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Freitag, 2. Dezember 2011

Forscher ergründen Vorwahrnehmung von Erdbeben durch Amphibien

Archiv: Gemeiner Wasserfrosch | Copyright: Holger Gröschl/CC2.0

London/ England - Immer wieder gibt es in Verbindung mit Erdbeben Berichte über ungewöhnliches und gleichsam auffälliges Verhalten von Tieren kurz vor den Erschütterungen (...wir berichteten, s. Links). Wissenschaftler aus England und den USA glauben nun, erklären zu können, wie Amphibien Erdbeben vorherahnen können.

Die wissenschaftliche Bestätigung für die Fähigkeit der Tiere konnten Forscher um Dr. Rachel Grant von der Open University 2009 erbringen, als sie beobachteten, dass 96 Prozent der männlichen Erdkröten (Bufo bufo) einer Population ihr Laichgewässer, rund 74 Kilometer von dem am 6. April von einem Erdbeben verwüsteten L'Aquila, fünf Tage vor dem Beben plötzlich verließen. Zugleich fiel auch die Anzahl der sich paarenden Tiere drei Tage vor dem Erdstoß auf Null und es konnte keinerlei frischer Laich aus der Zeit zwischen Beben und dem einige Tage später folgenden schweren Nachbeben gefunden werden (...wir berichten, s. Links).

Jetzt hat Grant gemeinsam mit dem NASA-Geophysiker Dr. Friedemann Freund eine Theorie zur Erklärung des erstaunlichen Verhaltens vorgestellt und schlägt sogar vor, dass diese Beobachtung zukünftig zur Erdbebenvorhersage herangezogen werden sollte.

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Wie die Forscher aktuell im Fachmagazin "International Journal of Environmental Research and Public Health" berichten, scheint es so, als könnten die Tiere chemische Veränderungen im Grundwasser wahrnehmen, die sich - das Bestätigen Messungen der US-Raumfahrtbehörde NASA - einstellen, wenn ein Erdbeben kurz bevorsteht: "Bedenkt man, was während dieser (geologischen) Prozesse alles im Gestein vor sich geht, so wäre es fast schon merkwürdig, wenn Tiere davon nicht beeinflusst werden würden."

Laut den Forschern, lösen Spannungen in der Erdkruste geladene Partikel, die dann mit dem Grundwasser reagieren. "Tiere, die im oder in der Nähe dieses Grundwassers leben, sind sehr empfindlich, was chemische Veränderungen im Wasser angeht. Möglicherweise können sie diese schon Tage vor dem Beben wahrnehmen."

Wie die BBC berichtet, hoffen Freund und Grant nun, dass ihre Ergebnisse Biologen und Geologen zu einer Zusammenarbeit inspirieren werden, um herauszufinden, wie die Fähigkeit der Tiere dazu beitragen können, die einzigartigen Vorzeichen eines bevorstehenden Erdbebens zu erkennen.

Von den tektonischen Spannungen gelöst, können die geladenen Teilchen in das umgebende Gestein fließen und - an der Erdoberfläche angekommen - mit der Luft reagieren, wo sie Luftmoleküle in geladene Partikel, sogenannte Ionen, verwandeln.

"Positiv geladene Ionen in der Luft sind dafür bekannt, dass sie bei Menschen zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen können und den Spiegel des Stresshormons Serotonin im Blut von Tieren ansteigen lässt", erläutert Freund. "Ionen können aber auch mit Wasser reagieren und hier Wasserstoffperoxide entstehen lassen."

Diese chemische Kettenreaktion könnte sich dann auch auf das in den Froschteichen gelöste organische Material auswirken und hier im Wasser eigentlich harmlose organische Substanzen in Untersubstanzen umwandeln, die für die Wassertiere giftig sind.

Da es sich bei diesem von den Wissenschaftlern vorgeschlagenen Vorgang um einen sehr komplexen Prozess handelt, müsse die Theorie nun jedoch gründlich geprüft werden. Allerdings, so fügt Freund hinzu, handele es sich um den "ersten überzeugenden Mechanismus, der das Verhalten der Amphibien vor den Beben erklärt und der Aufzeigt, wie diese auf entsprechende Veränderungen reagieren."

