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Montag, 17. Oktober 2011

Astronomen dokumentieren anwachsende aktive Sonnenfleckenregion

Herangewachsener Sonnenfleck Nr. 1319 am 17. Oktober 2011. (Um zu einer Animation der Einzelbilder zu gelangen, klicken Sie bitte HIER) | Copyright/Quelle: NASA/SDO/HMI

Washington/ USA - Nach vielen Monaten mit nahezu keinen Sonnenflecken, nimmt gerade derzeit die Sonnenaktivität augenscheinlich wieder dramatisch zu und scheint die Vorhersagen von Astronomen zu erfüllen, nach denen gen Ende 2012 mit dem besonders starken Höhepunkt des aktuellen Sonnenzyklus zu rechnen ist. Aufnahmen von Sonnenobservatorien haben nun das dramatische Anwachsen einer aktiven Sonnenfleckenregion dokumentiert.

"Die aktive Region 1319 beinhaltet so viele individuelle Sonnenflecken, dass einige Beobachter diese schon mit einem Ameisenschwarm vergleichen", berichtet "Spaceweather.com". "Und dieser Schwarm wächst weiterhin. Während des vergangenen Wochenendes hat sich die Anzahl der Sonnenflecken in dieser Region nahezu verdreifacht.

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Während die Region 1319 weiterhin anwächst, nimmt auch die Komplexität der dortigen magnetischen Felder zu und macht die Region zusehends instabil. Nach einigen kleineren Eruptionen beziffern Sonnenforscher der "National Oceanic and Atmospheric Administration" (NOAA) die Wahrscheinlichkeit, dass die Region innerhalb der kommenden 24 Stunden starke Sonneneruption der oberen mittelschweren Klasse "M" von sich geben wird, mit 40 Prozent.

Ähnlich faszinierende Aufnahmen gelangen mit dem Observatorium u. a. bereits im vergangenen Februar:

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / spaceweather.com / noaa.gov

Zeigen früheste UFO-Fotos einen zerbrechenden Killer-Kometen anno 1883?

Eines der von Josè Bonilla auf einer Nassplatte festgehaltenen Objekte vor der Sonnenscheibe am 12. August 1883. | Copyright/Quelle: Public Domain

Mexico-City/ Mexiko - Schon seit den Kindertagen der Fotografie wurden auch unbekannte Flugobjekte (UFOs) auf Bild festgehalten. Die ersten möglichen UFO-Fotos stammt von dem mexikanischen Astronom José Bonilla, der eigentlich Sonnenflecken dokumentieren wollte und plötzlich eine Vielzahl unbekannter Objekte vor der Sonnenscheibe vorbeifliegen sah und einige davon auf Nassplatten festhalten konnte. Eine neue Studie mexikanischer Astronomen vermutet nun, dass die Aufnahmen einen zerbrochenen Killerkometen zeigen, die damals nur um Haaresbreite die Erde verfehlt hätte.

HINWEIS: In der ursprünglichen Version war die Rede von einer Größe der angenommenen Trümmerteile von 50 bis 800 KILOMETER. Diese angabe musste natürlich auf 50 bis 800 METER korrigiert werden! Wir bitten um Verständnis.


Am 12. August 1883 war der damalige Direktor des Obsevatoriums in Zacatecas eigentlich mit der Beobachtung von Sonnenflecken beschäftigt, als er das Vorbeiziehen zahlreicher dunkler Objekte vor der Sonne bemerkte und mehrere Nassplatten mit Belichtungszeiten von etwa 1/100 Sekunde erstellen konnte.

Während das Foto von vielen UFO-Forschern als früheste Fotografien unidentifizierter Flugobjekte (Unidentified Flying Objects, UFOs) diskutiert wird, sahen UFO-Skeptiker in den Aufnahmen von jeher Momentaufnahmen eines vor der Sonnenscheibe vorbeifliegenden Zugvogelschwarms. Allerdings konnte Bonilla das Phänomen über mehrere Stunden und zwei aufeianderfolgenden Tagen beobachten.

