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Freitag, 26. August 2011

Großteil der weltweiten Organismen noch immer unentdeckt

Lediglich 14 Prozent der auf der Erde lebenden Organismen wurden bislang überhaupt entdeckt und wissenschaftlich beschrieben. | Copyright: Census of Marine Life

Washington/ USA - Wissenschaftler des internationalen Projekts zur Erfassung der Organismen auf der Erde, dem "Census of Marine Life", haben die bislang wohl genauesten Schätzung der Anzahl der auf der Erde lebenden Arten veröffentlicht. Aus der Volkszählung im Tier- und Pflanzenreich geht hervor, dass die überwältigende Mehrheit der auf der Erde lebenden Tiere der Wissenschaft noch völlig unbekannt ist.

Bislang schwankten die Schätzungen von Wissenschaftlern zwischen drei und 100 Millionen Arten. Mit einer neuen Methode der Stammbaumanalyse kommen die Forscher des "Census of Marine Life" nun zu der Ansicht, dass (bei einer möglichen Fehlerquote von 1,3 Millionen) insgesamt rund 8,7 Millionen Arten von Organismen die Erde bevölkern - 6,5 Millionen an Land und 2,2 Millionen in den Ozeanen.

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Wie die Forscher um Camilo Mora von der "University of Hawaii" aktuell im Fachmagazin "PLoS Biology" berichten, gehen sie davon aus, dass die erstaunliche Anzahl von 86 Prozent der an Land lebenden Organismen und ganze 91 Prozent der Meeresbewohner noch immer nicht entdeckt und nicht wissenschaftlich beschrieben wurden. Insgesamt entspricht dies dem Verhältnis von 86 zu 14 Prozent (s. Abb.).

Zugleich warnen die Forscher aber auch: "Viele Arten könnten bereits verschwinden und verschwunden sein, bevor wir überhaupt von ihrer Existenz und von ihren einzigartigen Nischen und Funktionen im Ökosystem erfahren", so Mora.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / comlsecretariat.org

Ferner Stern wurde zu Diamantplanet

Der Millisekundenpulsar "PSR J1719-1438" mit einer 5,7 ms Pulsperiode im Zentrum sowie die Umlaufbahn seines Planeten im Vergleich zur Größe der Sonne (gelb markiert). | Copyright: Matthew Bailes

Bonn/ Deutschland - Ein internationales Astronomen-Team hat mittels Radiobeobachtungen etwa 4000 Lichtjahre von der Erde entfernt in Richtung des Sternbilds Serpens (Schlange) in der Ebene unserer Milchstraße einen Stern entdeckt, der sich in einen Planeten aus Diamant verwandelt. Zudem umkreist der Diamantplanet einen ungewöhnlichen Stern mit extrem hoher Dichte, einen Pulsar.

Bei Pulsaren handelt es sich um das extreme Endstadium der Sternentwicklung. Die schnell rotierenden Neutronensterne von der Größe einer Stadt wie Köln senden einen stark gebündelten Strahl von Radiowellen aus. Streicht dieser Strahl aufgrund der Rotation des Sterns – ähnlich dem Lichtkegel eines Leuchtturms – über die Erde, fangen Radioteleskope ein regelmäßig wiederkehrendes Signal auf.

Bei dem neu entdeckten Pulsar mit der Bezeichnung "PSR J1719-1438" fanden die Astronomen aus Australien, Italien, Großbritannien, den USA und Deutschland, darunter Michael Kramer vom Bonner "Max-Planck-Institut für Radioastronomie" (MPIFR) eine regelmäßige Modulation in den Ankunftszeiten der Signale. Verursacht wird diese "Störung" offenbar durch die Gravitation eines massearmen Begleiters. "Die Art der Modulation verriet den Forschern einiges über den kleinen Himmelskörper", erläutert die Pressemitteilung des MPIFR. "Mit einem Durchmesser von nur 60000 Kilometern ist er etwa halb so groß wie Jupiter. Er umkreist den Pulsar in gerade mal zwei Stunden und zehn Minuten in einem Abstand von 600000 Kilometern – das ist nur wenig mehr als der Radius unserer Sonne. Damit läuft der Planet so nah um den Pulsar, dass ihn die Schwerkraft eigentlich auseinanderreißen müsste."

