https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Montag, 10. Oktober 2011

Ferne Sternen-Explosionen können der Erde gefährlich werden

Künstlerische Darstellung eines Gammastrahlenausbruchs (Illu.) | Copyright: ESO/A. Roquette

Topeka/ USA - Es sind nicht nur Kometen, Asteroiden und massive Sonnenwinde, die für das Leben auf der Erde eine potentielle Bedrohung aus dem All darstellen, auch ferne Sternenexplosionen, sogenannte Supernovae, stellen ein Risiko dar, wenn gewaltige Ströme aus Röntgen- und sonstiger kosmischer Strahlung Richtung Erde gefeuert werden. Eine neue Studie zeigt nun, dass selbst und gerade extrem kurzlebige interstellare Strahlenereignisse ein großes Risiko für das Leben auf der Erde darstellen.

Bereits zuvor haben unterschiedliche Studien die potentielle Gefährdung durch lang anhaltende Strahlenausbrüche aus dem fernen All belegt, wie sie etwa von einer Supernova ausgelöst werden und - so direkt in Richtung Erde gefeuert - beispielsweise die Ozonschicht der Erde auflösen könnten, wodurch die Oberfläche nicht mehr vor der schädlichen ultravioletten Sonneneinstrahlung geschützt wäre. In geologisch Zeitspannen gedacht, ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses sogar relativ hoch. Für eine Vorhersage solcher Ereignisse ist es also wichtig, die Rate dieser Ereignisse genauer zu kennen und bekannte Ereignisse mit bekannten Massenaussterbe-Ereignissen auf der Erde abzugleichen.

In ihrer auf dem Jahrestreffen der "Geological Society of America" in Minneapolis vorgestellten neuen Untersuchung konnten die Forscher um Brian Thomas von der "Washburn University", nun zeigen, dass eine bestimmte Art von Gammastrahlenausbrüchen (Gamma-ray bursts, GRBs), genauer gesagt kurze Gammastrahlenausbrüche - wahrscheinlich ein deutlich größeres Risiko für die Erde darstellen, als die bislang im Fokus vieler Untersuchungen stehenden langen Gammastrahlenausbrüche.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Basierend auf den Beobachtungen des NASA-Forschungssatelliten "SWIFT", der seit 2004 der Gammablitze in fernen Galaxien detektiert und untersucht, konnte nun das Risiko von kurzlebigen GRBs , die meist weniger als eine Sekunde andauern, neu eingeschätzt werden.

Forscher gehen davon aus, dass diese Ereignisse dann erzeugt werden, wenn zwei Neutronensterne oder Schwarze Löcher miteinander kollidieren. "Die Dauer eines solchen Ausbruchs ist weniger von Bedeutung. Es ist die Menge an Strahlung, die dabei freigesetzt wird", erläutert Thomas. Würde sich ein solcher Ausbruch innerhalb der Milchstraße ereignen, wären die Auswirkungen auf die Erde natürlich wesentlich langfristiger als bei einem vergleichbaren Ausbruch in einer anderen Galaxie.

"In unserer Studie haben wir uns auf die langfristigen Auswirkungen eines solchen Ereignisses konzentriert", so Thomas weiter. "Zunächst würde wahrscheinlich die Ozonschicht aufgelöst werden, wenn die Strahlung Sauerstoff- und Stickstoffatome freischlägt und diese sich zu das Ozon zerstörendem Distickstoffoxid verbinden. Diese langlebigen Moleküle zerstören das Ozon so lange, bis die vom Regen ausgewaschen werden."

Ein solches Ereignis hätte wahrscheinlich verheerende Auswirkungen für viele Lebensformen auf der Erdoberfläche und in den Ozeanen. Besonders betroffen wären wahrscheinlich die Pflanzen an Land wie auch im Wasser und mit ihnen, da sie die Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Tieren darstellen, auch ein Grossteil der Nahrungskette überhaupt.

Bisherige Beobachtungen von GBRs in anderen Galaxien legen die Einschätzung nahe, dass sich entsprechende kurzledige Gammastrahlenausbrüche alle 100 Millionen Jahre ereignen. Sollte dies stimmen, wäre es auch sehr wahrscheinlich, dass auch die Erde bereits von solchen Ereignissen innerhalb der Milchstraße nicht erst einmal getroffen wurde. "Die Frage ist allerdings, ob wir in den fossilen Aufzeichnungen heute noch Hinweise auf solche Ereignisse finden können?", so die Studie.

"Da sich die Galaxie dreht und sich dadurch fortwährend in sich selbst vermischt, ist es eher unwahrscheinlich, astronomische Beweise für entsprechende Ereignisse zu finden", vermutet Thomas. "In den Erdschichten könnten sich allerdings Beweise dafür erhalten haben". Einige Forscher suchen bereits nach dem Isotop Eisen-60, dessen Vorhandensein auf ein entsprechendes Ereignis deuten könnte.

