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Donnerstag, 27. Oktober 2011

Ausstellung in Mannheim: "Schädelkult - Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen"

Eines der zahlreichen Exponate der Ausstellung: Prachtvoll dekorierter Ahnenschädel der Asmat, Neuguinea. | Copyright: rem-mannheim.de (Foto: Jean Christen)

Mannheim/ Deutschland - Noch bis zum 29. April 2012 zeigen die "Reiss-Engelhorn-Museen" in Mannheim die Ausstellung "Schädelkult - Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen" und widmen sich damit der weltweit verbreiteten faszinierendem Anziehungskraft menschlicher Schädel. Gezeigt werden einzigartige Schädelfunde und Kopfpräparate, die spannende Einblicke in das Phänomen Schädelkult bieten.

"Über 300 Exponate zeugen auf beeindruckende Weise von der besonderen Bedeutung von Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen", erläutern die Ausstellungsmacher um Kurator Dr. Wilfried Rosendahl. "Ob Jahrtausende alte Schädelschalen, kunstvoll geschmückte Kopfjägertrophäen oder religiös-verehrte Schädelreliquien, ob als Mahnmal der Vergänglichkeit oder als modisches Accessoire"

Anlass zur Mannheimer Ausstellung bot im Jahr 2008 die Wiederentdeckung der Schädelsammlung Gabriel von Max’ (1840 - 1915). Der Künstler und Darwinist besaß eine der größten Sammlungen dieser Art. Sie umfasste rund 500 Objekte aus Amerika, Asien, Afrika, Ozeanien und Europa. 1917 erwarb die Stadt Mannheim die Sammlung, die später in den Besitz der heutigen "Reiss-Engelhorn-Museen" gelangte. Im Rahmen eines Austausches 1935 gelangten große Teile davon an die "Universität Freiburg". Nach dem Krieg galt die Sammlung als verschollen und wurde erst vor drei Jahren wiederentdeckt.

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Schädelschalen aus Herxheim bei Landau/Pfalz | Copyright: GKDE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Speyer

Die wissenschaftliche Untersuchung ausgewählter Schädel aus der Sammlung Gabriel von Max stellt einen wichtigen Bestandteil der Ausstellung dar. Zusammen mit dem historischen Archivmaterial in Mannheim ergibt sich nun erstmals die Möglichkeit, die Schädelsammlung wissenschaftlich-interdisziplinär zu untersuchen.

Der Katalog zur Ausstellung
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Das Forscherteam des "German-Mummy-Projects" an den "Reiss-Engelhorn-Museen" unter der Leitung von Dr. Wilfried Rosendahl arbeitet dazu eng mit der Biologischen Anthropologie der "Universität Freiburg" unter der Leitung von Prof. Dr. Ursula Wittwer-Backofen zusammen. Neben morphologischen Beschreibungen werden 14C-Datierungen zur Altersbestimmung und biochemischen Analysen zur Ernährungsrekonstruktion sowie zur geographischen Herkunftsbestimmung durchgeführt.

Während der Vorbereitung der Ausstellung stand für die Ausstellungsmacher auch die Frage der Repatriierung im Vordergrund. Der Begriff Repatriierung steht für die Rückholung von menschlichen Überresten in ihre ursprüngliche kulturelle Heimat.

Schrumpfkopf (tsantsa) der Jívaro, Ecuador/Peru. | Copyright: rem-mannheim.de (Foto: Wilfried Rosendahl)

Zu dieser Frage erläutert das Museum:
"In der Zeit der Entdeckung der Welt durch die Europäer entstand ein Markt für anthropologische Artefakte von Ureinwohnern. Dies förderte einen weltweiten Handel, der teilweise in eine regelrechte Jagd nach menschlichen Überresten mündete. Sowohl Sammler als auch staatliche und private Institutionen beteiligten sich daran. Bei vielen indigenen Gruppen stehen die Toten zu den Lebenden in einer engen Beziehung. Eine Repatriierung ihrer Ahnen ist daher für sie von besonderer Bedeutung.