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Die Dichte des Planeten ist mindestens so hoch wie die von Platin und verrät den Forschern viel über seinen Ursprung. Die Wissenschaftler glauben, dass der Begleitplanet der winzige Kern eines einst massereichen Sterns ist, der nur knapp der Zerstörung, da seine übrige Materie einst von dem Pulsar aufgesogen wurde.

"J1719-1438 gehört zu einer extrem schnell rotierenden Sorte von Neutronensternen, Millisekundenpulsare genannt. Er dreht sich mehr als 10000-mal pro Sekunde um die eigene Achse, hat die 1,4-fache Masse der Sonne, aber einen Radius von nur rund 20 Kilometern. Ungefähr 70 Prozent der Pulsare besitzen Partner unterschiedlicher Art. Die Astronomen nehmen an, dass es diese Begleiter sind, die noch als Stern einen alten, langsam rotierenden Pulsar durch den Transfer von Masse auf eine sehr hohe Umlaufgeschwindigkeit beschleunigen. Das Resultat ist ein schnell rotierender Millisekundenpulsar mit einem in der Masse geschrumpften Begleiter – häufig einem Weißen Zwerg."

Im Falle von "PSR J1719-1438" dreht sich das ungleiche Paar derart dicht umeinander, dass es sich bei dem Begleiter nur um einen sehr stark massereduzierten Weißen Zwerg handeln kann, der seine gesamten äußeren Schichten und mehr als 99,9 Prozent der ursprünglichen Masse verloren hat. Der Rest dürfte überwiegend aus Kohlenstoff und Sauerstoff bestehen, da sich mit leichteren Elementen wie Wasserstoff und Helium die aus den Beobachtungen gewonnenen Daten nicht erklären lassen. Die abgeleitete Dichte lässt darauf schließen, dass das Material mit Sicherheit in einem kristallinen Zustand vorliegt; ein großer Teil des Sterns könnte daher ähnlich wie ein Diamant aufgebaut sein.

"Das endgültige Schicksal dieses Doppelsterns hängt von Masse und Umlaufperiode des Gebersterns zur Zeit des Massentransfers ab. Das seltene Auftreten von Millisekundenpulsaren mit Begleitern von Planetenmasse bedeutet, dass die Entstehung solcher exotischen Planeten eher die Ausnahme als die Regel darstellt und das Zusammentreffen von speziellen Bedingungen erforderlich macht“, erläutert Benjamin Stappers von der Universität Manchester.

Das Projekt ist Teil einer systematischen Suche nach Pulsaren am gesamten Firmament, an der sich das 100-Meter-Radioteleskop Effelsberg des "Max-Planck-Instituts für Radioastronomie" mit Messungen in der nördlichen Hemisphäre beteiligt. "Wir haben hier die bisher größte und empfindlichste Kartierung von Pulsaren am ganzen Himmel", sagt Michael Kramer, Direktor am Bonner Max-Planck-Institut. "Wir erwarten eine Reihe von aufregenden neuen Ergebnissen mit diesem Programm. Es ist schön zu sehen, dass dies bereits losgeht und es wird noch mehr kommen. Denn es gibt noch eine ganze Menge, was wir über Pulsare und fundamentale Physik in den kommenden Jahren herausfinden wollen."

