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Mittwoch, 9. November 2011

Astronomen entdecken potentiell geeignete Entstehungsorte für organische Moleküle in unserer Galaxie

Methanol-Moleküle im Umfeld eines jungen Sterns (Illu.) | Copyright: NASA

New York/ USA - Nach jahrelanger Beobachtungszeit haben US-Astronomen in unserer Galaxie jene Orte identifiziert, an welchen die Bedingungen für die Entstehung komplexer organischer Moleküle besonders geeignet sind. Sollte sich die Panspermie-Theorie bestätigen, nach der auch die Grundlagen des irdischen Lebens aus dem All stammen, so könnte die Entdeckung der Forscher einen wichtigen Schritt in der Suche nach dem kosmischen Ursprung des Lebens darstellen. Die Schlussfolgerungen der Forscher haben auch Auswirkungen auf die Frage nach der Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben in der Milchstraße.

Bei ihrer Suche konzentrierten sich die Wissenschaftler um Douglas Whittet vom "Rensselaer Polytechnic Institute" (rpi.edu) gemeinsam mit Kollegen des "Ames Research Center" der NASA, vom "SETI Institute" und der "Ohio State University" mit Methanol, auf eine der Schlüsselzutaten für die Synthese organischer Moleküle, die auch zur Entstehung von Leben - vergleichbar mit jenem, wie wir es auf der Erde kennen - führen kann. Ihre Ergebnisse werden die Forscher in der kommenden Ausgabe (20. November 2011) des Fachmagazins "Astrophysical Journal" veröffentlichen.

"Die Entstehung von Methanol ist einer der grundlegenden Wege der Entstehung komplexer organischer Moleküle im interstellaren Raum", erläutert Whittet. Gelingt es den Forschern jene Regionen in unserer Galaxie zu identifizieren, wo geeignete Bedingungen zur Methanolproduktion herrschen, ermöglicht dies auch einen besseres Verständnis der Frage, wo und wie die zur Entstehung von Leben notwendigen komplexen organischen Moleküle entstehen. "Anders ausgedrückt: folgt man dem Methanol so folgt man jener Chemie, aus der Leben hervorgeht."

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Bereits zuvor hatten Astronomen im All große Konzentrationen einfacher Moleküle wie beispielsweise Kohlenstoffmonoxid in jenen Wolken nachgewiesen, in denen Sterne entstehen. Damit jedoch komplexe organische Moleküle entstehen können, muss beispielsweise Wasserstoff in einen chemischen Prozess gebracht werden. Am besten gelingt dies auf der Oberfläche kleinster Staubpartikel im All. "Unter den richtigen Bedingungen", so Whittet weiter, "reagiert Kohlenstoffmonoxid hier bei niedrigen Temperaturen mit Wasserstoff und lässt Methanol (CH3OH) entstehen. Dieses dient dann als wichtiges Sprungbrett für die Bildung komplexerer organischer Moleküle." Dass Methanol im interstellaren Raum existiert, war zwar bereits bekannt, bislang lagen jedoch kaum Informationen darüber vor, wo es entsteht.

Die Wissenschaftler um Whittet haben nun herausgefunden, dass Methanol am häufigsten im Umfeld einer bestimmten Sorte junger Sterne und in den kalten Materiewolken von Sternentstehungsgebieten vorkommt.

In ihrem Artikel schlussfolgern die Forscher, dass es sich bei diesen Orten wahrscheinlich um den Ursprung des kosmischen Methanols handelt. In diesen sogenannten "sweet spots" hänge es nun von der Geschwindigkeit ab, mit der die Moleküle die Oberflächen der Staubpartikel um die jungen Sterne erreichen. Die Rate der Ablagerung der Moleküle auf diesen Partikeln könne dann entweder zur fruchtbaren Produktion organischer Moleküle oder in eine chemische Sackgasse führen.

