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Mittwoch, 28. September 2011

Statistische Studie: Mindestens 1 Milliarde lebensfreundliche Planeten alleine um sonnenähnliche Sterne

Künstlerische Interpretation eines vom Weltraumteleskop Kepler entdeckten Planetensystems mit erdähnlichen Planeten. | Copyright: NASA/Tim Pyle

Pasadena/ USA - Anhand der bisherigen Daten der Beobachtungen mit dem NASA-Weltraumteleskop "Kepler" haben US-Astronomen die Wahrscheinlichkeit erdähnlicher Planeten um sonnenähnliche Sterne neu berechnet und kommen zu dem Schluss, dass rund ein Drittel derartiger Sterne erdähnliche Planeten innerhalb der "habitablen Zone" beherbergen.

Erst im vergangenen Frühjahr offenbarte eine erste Auswertung der ersten 136 Beobachtungstage mit dem Weltraumteleskop "Kepler" anhand der Beobachtungen von rund 150.000 Sternen Hinweise auf 1.235 potentielle Exoplaneten.

Eine statistische Auswertung dieser Daten durch Wesley Traub vom "California Institute of Technology", die sich auf sonnenähnliche Sterne konzentriert, Sterne also der Spektralklassen F, G und/oder K, kommt zu dem Schluss, dass mittelgroße Planeten mit einer ebenso hohen Wahrscheinlichkeit um lichtschwache Sterne zu erwarten sind als um helle. Hingegen sei die Wahrscheinlichkeit, mit Kepler kleinere Planeten zu finden deutlich geringer – was jedoch vornehmlich daran liege, dass sie selbst mit dem spezielle für die Suche nach erdgroßen Felsplaneten ausgelegten Teleskop schwerer zu finden sind.

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Für "Kepler" ist es zudem einfacher, Planeten zu entdecken, die ihre Sterne in einem dichten Abstand umkreisen, da dieser Umstand zu stärkeren Veränderungen der Helligkeit des Sternenlichts bei Vorbeiziehen entsprechender Planeten vor der "Sonnenscheibe" ihrer Sterne (Transit) führt, und "Kepler" genau auf die Messung dieser Helligkeitsschwankungen ausgelegt ist.

Für die Frage nach der Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben jedoch von größerem Interesse sind Planeten, die ihre Sterne in einem weiteren Abstand, innerhalb der sogenannten habitablen Zone, umkreisen. Diese "grüne Zone" beschreibt jene Abstandsregion um einen Stern, innerhalb derer sich Planeten befinden müssen, damit aufgrund gemäßigter Oberflächentemperaturen flüssiges Wasser und damit die Grundlage für Leben, wie wir es von der Erde kennen, existieren kann.

Die meisten dieser Planeten sind wahrscheinlich von ihrem Stern zu weit entfernt, als dass die von Kepler eindeutig entdeckt werden könnten, berichtet der "The Physics arXiv Blog" (technologyreview.com/blog/arxiv). Die vorliegenden Daten, so Traub seien jedoch ausreichend, um eine statistische Aussage über die Anzahl solcher Planeten machen zu können.

In seiner vorab auf "arxiv.org" veröffentlichten Studie kommt Traub zu dem Schluss, dass rund ein Drittel aller F, G und K-Sterne mindestens einen erdähnlichen Planeten innerhalb ihrer habitable Zone besitzen.

Die bislang geschätzte Gesamtzahl aller Sterne alleine in unserer Galaxie, der Milchstraße, schätzen Astronomen auf zwischen 100 und 500 Milliarden. Alleine sonnenähnliche Sterne der Spektralklasse G dürften, so schätzen Astronomen weiterhin, rund 1,5 Prozent dieser Masse an Sternen ausmachen. Bei einem Mittel von 200 Milliarden Sternen entspräche dies also 3 Milliarden G-Sterne und somit mindestens rund eine Milliarde erdähnlicher Planeten innerhalb der lebensfreundlichen Zone alleine um diesen Sternentyp.

Schon im Frühjahr präsentierten ihre neue Schätzung von mindestens 2 Milliarden erdähnlicher, lebensfreundlicher Planeten in der Milchstraße (...wir berichteten, s. Links).

