formation schon um den zweiten deutschen Kornkreis der Saison 2011.

Das Muster selbst zeigt einen zentralen Kreis mit einem großen Außenring. Auf diesem Ring wiederum platziert sind auf den Ziffernblattpositionen (relativ zur Ausrichtung des vorliegenden Luftbildes, s. Abb. o.) 11 und 7 jeweils ein kleinerer Kreis, auf Position 3 eine ins Zentrum weisende Tropfenform und auf Position 9 ein größer Kreis mit zwei linear und ebenfalls aufs Zentrum der Formation ausgerichteten kleineren Kreisen (möglicherweise verbinden hier aber auch kleine Pfade die drei Kreise zu einer Dreierhantel). Zudem ist der Mittelkreis mit den beiden kleineren Kreisen auf den Positionen 11 und 7 durch dünne gerade Linien verbunden, welche wiederum selbst durch ein ebenso dünnes Ringsegment zwischen Zentralkreis und Außenring verbunden sind. Der Gesamtdurchmesser beträgt schätzungsweise 50 bis 60 Meter.

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Panorama: Kornkreis bei Gilching, im Hintergrund der Flugplatz Oberpfaffenhofen | Copyright: Klaus Leidorf Luftbilddokumentation, leidorf.de

Bislang liegen nur die hier gezeigten Luftbilder des Kornkreises vor. Eine Beurteilung des Musters und der Qualitäten am Boden fand also noch nicht statt. Wie schon der Kornkreis von Oberschleißheim (...wir berichteten), so dürfte auch dieses Feld kurz vor der Ernte stehen.

Grafische Rekonstruktion der Kornkreisformation nahe Gilching | Copyright: Andreas Müller, kornkreise-forschung.de

Das Kreismuster befindet sich somit ganz on der Nähe zu Forschungseinrichtungen des "Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt" (DLR) und des Hauptkontrollzentrum des europäischen Satellitennavigationssystems "Galileo" der ESA.

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Erster deutscher Kornkreis für 2011 in Bayern entdeckt
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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / kornkreise-forschung.de / leidorf.de

Astronomen entdecken 96 bislang hinter kosmischem Staub verborgenen Sternenhaufen

Familienfoto der bislang unbekannten Sternenhaufen (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen) | Coypright: ESO/J. Borissova

Garching/ Deutschland - Ein internationales Astronomenteam hat mithilfe von Daten des Infrarot-Durchmusterungsteleskops VISTA am Paranal-Observatorium der ESO 96 neue offene Sternhaufen in unserer Milchstraße entdeckt, die von dichtem Staub verborgen werden. Früheren Studien waren diese kleinen und lichtschwachen Objekte noch entgangen. Die empfindlichen Infrarotdetektoren des weltgrößten Durchmusterungsteleskops, die durch Staub hindurch sehen können, konnten sie dagegen aufspüren. Noch nie zuvor war die Entdeckung so vieler lichtschwacher, kleiner Sternhaufen auf einen Schlag gelungen.

- Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Pressemitteilung der Europäischen Südtsernwarte, ESO.org

Die Entdeckung der Sternhaufen wurde genau ein Jahr nach Beginn des Beobachtungsprogramms “VISTA Variables in the Via Lactea" (VVV), zu Deutsch etwa “VISTA-Beobachtungen von Veränderlichen in der Milchstraße“) bekannt gegeben, einer der sechs großen Durchmusterungen, die mit dem neuen Teleskop durchgeführt werden. Demnächst wird in der Fachzeitschrift "Astronomy & Astrophysics" ein Artikel über die Entdeckung erscheinen.

“VISTA und der VVV sind hervorragend dazu geeignet, Sternhaufen zu finden, insbesondere diejenigen, die sich in den staubreichen Sternentstehungsgebiete in der Milchstraßenebene verbergen. Der VVV dringt dabei tiefer in diese Himmelsregionen vor als andere Durchmusterungen”, erklärt Jura Borissova, die Erstautorin des Fachartikels.

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Der Großteil der Sterne, die mehr als eine halbe Sonnenmasse besitzen, entstehen in größeren Gruppen, so genannten offenen Sternhaufen. Solche Sternhaufen sind die Bausteine von Galaxien wie unserer Milchstraße und lebensnotwendig für die Entstehung und Entwicklung solcher Sternsysteme. Allerdings bilden sich Sternhaufen nur in sehr staubreichen Gegenden des Alls, und das erschwert ihre Beobachtung: Solche Staubregionen zerstreuen und verschlucken das Licht, das die jungen Sterne in ihrem Inneren aussenden. Diese Sterne sind daher unsichtbar für die meisten Himmelsdurchmusterungen – nicht aber für das VISTA-Teleskop mit seinen 4,1 Metern Durchmesser, das im Bereich des infraroten Lichts arbeitet.

“Um den allerjüngsten Sternhaufen auf die Spur zu kommen, haben wir unsere Suche auf bekannte Sternentstehungsregionen konzentriert. Tatsächlich haben die hochempfindlichen Infrarotdetektoren von VISTA genau dort viele bis dahin unbekannte Objekte in Bereichen nachweisen können, die bei früheren Himmelsdurchmusterungen im sichtbaren Licht leer zu sein schienen”, ergänzt Dante Minniti, der Leiter des VVV-Programms.

Mithilfe von sorgfältig optimierter Software gelang es dem Team, die Vordergrundsterne in den Bildern zu eliminieren, die nicht Teil des Sternhaufens sind sondern nur zufällig von der Erde aus vor dem Haufen stehen. So konnten die Wissenschaftler anschließend die echten Haufenmitglieder zählen. Dann ermittelten die Astronomen anhand der Aufnahmen den Durchmesser der Sternhaufen sowie, bei den Haufen mit ausreichend großer Mitgliederzahl, die Entfernung, das Alter und die Rötung des Sternlichts durch den interstellaren Staub zwischen ihnen und uns.

“Wir haben herausgefunden, dass die meisten dieser Sternhaufen sehr klein sind und aus gerade einmal zehn bis zwanzig Sternen bestehen. Verglichen mit typischen offenen Sternhaufen sind sie sehr lichtschwach und stark konzentriert. Der Staub verdunkelt ihr Licht um einen Faktor 10.000 bis 100 Millionen. Kein Wunder, dass man sie bisher nicht entdeckt hat”, erläutert Radostin Kurtev, ein weiteres Mitglied des Teams.

Bislang sind in der Milchstraße gerade einmal 2500 offene Sternhaufen identifiziert. Die Astronomen schätzen, dass sich hinter Staub und Gas bis zu 30.000 weitere Haufen verbergen. Während sich helle und große offene Sternhaufen leicht auffinden lassen, hat man nun erstmals eine ganze Reihe von lichtschwachen, kleinen Haufen auf einen Schlag entdecken können. Und doch dürften diese 96 Neuentdeckungen nur die Spitze des Eisberges sein: “Wir haben soeben begonnen mit einer noch ausgeklügelteren automatischen Software nach weniger konzentrierten, älteren Sternhaufen zu suchen. Ich bin zuversichtlich, dass wir bald fündig werden und dass noch viele weitere Haufen hinzukommen”, schließt Borissova.


Quellen: eso.org / grenzwissenschaft-aktuell.de
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