"Wenn sich die Kohlenmonoxid-Moleküle zu schnell auf der Oberfläche der Staubkörnchen bilden, haben sie nicht die Möglichkeit, sich mit diesen zu komplexen Molekülen zu verbinden. Stattdessen werden die Moleküle von Eis bedeckt und eine weitere chemische Reaktion wird verhindert. Auch wenn dieser Vorgang zu langsam vor sich geht schwinden die Chancen für eine Reaktion im sinne komplexer organischer Moleküle."

Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler auch mit den Daten zur Konzentration von Methanol im Innern von Kometen verglichen, um damit eine Basis für die Methanolproduktion im Sonnensystem zu bestimmen: "Kometen sind wie Zeitkapseln und können die frühe Geschichte des Sonnensystem in sich bewahrt haben, da sich in ihrem Innern Material findet, das sich seit der Entstehung des Sonnensystems nicht verändert hat." Durch die Bestimmung der Methanolkonzentration im Innern von Kometen können die Wissenschaftler also auch Rückschlüsse auf die Menge an Methanol ziehen, die während der Entstehung des Sonnensystems vorhanden war.

Die Ergebnisse dieser Analyse belegt, dass die Methanolkonzentration von nur wenigen Prozent bei der Geburt unseres Sonnensystems jener im normalen interstellaren Raum gleicht. Damit ist die deutlich niedriger als in den von den Astronomen nun identifizierten potentiellen "sweet spots", wo die Methanol-Dichte deutlich höher ist.

"Das bedeutet, dass unser Sonnensystem kein sehr wahrscheinlicher Ort für die Entstehung von komplexen organischen Molekülen war. Allerdings wissen wir, dass es dennoch für die Entstehung des Lebens ausgereicht hatte", so Whittet.

Die Ergebnisse der Studie zeigen also, dass es in der Milchstraße Planetensysteme geben könnte, in welchen die Entstehung von Leben noch sehr viel wahrscheinlicher ist, als im Sonnensystem.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / rpi.edu

Erfolgreicher Start: Fobos-Grunt ist auf dem Weg zum Mars-System

Künstlerische Darstellung: Auf ihrer Reise zum Marsmond Phobos fliegt die russische Raumsonde "Fobos Grunt" auch am Roten Planeten selbst vorbei. | Copyright: ROSKOSMOS

Köln/ Deutschland - Um 21:16 Uhr am gestrigen Dienstag, 8. November 2011, ist die russische Raumsonde "Fobos Grunt" an Bord einer Zenit-2-Rakete vom Weltraumbahnhof in Baikonur in Kasachstan erfolgreich gestartet. Im Februar 2013 soll die Sonde auf dem Marsmond Phobos landen und dort Proben der Oberfläche sammeln.

- Bei der folgenden Meldung handelt es sich um eine Pressemitteilung des "Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt" (DLR), dlr.de


Das Team um den Berliner Planetenforscher Prof. Jürgen Oberst beschäftigt sich seit längerem nicht nur intensiv mit dem Mars, sondern auch mit Phobos, dem größeren der beiden Marsmonde. Phobos ist rund 9.400 Kilometer vom Marsmittelpunkt entfernt und umkreist den Mars in 7,6 Stunden etwa 6.000 Kilometer über dessen Oberfläche. Die wichtigste Datenquelle der Wissenschaftler sind Bilder, die von der vom DLR betriebenen Stereokamera HRSC (High Resolution Stereo Camera) an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express zur Erde übertragen werden. Mithilfe dieser Bilder konnten die DLR-Planetenforscher die bislang ungenauen Umlaufbahnen von Phobos präzisieren. Die in den vergangenen Jahren gesammelten Daten erlaubten eine genaue Kartierung und Vermessung dieses geologisch außergewöhnlichen planetaren Körpers. Sie bilden die Grundlage der Neukartierung während der Phobos Grunt-Mission. Bis August 2014 sollen die Proben des Mars-Mondes in einer Kapsel zurück zur Erde kommen. Phobos Grunt ist die erste Raumsonde, die seit 1996 von Russland aus gestartet ist.