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Alles Begann mit der Beobachtung eines hellen Objekts: "Am 12. August 1883 begann ich um 8 Uhr mit dem Abzeichnen von Sonnenflecken, als ich plötzlich ein kleines Licht bemerkte, das in das Linsensichtfeld, wie es sich auf dem Projektionspapier abzeichnete, eintrat und sie Sonnenscheibe überflog und dann wie ein nahezu kreisrunder Schatten aussah. Ich hatte mich von meiner Verwunderung noch nicht erholt, als sich das gleiche Phänomen erneut und immer wieder wiederholte. Dies geschah derart oft, dass ich über einen Zeitraum von zwei Stunden bis zu 283 dieser Körper zählen konnte." Auch am folgenden Tag setzte sich das Phänomen fort. Insgesamt konnte Bonilla 447 dieser Objekte zählen. Seine Beobachtung und einige seiner Fotografien wurden am 1. Januar 1886 im Fachmagazin "L'Astronomie" veröffentlicht. Schon der damalige Herausgeber der Zeitschrift vermutete Zugvögel als Erklärung für die angeblichen UFOs.

Eine neue Studie von Astronomen um Hector Javier Durand Manterola von der "Universidad Nacional Autónoma de México", die die Wissenschafter vorab auf "arXiv.org" veröffentlicht haben, vermutet nun jedoch, dass es sich um die Bruchstücke eines auseinandergebrochenen Kometen gehandelt hatte, die damals beinahe die Erde getroffen hätten.

Neben dem Umstand, dass ein solches Phänomen für die Astronomen die ebenfalls von Bonilla beschriebene nebelartige Erscheinung der meisten der beobachteten Objekte und deren Dichte zueinander erklärt, verweisen die Autoren der Studie auch darauf, dass ein vor der Sonne vorbeiziehender Komet an diesem Tag offenbar von niemand anderem beobachtet wurde – und das, obwohl die nächstgelegenen Observatorien nur wenige hundert Kilometer von Bonnila entfernt waren.

Dieser Umstand, so die Astronomen um Manterola, könnte durch das Phänomen der sogenannten Parallaxe erklärt werden. Diese bezeichnet die scheinbare Änderung der Position eines Objektes, wenn der Beobachter seine eigene Position (nur leicht) verschiebt.

Hätten sich die Kometenfragmente also nahe genug an der Erde befunden, so könnte dieses Phänomen dazu geführt haben, dass sie nur von ganz bestimmten Beobachtungsstandorten entlang einer Breitengradszone als vor der Sonnenscheibe vorbeiziehend zu sehen waren. Selbst verhältnismäßig nahe gelegenen Observatorien wäre dadurch das Schausiel entgangen. Da Mexiko auf demselben Breitengrad wie die Sahara, Nordindien und das südöstliche Asien liegt, wo es zur damaligen Zeit noch keine Observatorien gab, erkläre dies auch, warum die Erscheinung nicht auch von anderen Erdteilen aus beobachtet wurde.

Manterola und seine Kollegen Maria de la Paz Ramos Lara und Guadalupe Cordero habe zudem berechnet, wie nahe die Trümmer der Erde bereits gekommen sein müssen, um auf die von Bonilla beschriebenen Art und Weise beobachtet werden zu können und kommen auf eine Distanz von 8.000 bis 600 Kilometern. Der postulierte Komet bzw. seine Trümmer hätte die Erde demnach nur um Haaresbreite verfehlt. Zugleich schätzen die Astronomen die Größe der Trümmer auf zwischen 50 und 800 Meter im Durchmesser. Der ursprüngliche Mutterkörper hätte also ein Gewicht von mehr als einer Milliarde Tonnen haben müssen und währe damit in etwa so groß wie der Halleysche Komet gewesen.