Seit einigen Jahren sind es vor allem die Regierungen Australiens und Neuseelands, welche die zumeist kultisch mumifizierten Körperteile der Vorfahren der heutigen Ureinwohner rückfordern. Oft werden diese menschlichen Relikte nach der Rückführung im christlichen Ritus bestattet und damit vernichtet - entgegen der kultischen Praxis zur Zeit ihrer Entstehung, die eine Erhaltung der Ahnen vorsah.

Museen haben die Aufgabe, die Zeugnisse vergangener Kulturen zu bewahren. Für die Reiss-Engelhorn-Museen steht eine Rückgabe von menschlichen Überresten aus einem nachgewiesenen Unrechtskontext außer Frage. Eine generelle Rückforderung aus einem politischen Zeitgeist heraus wird dagegen abgelehnt, wenn eine Zerstörung dieser Zeugnisse einer längst vergangenen Glaubensvorstellung der Ureinwohner droht.

Bei der Vorbereitung der Ausstellung 'Schädelkult' wurde darauf geachtet, dass keine Exponate mit Unrechtskontext gezeigt werden."

Weitere Bücher zum Thema:

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Quellen: rem-mannheim.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

Lebensfreundliche Zonen um rote Zwergsterne deutlich größer

Künstlerische Interpretation eines Planetensystems um einen Roten Zwerg (Illu.) | Copyright: NASA/JPL-Caltech

Reading/ England - Die sogenannten habitablen Zonen, jene Abstandsregionen also um Sterne, innerhalb derer sich Planeten befinden müssen, sodass aufgrund gemäßigter Temperaturen Wasser in flüssiger Form und damit die Grundlage für Leben auf ihrer Oberfläche existieren könnte, sind um rote Zwergsterne deutlich ausgedehnter als bislang gedacht.

Wie die Forscher um die Astrobiologen Manoj Joshi vom britischen "National Centre for Atmospheric Science" und Robert Haberle vom "Ames Research Centre" der NASA vorab auf "arXiv.org" berichten, könnten die "grünen Zonen" um sogenannte "Rote Zwerge" möglicherweise bis zu 30 Prozent ausgedehnter sein als zuvor angenommen.

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In unserem Sonnensystem liegt die habitable Zone zwischen 0,7 und 3 Astronomischen Einheiten (AE = Abstand Sonne – Erde), erstreckt sich also in etwa von der Umlaufbahn der Venus bis zum Mars. Dennoch bedeutet dies nicht automatisch, dass auch alle Planeten innerhalb dieser Zone lebensfreundliche Bedingungen aufweisen können. Von besonderer Bedeutung ist unter anderem die Frage, wie viel Licht seines Sterns der Planet ins All reflektiert (Albedo). Besondere Bedingungen gelten zudem für Monde um Planeten außerhalb der habitablen Zone.

In ihrer Studie verweisen Joshi und Haberle auf einen neuen und wichtigen Faktor, der die habtiable Zone um sogenannte Rote Zwerge deutlich ausweitet. Bei Roten Zwergsternen handelt es sich um die kleinste Kategorie aktiver Sterne, die rund 70 Prozent der Sterne des in der Milchstraße ausmachen.

Wie die Forscher erläutern, hängt die Menge des etwa von Schnee und Eis auf einem Planeten reflektierten Lichts auch von dem Anteil der unterschiedlichen Wellenlängen ab, die vom Stern selbst ausgesandt werden. Da Rote Zwerge, die zur Sternenklasse "M" zählen, deutlich mehr langwelliges Licht aussenden als etwa sonnenähnliche Sterne (G). Während die Albedo von Eis und Schnee auf Planeten des Sonnensystems bei 0,8 und 0,5 beträgt, liegt er auf Planeten, die etwa den 33 Lichtjahre von der Erde entfernten Roten Zwerg "Gliese 436" bei 0,4 und 0,1.