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An Bord der Sonde ist zudem der kleine chinesische Satellit Yinghuo-1 ("Glühwürmchen"), der "Huckepack" zum Mars befördert wird. Er soll ein Jahr lang das Schwerefeld des Roten Planeten vermessen. Phobos Grunt hat aber auch die Marsumgebung fest im Blick: 15 Instrumente sind dazu an Bord, darunter mehrere Kameras, Spektrometer und ein Radar. "Bevor Phobos Grunt landen kann, wird die voraussichtliche Landestelle auf der Mars abgewandten Seite von Phobos nochmals genau vermessen. Dazu folgt das Raumschiff zunächst dem Mond auf seiner Bahn um den Mars. Für die Landung selbst sind nur 40 Minuten vorgesehen. Bei diesem komplizierten Manöver werden Laser, Radar und Kameras den Landeapparat leiten", berichtet DLR-Planetenforscher Oberst. Zum Einsammeln der Proben mit dem Roboterarm bleiben gerade einmal 17 Minuten. "Nur in dieser kurzen Zeit sind die Beleuchtung der Landestelle und gleichzeitig der Kontakt zur Erde gewährleistet. Danach hebt die Rückkehrkapsel mit rund 200 Gramm Probenmaterial von der Oberfläche ab und macht sich auf den Rückweg zur Erde", erläutert der Experte weiter. Das Landemodul, bestückt mit mehreren wissenschaftlichen Geräten, soll noch ein weiteres Jahr auf der Oberfläche von Phobos arbeiten und Messdaten übertragen.

Doch für Jürgen Oberst ist die Phobos-Grunt-Mission nicht nur von großem wissenschaftlichen Interesse, sondern auch mit einer persönlichen Zäsur verbunden: Als Leiter des neu gegründeten "MIIGAik Extraterrestrial Laboratory" (Mexlab) an der Moskauer Staatlichen Universität für Geodäsie und Kartographie (MIIGAiK) wird der 56-jährige Wissenschaftler während der Mission regelmäßig in der russischen Hauptstadt tätig sein. Das Mexlab hat 40 Mitarbeiter und wird unter anderem die Daten der Phobos-Grunt-Mission sammeln und kartographisch verarbeiten. Der Aufbau des Forschungslabors wurde durch den Gewinn einer Ausschreibung des russischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft über 150 Millionen Rubel (ca. 3,75 Millionen Euro) möglich, die im Zeitraum 2010 bis 2012 in das Projekt fließen. Hinzu kommt ein Zuschuss der Helmholtz-Gemeinschaft, die den Austausch mit russischen Wissenschaftlern fördert. "Das ist eine einmalige Chance", freut sich Jürgen Oberst auf seine neue Aufgabe. Er wird zwischen Moskau und Berlin pendeln. Zudem leitet der DLR-Wissenschaftler eine internationale Expertengruppe. Diese trifft sich jährlich am International Space Science Institute in Bern und unterstützt auch die neu gebildete "Helmholtz Russia Joint Research Group Geodesy, Cartography, and Exploration of Phobos and Deimos”.

Mit Phobos-Grunt fliegt auch eine miniaturisierte Version des so genannten Mössbauer-Spektrometers MIMOS II des Instituts für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Mainz zum Mars-Trabanten. Das Instrument wurde unter der Leitung von Dr. Göstar Klingelhöfer mit finanzieller Unterstützung durch das DLR-Raumfahrtmanagement entwickelt und gebaut. Mit ihm soll die chemische Zusammensetzung des Phobos-Gesteins untersucht werden.

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Quellen: dlr.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

UFO-Flotte überwacht Russlands Landesgrenzen

Startvorbereitungen eines von 50 "unbemannten Flugobjekten". | Copyright/Quelle: russland.tv / RT, rt.com

Moskau/ Russland - Das russische Verteidigungsministerium hat 50 UFO-förmige unbemannte Luftschiffe zur Überwachung der Landesgrenzen angeschafft. Ihre charakteristische Form macht es wahrscheinlich, dass die "unbemannten Flugobjekte" also schon bald in den entsprechenden Regionen für Verwechselungen mit tatsächlich unidentifizierten Flugobjekten (UFOs) führen werden.