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- Die vollständige Studie finden Sie HIER

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arxiv.org / technologyreview.com/blog/arxiv

"Hexengrab" in Italien belegt grausames Ritual

Detailansicht des "Hexen"-Schädels mit durchnageltem Kiefer. | Copyright: Alfonso Forgione, univaq.it

Piombino/ Italien - Auf einem mittelalterlichen Friedhof in der Nähe von Piombino in der Toskana haben Archäologen ein 800 Jahre altes Skelett einer Frau entdeckt, die zu Lebzeiten offenbar als Hexe galt und bei ihrer Beerdigung einem grausamen Ritual unterzogen wurde, als ihr unter anderem sieben große Nägel durch den Kiefer getrieben wurden. Auch ein weiteres weibliches Skelett deutet daraufhin, dass es sich hier um die Gebeine von "Hexen" handelt.

Bei ihrer Suche nach den Gebeinen des Heiligen San Cerbone entdeckten die Archäologen um Alfonso Forgione von der "Università degli Studi dell'Aquila" zunächst ein weibliches Skelett, das von 17 Spielwürfeln umgeben war - Utensilien eines Spiels also, das vor 800 Jahren Frauen verboten war. Im Kiefer des zweiten Skeletts steckten sieben große Nägel und mit 13 weiteren Nägel war der Körper wahrscheinlich über die Kleider an/in den Erdboden genagelt worden.

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Gesamtansicht des genagelten Hexenskeletts. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) | Copyright: Alfonso Forgione, univaq.it

Die Forscher, so berichtetet die "Daily Mail", vermuten, dass die beiden Frauen zwischen 25 und 30 Jahre alt waren. Beigesetzt wurden die Skelette in einem einfachen Grab ohne Sarg und Leichentuch. Alle Indizien, so Forgione, deuten also daraufhin, dass es sich bei den beiden Skeletten um die von Frauen handelt, die zu Lebzeiten als Hexen galten.

"Es ist eine sehr ungewöhnliche Entdeckung, zugleich aber auch sehr faszinierend. Ich habe zuvor noch nie etwas ähnliches gesehen", so der Archäologe. "Mit den Nägeln wollte man offenbar verhindern, dass die 'Hexe' von den Toten aufersteht und die Anwohner des Dorfes durch dieses Ritual beruhigen. Auch die 17 dem zweiten Leichnam beigefügten Würfel sprechen für eine solche Deutung. 17 gilt in Italien als Unglückszahl und das Würfelspiel war damals Frauen verboten." Wahrscheinlich habe es sich um eine Art Exorzismus-Ritual gehandelt, vermutet Forgione und will mit weiteren Untersuchungen der Skelette herausfinden, woran die Frauen genau verstorben waren.

Warum die Frauen jedoch - obwohl sie offenbar als bösartige Hexen galten – dennoch auf einem Kirchenfriedhof beigesetzt worden waren, glauben die Archäologen indes beantworten zu können: "Die einzige mögliche Erklärung ist jene, dass die Frauen offenbar einflussreichen Familien entstammten und gehörten nicht der ärmlichen Klasse angehörten, wodurch ihnen dennoch eine Beisetzung in 'heiliger Erde' zuteil wurde."

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Bücher zum Thema:

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / dailymail.co.uk / univaq.it

ROSAT-Absturz Ende Oktober: Weiterer Satellit wird Wiedereintritt teilweise überstehen

Künstlerische Darstellung des deutschen Röntgenobservatoriums "ROSAT". | Copyright/Quelle: DLR/NASA

Köln/ Deutschland - Nachdem am vergangenen Wochenende der NASA-Satellit "UARS" unkontrolliert zur Erde und wahrscheinlich vor der Westküste Nordamerikas in den Pazifik stürzte (...wir berichteten), steht der Erde schon Ende Oktober ein weiterer unkontrollierter Wiedereintritt eines Satelliten außer Diensten bevor. Gezielt nennen die Missionswissenschaftler auch deutsches Territorium als mögliche Einschlagsregion der den Wiedereintritt überstehenden Trümmer.

Das Röntgenobservatorium "ROSAT" (Röntgensatellit) gilt mit seiner Masse von 2.426 Kilogramm als der bislang schwerste deutsche Satellit und sollte ursprünglich vom Space Shuttle wieder zur Erde zurücktransportiert werden. Mit ihm durchmusterten Wissenschaftler den Himmel im Röntgenbereich, wobei 125.000 neue Röntgenquellen und 479 EUV-Quellen entdeckt wurden. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sind in weltweit über 7000 Publikationen niedergelegt, die etwa 100.000 Mal zitiert wurden.