Wassertragende Planeten, die solche Sterne umkreisen, sollten also deutlich mehr Energie ihrer Stern absorbieren als etwa die Erde, weshalb sich auch der Radius der potentiell habitablen Zone um diese Sterne bis zu 30 Prozent in ihre Planetensysteme ausdehnt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir also die lange gesuchte "zweite Erde" im Umfeld eines Roten Zwergsterns finden werden, ist somit nicht nur deshalb besonders hoch, weil es sich um die häufigste Form von Sternen in der Galaxie handelt, sondern auch, weil sie mehr Platz für potentiell lebensfreundliche Planeten bieten und weil entsprechende Planeten aufgrund der geringeren Größe ihrer Sterne auch einfacher zu finden sind.

- Die vollständige Studie finden Sie HIER

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arxiv.org

Schwache Form von Plattentektonik einst auch auf der Venus

Die heutige Oberfläche der Venus erlaubt kaum einen Einblick in ihre Vergangenheit. Diese Aufnahme der Venussonde Magellan zeigt den Meteoritenkrater Cunitz und am Horizont den drei Kilometer hohen Vulkan Gula Mons zu erkennen. | Copyright: NASA/JPL

Berlin-Adlershof / Deutschland - Während auf der Erde die Bewegung der Kontinente bis heute für die Veränderung der Oberfläche sorgt, zeigt die Venus heute eine gänzlich regungslose Kruste. Dass dies allerdings nicht immer so war, haben nun deutsche Planetenforscher anhand von Modellberechnungen herausgefunden. Demnach war die Oberfläche der Venus in der Vergangenheit vermutlich besonders heiß und dadurch auch mobil.

"Mit unseren Berechnungen haben wir einen Blick in die Vergangenheit der Venus geworfen, als die Temperatur ihrer Oberfläche noch deutlich über dem heutigen Wert von 470 Grad Celsius lag. Dabei sind wir auf einen erstaunlichen Effekt gestoßen", sagt Lena Noack, Doktorandin am Institut für Planetenforschung am "Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt" (DLR, dlr.de). "Die Venuskruste bleibt bei solchen Temperaturen nicht starr, sondern kommt an einigen Stellen in Bewegung. Sie dehnt und streckt sich ohne zu zerbrechen, wie bei Schokolade, die im Sommer etwas weich wird." Im Fachmagazin "Icarus" haben die Wissenschaftler um Noack ihre Modellberechnung veröffentlicht.

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Die besonders hohen Temperaturen auf der Venus rührten von einem massiven Treibhauseffekt her, der sich später abschwächte. "Ein besonders starker Treibhauseffekt kann die Regungslosigkeit einer Planetenoberfläche überwinden. Wahrscheinlich ist genau das im Verlauf der Venusgeschichte geschehen", ergänzt die Planetenforscherin. Die teilweise Bewegung der Venuskruste erlaubte dem Venusinneren sogar, mehr Wärme nach außen in die Atmosphäre abzugeben. Es kam zur Kühlung des Venusmantels ähnlich der Kühlung des Erdinneren durch die Plattentektonik.

Die Bewegungen der Venuskruste liefen vermutlich extrem langsam ab. "In unseren Berechnungen erhielten wir meist nur eine Geschwindigkeit von wenigen Millimetern im Jahr", erzählt Prof. Dr. Doris Breuer, Leiterin der Abteilung Planetenphysik am DLR-Institut für Planetenforschung. "Die Platten unserer Erde schieben sich dagegen mit einigen Zentimetern im Jahr voran." Somit fanden die Planetenforscher zwischen der bisher bekannten Plattentektonik auf der Erde und der starren Kruste des Mars eine dritte Variante: "Wir verwenden dafür den Begriff lokale Mobilisierung, da die Venuskruste nur an einigen Stellen des Planeten und dazu sehr langsam von der darunterliegenden Schicht gezogen und geschoben wurde", erklärt Noack.

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