Mit einem Gesamtvolumen von 150 Millionen Dollar, so berichtete "Russland.tv", stammen die falschen UFOs allesamt aus russischer Herstellung und Entwicklung. Anhand von Kameras, die des Nachts auch mittels Infrarot-Technik "sehen" können, sollen die Spionage-Zeppeline zukünftig auch entlegene Ölpipelines überwachen. 
Ferngesteuert werden die Zeppeline vom Boden aus.

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Vision: Russischer "UFO-Zeppelin"
8. April 2009

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / russland.tv / rt.com

Sonderausstellung: Bemalte Steine - die bislang älteste Tradition von Malerei in Mitteleuropa

Funde vom Hohle Fels aus dem Jahr 2010: Zwei bemalte Steine mit parallelen Punktreihen. | Copyright: Maria Malina, Universität Tübingen

Tübingen/ Deutschland - In einer aktuellen Sonderausstellung präsentieren Wissenschaftler der "Universität Tübingen" die bislang älteste Tradition von Malerei in Mitteleuropa. Ausgrabungen haben in der Höhle "Hohle Fels" auf der Schwäbischen Alb in den letzten beiden Jahren wichtige neue Nachweise für 15.000 Jahre alte Malerei erbracht, die am Ende der letzten Eiszeit geschaffen wurde.

Die Magdalénien-Epoche ist nach dem Fundort La Madeleine in Frankreich benannt. Drei der neuen Malereien zeigen Doppelreihen roter Punkte auf Kalksteingeröllen, ein weiteres bemaltes Fragment könnte von der Höhlenwand stammen. Es handelt sich bei diesen Funden um die ersten Entdeckungen bemalter Steine seit 1998, als ebenfalls im "Hohle Fels" vom Archäologenteam des Tübinger Urgeschichtlers Prof. Nicholas Conard ein einzelner bemalter Stein gefunden wurde. Zusätzlich zu den bemalten Steinen wurden nun auch Hämatit- und Ockerstücke gefunden, die zur Farbherstellung verwendet wurden.

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Unter dem Titel : "Bemalte Steine - das Ende der Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb", werden die neuen Funde aus dem "Hohle Fels" im Mittelpunkt einer Sonderausstellung im "Museum der Universität Tübingen" (MUT) auf Schloss Hohentübingen vom 10. November 2011 bis zum 29. Januar 2012 gezeigt. Neben den Neufunden werden auch bedeutende Vergleichsfunde derselben Fundstelle und von anderen Ausgrabungen der Universität ausgestellt.

Hohle Fels 2009: Bemalte Steine aus dem Magdalénien mit roten Farbflächen (a) und mit parallelen roten Punktreihen (b). | Copyright: Maria Malina, Universität Tübingen

"Auch wenn eiszeitliche Höhlenmalerei in Westeuropa, vor allem in Frankreich und Spanien, gut dokumentiert ist, war sie bislang in Mitteleuropa unbekannt", erläutert die Pressemitteilung der Tübinger Universität (uni-tuebingen.de). "Die Abwesenheit von Wandkunst im Hohle Fels und in Mitteleuropa überhaupt geht unter anderem auf die harten Klimabedingungen in der Region zurück, die zu einer kontinuierlichen Erosion und Zerstörung der Höhlenwände führten. Die Malereien aus dem Hohle Fels im Achtal bei Schelklingen dokumentieren nun die bisher älteste Tradition von Malerei in Mitteleuropa. Die bemalten Kalksteingerölle aus dem Hohle Fels zeigen alle sehr ähnliche Motive: die Reihen gemalter Punkte müssen für die Bewohner der Region zweifellos eine besondere Bedeutung besessen haben. Dennoch lassen sich diese abstrakten Darstellungen im Gegensatz zu den Tierbildern der paläolithischen Kunst nur schwer interpretieren."

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