Bücher zum Thema:

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Quellen: mpifr-bonn.mpg.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

Washingtoner Zoo veröffentlicht Bericht über das Verhalten der Zootiere vor dem Erdbeben

Die Gorilla-Dame Mandara mit ihrem Jungen Kibibi. | Copyright: Smithsonian National Zoological Park, nationalzoo.si.edu

Washington/ USA - Dass Tiere Erdbeben im Voraus wahrnehmen können und entsprechend ungewöhnlich reagieren, ist mittlerweile nicht nur Inhalt zahlreicher anekdotenhafter Beobachtungen von betroffenen Anwohnern sondern auch wissenschaftlich belegt (...wir berichteten, s. Links). Nach dem ungewöhnlichen Erdbeben, das am 23. August 2011 mit einer Stärke von 5.8 die Ostküste der USA erschütterte, hat der "Smithsonian National Zoological Park" in Washington einen Bericht über das in einigen Fällen von den Wärtern beobachtete Verhalten der Zootiere vor und während des Erdbebens veröffentlicht.

Neben dem Hinweis darauf, dass die eigentlichen Erschütterungen des Bebens auch im Zoo und von den Tieren bemerkt wurden, erläutert die Pressemitteilung des Zoos, dass die Tierpfleger und Verantwortlichen deutliche Veränderungen im Verhalten der Tiere festgestellt hatten und fassen diese wie folgt zusammen:

Großaffen
- Das Erdbeben traf das Affenhaus und die "Think Tank Exhibition während der mittäglichen Fütterung. Etwa fünf bis zehn Sekunden vor dem Beben, ließen viele der Affen (darunter der Orang-Utan Kyle und der Tieflandgorilla Kojo) ihr Futter liegen und kletterten bis in die Spitzen der baumartigen Strukturen im Gehege.

- Etwa drei Sekunden vor dem Beben, gab das Gorillaweibchen Mandara ein Kreischen von sich, schnappte sich ihr Baby Kibibi (s. Abb.) und begab sich dann ebenfalls auf die Baumstrukturen.

- Die Orang-Utan-Dame Iris begann kurz vor bis nach dem Erdbeben rülpsartige Laute von sich, die sie normalerweise nur im Zustand extremer Irritation abgibt.

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Kleine Säugetiere
- Die Roten Varis (eine auf Madagaskar lebende Primatenart aus der Gruppe der Lemuren) gaben 15 Minuten vor dem Beben ihre charakteristischen Alarmrufe von wiederholten dies dann wieder, nachdem das Erbeben vorbei war.

- Brüllaffen gaben unmittelbar nach dem Erdbeben ihre Alarmrufe von sich.

- Die Rotschulter-Rüsselhündchen (Rhynchocyon petersi) haben sich trotz der gewohnten Fütterungszeit gegen Mittag geweigert, ihre Behausungen zu verlassen.

Reptilien im "Reptile Discovery Center"
- Während des Bebens fingen alle Schlangen (darunter Kupferkopfschlangen, Wassermokassinotter, falsche Wasserkobras, usw.) an, sich zu winden. Normalerweise bleiben diese Schlangen während des Tages inaktiv.

- Murphy, der Komodowaran, blieb den ganzen Tag in seinem Unterschlupf.

Wirbellose
- Einer unserer freiwilligen Helfer im Ausstellungsbereich der Wirbellosen war gerade bei der Fütterung des Sepias und bemerkte, dass dieser in keinster Weise reagierte. Das Wasser im Tank ist normalerweise sehr ruhig, aber das Beben versetzte auch diesen in Bewegung und das Wasser in Wellen, was das Tier während der Fütterung verstörte.

Biber
- Als sich das Erdbeben ereignete, waren die Tierwärter gerade bei der Fütterung der Biber und Kappensänger-Enten. Als unmittelbare Reaktion auf das Beben hüpften die Enten direkt in den Pool. Die Biber stoppten abrupt ihre Nahrungsaufnahme, stellten sich auf ihre Hinterbeine und schauten sich um - erst dann gingen auch sie ins Wasser. Biber und Enten blieben sodann im Wasser und innerhalb einer Stunde nach dem Beben kehrten einige Biber wieder zum Fressen ans Land zurück.