Sollte Eisen-60 Rückschlüsse auf eine Verzahnung von Ereignissen ermöglichen, müsste man entsprechende Funde - zeitlich zugeordnet - mit Aussterbeereignissen verbinden, und könnte dann auch ablesen, welche Arten von den Ereignissen besonders betroffen waren und welche weniger oder gar nicht. "Dies gäbe uns die Möglichkeit die Auswirkungen viel besser einzuschätzen."

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Erklärung für Gammastrahlenausbruch: Gewaltiges Schwarzes Loch verzehrt fernen Stern
20. Juni 2011
Pulsar im Krebsnebel strahlt mit unerwartet hoher Energie
7. Oktober 2011

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / geosociety.org

Exoplaneten schon in alten Hubble-Daten entdeckt

Hubble-Blick durch das "Near Infrared Camera and Multi-Object Spectrometer (NICMOS) auf den Stern "HR 8799" aus dem Jahre 1998 (l.). Das mittlere Bild zeigt die nun bearbeitete Version der Aufnahme, auf der nun drei Planeten ersichtlich werden. | Copyright: NASA; ESA; STScI, R. Soummer

Baltimore/ USA - In eine mühseligen Durchforstung von Aufnahmedaten des Weltraumteleskops "Hubble" aus dem Jahr 1998 haben US-Astronomen Beweise für die Existenz zweier extrasolarer Planeten, also Planeten außerhalb des Sonnensystems (Exoplaneten) gefunden, wie sie den damaligen Astronomen entgangen waren. Wären die beiden Planeten schon damals als solche bekannt gewesen, hätte es sich um den ersten direkten Nachweis von Exoplaneten gehandelt, wie er offiziell erst im Jahre 2004 von Astronomen der Europäischen Südsternwarte "ESO" gelang.

Zugleich bieten "solche verborgenen Schätze in den Hubble-Archiven Astronomen eine Zeit-Maschine von unschätzbarem Wert, wenn frühere Umlaufbahndaten den jüngeren Beobachtungen hinzugefügt werden können, um so die Umlaufdaten und weitere Informationen zu präzisieren", so die Forscher.

Mittlerweile sind vier Riesenplaneten bekannt, die den 130 Lichtjahre von der Erde entfernten gigantischen Stern "HR 8799" umkreisen. Die ersten beiden Planeten wurden 2007 und 2008 mit Hilfe des "W.M. Keck Observatory" und des "Gemini North"-Teleskop von Christian Marois und seinem Team vom kanadischen "National Research Council" entdeckt (...wir berichteten, s. Links) und schon 2009 konnte die Position des äußersten Planeten in alten Hubble-Daten entdeckt werden.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Eine neue Analyse dieser Daten durch Remi Soummer vom "Space Telescope Science Institute" hat nun auch die drei weiteren Planeten in den Hubble-Daten von 1998 offenbart und wurde im Fachmagazin "Astrophysical Journal" veröffentlicht.

Aufgrund der extremen Größe der vier Planeten, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie gegenseitig ihre Umlaufbahnen beeinflussen können, weswegen derartige Systeme als extrem instabil gelten. Nun, da die Umlaufdaten dieses Riesenplanetensystems über einen viel längeren Zeitraum bekannt sind, kann das Umlaufverhalten dieses Systems viel besser bewertet werden.

Grafische Darstellung des Planetensystems um "HR 8799" auf der Grundlage neuen Daten (s.Abb.o.) | Copyright: STScI-PRC11-29

Wie sich zeigt, haben die vier Gasriesen Umlaufzeiten von 100, 200 und 400 Jahren. Dies bedeutet aber, dass Astronomen sehr lange warten müssen, bis die Bahnen dieser Planeten anhand mehrerer Positionspunkte ihrer Bewegungen bestimmt werden können. Die neuen Daten ermöglichen den Astronomen nun einen Rückblick auf die Bahnbewegungen um ganze zehn Jahre.

Anhand der neuen alten Daten ist nun ablesbar, dass sich zwar die Position des äußersten Planten kaum verändert hat, dass aber schon der nächstinnere seine Position merklich verändert hat und somit weitere Punkte seiner Umlaufbahn bestimmt werden können. Anhand des dritten Planeten (v.i.n.a.) sind sehr deutliche Bewegung ablesbar.

Die Sichtbarmachung der Planeten anhand der alten Hubble-Daten, auf deren zeitgenössischer Bildumsetzung die Planeten damals noch nicht zu erkennen waren (s. Abb.o.), gelang den Astronomen jetzt durch neue Bildbearbeitungsmethoden, durch die die Überblendung der Planeten durch das Licht ihres Zentralgestirns und Streulichtartefakte reduziert werden konnten. In nächsten Schritten will Soummer nun die alten Hubble-Daten von weiteren 400 Sternen nach darin verborgenen Planeten durchsuchen.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Astronomen entdecken Exoplaneten, den es eigentlich nicht geben sollte
10. Dezember 2010
Astronomen messen erstmals direkt das Lichtspektrum eines Exoplaneten
14. Januar 2010
Erstmals fremdes Planetensystem genau beschrieben

21. August 2009
Erstmals eindeutige Direktaufnahmen von Exoplaneten

13. November 2008

Bücher zum Thema:

- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE