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Freitag, 11. November 2011

Asteroid Lutetia: Ein seltener Zeuge der Geburtsstunde der Erde

Nahaufnahme des Asteroiden Lutetia durch die Raumsonde "Roesetta", aufgenommen im Juli 2010. (Klicken sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) | Copyright: ESA 2010 MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA

Heidelberg/ Deutschland - Der Asteroid Lutetia dürfte ein Überbleibsel aus demselben Material sein, aus dem einst Erde, Venus und Merkur entstanden sind. Zu dieser Einschätzung kommt ein internationales Astronomenteam anhand von Beobachtungen der ESA-Raumsonde, des "New Technology Telescope" der "Europäischen Südtsernwarte" und von Teleskopen der NASA. Wie die Beobachtungen weiterhin zeigen, stimmen die Eigenschaften des Asteroiden mit denen einer seltenen Meteoritenart überein, die sich nach heutiger Vorstellung in den innersten Bereichen des Sonnensystems gebildet hat. Auch die Existenz von Lutetia dürfte dort begonnen haben und wäre dann später nach außen auf ihre jetzigen Position im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter gewandert.

- Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Pressemitteilung der Europäischen Südtsernwarte (ESO), eso.org


Ein Team von Astronomen von französischen und nordamerikanischen Universitäten hat den ungewöhnlichen Asteroiden Lutetia detailliert über einen großen Wellenlängenbereich hinweg untersucht, um seine Zusammensetzung zu bestimmen. Daten der OSIRIS-Kamera auf der Raumsonde Rosetta der ESA, des "New Technology Telescope" (NTT) am La Silla Observatorium der ESO in Chile, der Infrared Telescope Facility der NASA auf Hawaii und des Spitzer Space Telescope wurden dazu zum umfassendsten Spektrum kombiniert, das jemals von einem Asteroiden gewonnen wurde.

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Das Lutetia-Spektrum wurde dann mit den Spektren verschiedener Meteoriten verglichen, die man auf der Erde gefunden und ausführlich im Labor untersucht hat. Nur ein einziger Meteoritentyp, die so genannten Enstatit-Chondriten, stimmte über den gesamten Spektralbereich mit Lutetia überein.

Enstatit-Chondriten bestehen aus Material aus der Entstehungszeit des Sonnensystems. Man geht davon aus, dass sie nahe der jungen Sonne entstanden sind, und dass diese Sorte von Objekt eine der Hauptzutaten für die Entstehung der Gesteinsplaneten waren, insbesondere für Erde, Venus und Merkur. Auch Lutetia dürfte demnach nicht aus dem Asteroidenhauptgürtel stammen, wo sie sich jetzt befindet, sondern aus einem Bereich viel näher an der Sonne.

"Aber wie ist Lutetia aus dem inneren Sonnensystem entkommen und in den Asteroidengürtel gelangt?" fragt sich Pierre Vernazza von der ESO, der Erstautor des Fachartikels, in dem die neuen Ergebnisse präsentiert werden.

Künstlerische Darstellung des Asteroiden Lutetia in der Nähe eines jungen Felsplaneten im frühen inneren Sonnensystem (Illu.) | Copyright: ESO / M.Kornmesser u. N. Risinger

Astronomen haben abgeschätzt, dass weniger als 2% der Objekte, die aus dem Bereich stammen, in dem sich die Erde gebildet hat, in den Asteroidengürtel gewandert sind. Der Großteil dieser Körper aus dem inneren Sonnensystem wurde innerhalb weniger Millionen Jahre von den in Entstehung befindlichen jungen Planeten eingefangen. Einige der größeren Objekte mit Durchmessern von 100 Kilometern oder mehr dürften allerdings herausgeschleudert worden sein und fanden sich langfristig auf sichereren Umlaufbahnen weiter weg von der Sonne wieder.

Auch Lutetia, die knapp 100 Kilometer Durchmesser besitzt, könnte durch den Vorbeiflug an einem der Gesteinsplaneten aus ihrer ursprünglichen Umlaufbahn und damit aus den inneren Bereichen des Sonnensystems gerissen worden sein. Eine Begegnung mit dem jungen Jupiter während dessen Migration an seine jetzige Position könnte Lutetias Umlaufbahn ebenfalls maßgeblich beeinflusst haben.

"Wir gehen davon aus, dass Lutetia eine solche Bahnänderung durchgemacht hat. Sie kam als Eindringling im Asteroidenhauptgürtel an und wurde dort für vier Milliarden Jahre konserviert", erläutert Vernazza.

Vorangegangene Studien ihrer Farbe und Oberflächenstruktur haben gezeigt, dass Lutetia und äußerst ungewöhnliches Mitglied des Asteroidengürtels ist, das den Astronomen noch einige Rätsel aufgibt. Durchmusterungen haben ergeben, dass vergleichbare Asteroiden selten sind und weniger als 1% des Asteroidenhauptgürtels ausmachen. Die neuen Ergebnisse erklären nun, warum Lutetia so anders ist – sie ist eine der seltenen "Überlebenden" der Ursprungsmaterials, aus dem sich die Gesteinsplaneten gebildet haben.

"Lutetia dürfte die größte Ansammlung dieser Art urtümlichen Materials darstellen. Damit ist sie das ideale Ziel für zukünftige Missionen, die Gesteinsproben zur Erde bringen könnten. Anhand dieses Materials könnte man die Entstehung der Gesteinsplaneten wie unserer Erde im Detail untersuchen", schließt Vernazza.

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Quelle: eso.org

NASA-Rover entdeckt "etwas völlig Neues" auf dem Mars

Die helle Gesteinsader "Homestake" ragt aus dem rötlichen Untergrund in der Nähe des Endeavour-Kraters hervor. | Copyright: NASA

Ithaca/ USA - Auf der Suche nach einem Winterquartier hat der Mars-Rover "Opportunity" am Rande des gewaltigen Endeavour-Kraters eine auf den ersten Blick eher unscheinbare geologische Struktur im Marsboden entdeckt: Aus der rötlichen Umgebung sticht eine Linie aus hellem Gestein heraus. Hierbei könnte es sich um den ersten greifbaren Nachweis für Schichtsilikate auf dem Roten Planeten handeln, die sich so nur in Anwesenheit von flüssigem Wasser bilden.

Schon im vergangenen August konnten die Forscher um den Chefwissenschaftler der "Mars Exploration Rover" (MER) Steve Squyres von der "Cornell University" ähnliche Strukturen auf dem Mars sehen, hatten bislang aber noch nicht die Möglichkeit, diese an der Oberfläche offen liegenden Gesteinsadern aus direkter Nähe zu betrachten.

Diese Adern finden sich in Regionen, die laut den NASA-Forschern ihren Ursprung in der Noachischen und damit der ältesten Periode des Mars (vor 3,8 bis 3,5 Milliarden Jahren) haben, aus der heute noch geologische Formationen vorhanden sind.

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Bislang, so berichtet "DiscoveryNews" (news.discovery.com), hat sich das MER-Team noch nicht genau dazu geäußert, was sie selbst glauben, aus was diese Gesteinsadern bestehen: "Sie unterscheiden sich von allem, was wir bislang mit den Rovern auf dem Mars gesehen haben. Es handelt sich um etwas für uns völlig Neues und wir sind darüber sehr aufgeregt."

Nahaufnahme der Gesteinsader, deren helles Material von dunklen Kratzern durchzogen ist. | Copyright: NASA

Laut "DiscoveryNews" könnte es sich bei der Gesteinsader, die die Forscher auf den Namen "Homestake" getauft haben, um einen Beweis für Phyllo- bzw. Schichtsilikate und damit für Mineralien handeln, die sich nur in Anwesenheit von flüssigem Wasser bilden. Dies würde bedeuten, dass der Rover nach acht Jahren Erkundungsreisen sozusagen zufällig auf den "Heiligen Gral" der Mission gestoßen ist.

Zwar konnte schon zuvor die Orbitalsonde "Mars Reconnaissance Oribiter" (MRO) in der Region um den Endeavour-Krater Schichtsilikate, darunter vor allem auch eisen- und magnesiumreiche Tone, sogenannte Smektiten (...wir berichteten, s. Links) nachweisen, wie sie ein eindeutiger Beweis für einstiges, wahrscheinlich salzhaltiges Wasser sind, das dann auch die Grundlage für die Entstehung von Leben auf dem Mars gebildet haben könnte. Allerdings sei es eine Sache, die chemischen Signaturen dieser Minerale vom All aus zu identifizieren, aber etwas völlig anderes, tatsächliche Aufschlüsse am Boden zu finden, die diese Silikate auch offen legen und greifbar nachweisen.

Nach dem anbrechenden sechsmonatigen Marswinter soll "Opportunity" seine Erkundungsfahrten und Analysen in der Region fortführen. Die Entdeckung der Gesteinsader schürt die Hoffnung der NASA-Wissenschaftler, hier auf bislang noch nie gesehene geologische Strukturen zu stoßen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / news.discovery.com / nasa.gov

Mission zum Marsmond hängt vorerst im Erdorbit fest

Künstlerische Darstellung: Auf ihrer Reise zum Marsmond Phobos fliegt die russische Raumsonde "Fobos-Grunt" auch am Roten Planeten selbst vorbei. | Copyright: ROSKOSMOS

Moskau/ Russland - Nach einem zunächst erfolgreichen Start der Sonde "Fobos-Grunt" an Bord einer Trägerrakete vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur (...wir berichteten), hat das Raumschiff seine Bahn zum Mars nicht erreicht.

Nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos könne es sich, so berichtet das ebenfalls an der Mission beteiligte "Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt" (DLR), um einen Hard- oder Softwarefehler in der Antriebseinheit der Sonde handeln. An einer Lösung des Problems werde händeringend gearbeitet.

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Momentan befindet sich "Fobos-Grunt" in einem Erdorbit. Sollte es nicht gelingen, die Sonde wieder auf Kurs zu bringen, muss die Mission aufgegeben werden und das Raumschiff wird in der Erdatmosphäre verglühen.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / dlr.de
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