Großkatzen
- Während des Bebens war das Löwenrudel im Außengehege. Alle Tiere standen während des Bebens vollkommen still und blicken in Richtung des wackelnden Gebäudes. Nach einigen Minuten legten sich alle Tiere dann wieder ab.

- Damai, der weibliche Sumatratiger, sprang zu Beginn des Bebens in aufgeregter Weise hin und her. Nach dem Beben normalisierte sich ihr Verhalten wieder.

Vogelhaus
- Der Zoo verfügt über einen Schwarm von 64 Flamingos. Kurz vor dem Beben, gerieten die Vögel ersichtlich in Hetze, fanden sich in einer Gruppe zusammen und behielten diese Position auch während des Bebens bei.

Huftiere
- Während des Bebens rannten die Hirsche aus den Ställen und zeigten sich deutlich erregt.

- Die Przewalski-Pferde und Säbelantilopen schienen indes kaum etwas zu bemerken, auch wenn jene Tiere, die sich während des Bebens im Innern aufhielten, langsam ins Freie getrottet kamen.

- Erst unmittelbar nach dem Beben begannen die weiblichen Hirsche mit ihrem staccatoartigen bellenden Alarmruf, nachdem sie von ihrem Wärter gerufen wurden und sich alle für kurze Zeit in einer Ecke der Weide versammelt hatten.

Riesenpandas
Laut den Wärtern, zeigt die berühmten Riesenpandas des Zoos keine auffällige Reaktion auf das Erdbeben.

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Bücher zum Thema:

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Quellen: nationalzoo.si.edu / grenzwissenschaft-aktuell.de

Chinesisches Erdmuster war offenbar ein Werbegag

Luftbild des Erdzeichens als Teil der chinesischen BMW-Werbekampagne. | Copyright/Quelle: bmw.com.cn

Peking/ China - Ein vergangenen Woche entdecktes, bzw. bekannt gewordenes Muster in einem Trockensee in der chinesischen Provinz Qinghai (...wir berichteten) ist offensichtlich das Ergebnis einer Werbekampagne für BMW. Zumindest geht dies aus einem Werbefilm des Autoherstellers hervor. Wie das gewaltige Muster jedoch angelegt wurde, und ob es in dieser Form überhaupt existiert oder nicht auch das Ergebnis von Computersimulationen ist, bleibt weiterhin offen.

Der Werbefilm selbst scheint an der Herkunft des Zeichens und Sinn des Zeichens keinen Zweifel zu lassen. Doch schon anhand der ersten Aufnahmen zeigten sich viele Beobachter skeptisch und vermuteten, dass es sich bei dem Muster selbst um eine aufwendige Computersimulation (CGI) gehandelt haben könnte, das "Erdzeichen" in der gezeigten Form also nie existiert hatte.

Der chinesische BMW-Werbefilm

Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten


Ganz gleich, wie und ob das Muster tatsächlich in den trockenen Boden gepresst wurde, die Autos selbst - so wie es der Werbefilm zu suggerieren scheint - sind nicht die Verursacher, denn wie dies ebenfalls aus den Werbeaufnahmen hervorgeht, wirbeln diese gerade einmal Staub auf und kratzen an der Oberfläche, aber hinterlassen nicht jene zentimetertief in den Boden gedrückten Linien, wie sie zumindest die Bodenaufnahmen (...wir berichteten) nahe legen.

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"Wie so oft bei solchen Filmen und Aktionen wird wohl nie genau bekannt werden, was gestellt und was real vorhanden war - gerade angesichts der weit entfernten und angelegenen Örtlichkeit. Mit Kornkreisen und ähnlichen Phänomenen, scheint das Muster aber nur bedingt etwas zu tun zu haben", kommentiert der deutsche Kornkreisforscher Andreas Müller den Fall.

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Gewaltiges Erdzeichen in chinesischem Trockensee entdeckt

19. August 2011

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