Zu den wichtigsten Entdeckungen der ROSAT-Mission gehören die Auflösung der kosmischen Röntgenhintergrundstrahlung in die Emission von Quasaren und anderen aktive Galaxien, die Entdeckung von Neutronensternen, die ausschließlich thermisch strahlen, die Röntgenstrahlung des Kometen Hyakutake 1996 sowie Dutzende neuer Supernovaüberreste. Auch konnte eine Röntgenquelle an der Stelle der Supernova 1987A in der Großen Magellanschen Wolke gefunden werden. Ebenfalls im Blickfeld des sehr erfolgreichen Weltraumobservatoriums standen Galaxienhaufen, Röntgendoppelsterne und Schwarze Löcher. ROSATs zeitliche Auflösung ermöglichte selbst die zeitliche Trennung des Crab-Pulsars (Blinkdauer 0,033s). ROSAT entdeckte auch, dass der Mond Röntgenstrahlung der Sonne reflektiert.

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Zu Beginn seiner Mission, so berichtet das "Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt" (DLR, dlr.de), "kreiste der Röntgensatellit ROSAT auf einer elliptischen Umlaufbahn in 585 bis 565 Kilometern Entfernung zur Erdoberfläche. Seitdem verlor der Satellit durch die Reibung an der Erdatmosphäre an Höhe. Anfang September 2011 betrug der Abstand zur Erde nur noch etwa 290 Kilometer. Da ROSAT kein Triebwerk an Bord hat, konnte der Satellit am Ende seiner Mission im Jahr 1999 nicht gezielt zum Absturz gebracht werden."

Beim Wiedereintritt des Raumfahrzeugs in die Atmosphäre den die DLR-Wissenschaftler für Ende Oktober vorhersagen, wird der Satellit bei einer Geschwindigkeit von etwa 28.000 Kilometern pro Stunde "in Trümmerstücke zerbrechen und zum Teil durch die extreme Hitze verglühen. Nach letzten Untersuchungen muss aber damit gerechnet werden, dass bis zu 30 einzelne Trümmerteile mit einer Gesamtmasse von 1,6 Tonnen die Erdoberfläche erreichen könnten. Den größten Anteil wird dabei vermutlich der Spiegel des Teleskops ausmachen, der sehr hitzebeständig ist."

Wie schon im Falle des NASA-Satelliten "UARS" lässt sich auch der exakte Zeitpunkt sowie der Ort des Wiedereintritts nicht vorhersagen: "Zurzeit kann der Termin nur mit einem Spielraum von plus/minus zehn Tagen berechnet werden. Je näher der Termin rückt, desto besser kann das Zeitfenster des Wiedereintritts kalkuliert werden. Allerdings beträgt die Unsicherheit einen Tag vor dem Wiedereintritt immer noch plus/minus fünf Stunden. Weil die Bahn des Satelliten zwischen dem 53. nördlichen und südlichen Breitengrads verläuft, kann auch Deutschland von dem Wiedereintritt betroffen sein."

Die Wahrscheinlichkeit, dass ROSAT beim Wiedereintritt deutsches Territorium trifft, liege etwa in einer Größenordnung von 1:580. "Die Gefahr, dass jemand in Deutschland zu Schaden kommt, liegt etwa bei 1:700.000. Der größte Teil der Trümmer wird in der Nähe der Bodenspur des Satelliten abstürzen. Einzelne Trümmer können aber auch in einem 80 Kilometer breiten Korridor um die Bodenspur niedergehen."

Als Ursache für den großen Fehlerbereich bei der Bestimmung des Wiedereintrittstermins nennen die Forscher in erster Linie Schwankungen in der Sonnenaktivität. Durch die Sonnenstrahlung wird die Erdatmosphäre aufgeheizt und verstärkt so die Reibung des Satelliten an den Luftmolekülen.

Während der Wiedereintrittsphase des Satelliten werten deutsche Wissenschaftler Daten des amerikanischen Weltraumüberwachungssystems (Space Surveillance Network, SSN) aus. Zusätzlich verfolgt die Großradaranlage TIRA (Tracking and Imaging Radar) des "Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik" in Wachtberg bei Bonn den Abstieg des Röntgensatelliten, um die Berechnungen des Wiedereintritts zu verbessern. Die gesammelten Messwerte analysieren Experten, die im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) daran arbeiten, den Zeitpunkt des Wiedereintritts möglichst genau vorherzusagen.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / dlr.de
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