Ähnliche Vorbeiflüge von Kometentrümmern wurden bereits zahlreich beobachtet. Erst 2006 zerbrach der Komet "Schwassmann-Wachmann3" bei Wiedereintritt ins innere Sonnensystem. Aus astrophysikalischer Sicht gibt es also keinen Grund, weswegen solche Fragmente nicht auch entsprechend nahe die Erde passieren könnten.

Bei seiner Passage durch das innere Sonnensystem 2006 zerbrach der Komet "Schwassmann-Wachmann3" in mindestens 73 sichtbare Fragmente. | Copyright: NASA, ESA, H. Weaver, (JHU/APL), M. Mutchler and Z. Levay (STScl)

Warum der Komet von 1883 allerdings nicht schon zuvor entdeckt wurde, können sich auch die mexikanischen Astronomen nicht wirklich erklären. Sie vermuten allerdings, dass es sich möglicherweise um den Kometen Pons-Brooks gehandelt hatte, der im selben Jahr von US-Astronomen entdeckt wurde.

Anhand Bonillas Beobachtungen der "Objekte" über einen Zeitraum von jeweils dreieinhalb Stunden an zwei Tagen zeigen die Astronomen auf, wie knapp die Erde 1883 wahrscheinlich einer Katastrophe entgangen war. Insgesamt bestand der postulierte Trümmerschweif demnach aus rund 3275 Objekten. Da jedes dieser Fragmente mindestens so groß war, wie jener Körper, den Astronomen für die gewaltige Explosion im Jahre 1908 über Tunguska verantwortlich machen (...wir berichteten s. Links) , sei die Erde damals "innerhalb von nur zwei Tagen 3275 Tunguska-Ereignissen" entgangene, wie sie "wahrscheinlich zu einer globalen Auslöschung geführt hätten."

- Den Originalartikel von Manterola et al. Finden Sie HIER


- Den Originalbericht von José Bonilla in einer englischen Übersetzung finden Sie HIER

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arxiv.org

ESO und Chile unterzeichnen Abkommen über den Bau des weltgrößten optischen Teleskops

Künstlerische Darstellung des fertigen E-ELT auf dem Cerro Armazones in Chile | Copyright: ESO

Santiago de Chile/ Chile - Vergangene Woche haben der Generaldirektor der "Europäischen Südsternwarte" (ESO), Tim de Zeeuw, und der chilenische Außenminister Alfredo Moreno ein Abkommen zum Bau des "European Extremely Large Telescope" (E-ELT) unterzeichnet. Ab 2018 wird es mit seinem Hauptspiegel der 40-Meter-Klasse das größte optische Teleskop der Welt sein und neben anderen wissenschaftlichen Aufgaben auch intensiv zur Suche nach lebensfreundlichen Planeten jenseits des Sonnensystems beitragen.

Die Vereinbarung zwischen der ESO und der chilenischen Regierung beinhaltet die Schenkung von Land für das Teleskop, langfristige Schürfrechte um eine (licht-)geschützte Region um dieses Land herum zu errichten und die Unterstützung der chilenischen Regierung bei der Errichtung des E-ELT.

Schon im März 2010 hatte die ESO den 3060 Meter hoch gelegenen Berg Cerro Armazones in der Región de Antofagasta in Chile als Standort des geplanten E-ELT ausgewählt (...wir berichteten). Das neue Teleskop wird Bestandteil des "Paranal-Observatoriums" werden, das bereits aus dem "Very Large Telescope" (VLT), dem VLT-Interferometer und den Durchmusterungsteleskopen VST und VISTA besteht. Der Cerro Paranal ist nur 20 Kilometer vom Cerro Armazones entfernt, so dass große Teile der Infrastruktur von beiden Standorten gemeinsam genutzt werden können.

Künstlerische Darstellung des fertigen E-ELT | Copyright: ESO

Mit dem E-ELT erhoffen sich die Astronomen nicht nur die Entdeckung von Planeten bis hinab zur Erdgröße durch die indirekte Messung der von entsprechenden Planeten ausgelösten Schlingerbewegung der Zentralgestirne (Radialgeschwindigkeitsmethode), sondern auch die direkte Darstellung größerer Exoplaneten und Analysen der Eigenschaften und Atmosphären dieser Planeten.

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Zudem sollen die astronomischen Instrumente am E-ELT die Erforschung frühester Entstehungsphasen von Planetensystemen ermöglichen sowie Wasser und organische Moleküle in der protoplanetaren Staub- und Gasscheiben finden können, aus welchen heraus sich um ferne junge Sterne Planeten bilden können.

"Das Abkommen stellt einen weiteren bedeutenden Beitrag zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit zwischen Chile und der ESO dar", so die ESO-Pressemitteilung, "die 1963 mit der Unterzeichnung einer ersten Vereinbarung begann. In der Zwischenzeit haben die ESO und Chile in vielen gemeinsamen astronomiebezogenen Projekten bei Instrumentierung und Technologie zusammengearbeitet, mit dem Ziel, das Bewusstsein für die Astronomie und entsprechende Kompetenzen in Chile zu fördern. Das schließt auch die Ausbildung von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern ein. Chile ist so zu einer der führenden Regionen in der Astronomie geworden."

“Das Abkommen ermöglicht es uns, das E-ELT als Teil des VLT-Systems zu errichten. Außerdem verstärkt sich dadurch unser Engagement für und die Zusammenarbeit mit der chilenischen Gesellschaft. Letztlich ergeben sich so neue Möglichkeiten für großartige Entdeckungen und technologischen Fortschritt”, erläutert Tim de Zeeuw.

Übersicht über das ESO-Gelände rund um den Cerro Armazones | Copyright: ESO

Die Vereinbarung beinhaltet die Schenkung von 189 Quadratkilometer Land rund um den Cerro Armazones für den Bau des E-ELT sowie die Schürfrechte für die Umgebung über einen Zeitraum von 50 Jahren, entsprechend zusätzlichen 362 Quadratkilometer. Diese Maßnahme soll das E-ELT vor Lichtverschmutzung und Bergbauarbeiten schützen. Zusammen mit den bereits vorhandenen 719 Quadratkilometer Land um den Cerro Paranal wächst die Schutzzone um den Paranal-Armazones-Komplex damit auf eine Fläche von 1270 Quadratkilometer.

Alfredo Moreno, der chilenische Außenminister, stellte fest: "Chile hat den klarsten Himmel auf der Welt und ist Heimatland der wichtigsten astronomischen Observatorien. Das ist für uns nicht nur eine Wertanlage, sondern auch ein Beitrags zur Entwicklung der Menschheit als Ganzes. Die Anwesenheit der ESO und das E-ELT-Projekt in unserem Land zeigen deutlich, wie viel Chile an Wissenschaft und Technologie gelegen ist."

"Die chilenische Regierung verpflichtete sich außerdem zur Unterstützung in punkto Infrastruktur. Darunter fallen unter anderem die Unterhaltung der Straßen, welche die Observatorien mit der Stadt Antofagasta verbinden sowie die Mitwirkung bei der Anbindung des Paranal-Observatoriums an das nationale Stromnetz und bei der Untersuchung von Einsatzmöglichkeiten für erneuerbare Energien.

Im Gegenzug erweitert die ESO den bestehenden Anteil von 10 Prozent an Beobachtungszeit für Anträge chilenischer Astronomen auch auf das E-ELT. Mindestens drei Viertel dieser Zeit werden dabei für Anträge chilenischer Astronomen gewährt werden, die mit Astronomen aus den ESO-Mitgliedsländern zusammenarbeiten. Das fördert internationale Kooperationen - ein integraler Bestandteil eines Wissenschaftsprojektes dieser Dimension."

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Europäische Südsternwarte baut weltgrößtes Teleskop in Chile
27. April 2010

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