Das Verhalten der Tiere könnte ein Teil von vielen miteinander in Verbindung stehenden Phänomenen sein, anhand derer zukünftige Beben vorhergesagt werden können.

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Quellen: grenziwssenschaft-aktuell.de / bbc.co.uk

Asteroid Vesta in Nahaufnahmen und in 3D

Asteroid Vesta | Copyright: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Berlin/ Deutschland - Mit der Kamera an Bord der Raumsonde Dawn hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Aufnahmen des Asteroiden Vesta und mit diesen einen 3D-Film aus 2.700 Kilometern Entfernung erstellt. Der Film lässt zugleich erstmals den Asteroiden buchstäblich zum Greifen nah erscheinen. Und trotzdem: Noch können die Planetenforscher der Dawn-Mission nicht alle Phänomene des Asteroiden erklären.

Der Kleinplanet findet sich im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter und ist mit Kratern, Gräben und Hängen überzogen. Die meisten dieser Merkmale sind Hinterlassenschaften von unzähligen Einschlägen in der Kruste des Asteroiden. Im Film nähert sich das Raumschiff dem Asteroiden, fliegt entlang der mächtigen Rillen am Äquator und ermöglicht dabei den Blick auf die riesige Einbuchtung, die ein Einschlag am Südpol verursacht hat.

"Wir sitzen im Cockpit, und die 3D-Brille gibt uns einen besseren Eindruck von der Topografie unseres Ziels", beschreibt DLR-Kartograph Stephan Elgner, der die Animation berechnete.


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Danach geht es dicht hinunter zum so genannten 'Snowman'-Krater: Hier reihen sich drei kreisrunde Einschläge wie die Segmente eines Schneemannes aneinander. "Zwischen fünf und zehn Kilometer tief sind die EinschlagsEinschlagskraterkrater, in die der Betrachter des 3D-Films blickt. Der kleinste Krater ist dabei der älteste Einschlag, der größte mit einem Durchmesser 50 Kilometern der jüngste", so die Pressemitteilung des DLR (dlr.de). Erkennbar ist dies an den Überschneidungen der einzelnen kreisrunden Einbuchtungen. Zu den vielen Geheimnissen von Vesta gehört aber noch die Entstehung dieses Schneemannes. "Wir sind uns aber nicht sicher, ob zwischen diesen drei Einschlägen Millionen von Jahre liegen oder ob dort ein auseinander gebrochenes Projektil zur gleichen Zeit drei Krater aufgerissen hat", erläutert Jaumann, der als Planetengeologe zum internationalen Dawn-Team gehört.

Der virtuelle Flug erreicht anschließend einen Berg, der den Mount Everest gleich drei Mal überragt und zu den höchsten im Sonnensystem gehört. Mächtig erhebt sich der Berg am Südpol - stünde man auf seiner Spitze und blickte auf den tiefsten Punkt im 500-Kilometer-Krater, würde der Höhenunterschied beeindruckende 29.400 Metern betragen. Das Alter dieses Berges ist noch ein Rätsel für die Wissenschaftler. Selbst auf diesem Berg im Rheasilvia-Becken liegt ein tiefer Krater neben dem nächsten. Und auch diese sind für die Planetenforscher eines der Geheimnisse, die sie lösen wollen. "Vestas Krater sehen alle sehr ungewöhnlich aus - ganz anders, als wir sie zum Beispiel von den großen Gesteinsplaneten Mars und Mond kennen", so Jaumann.

Ab Mitte Dezember wird Dawn noch deutlich niedriger über den Asteroiden fliegen und kann diesen dann aus einer Höhe von nur noch 210 Kilometern untersuchen. Danach soll die Oberfläche des Kleinplaneten erneut mit dem deutschen Kamerasystem aufgezeichnet werden. "Wir werden auch kleinere geologische Strukturen erkennen können", freut sich der DLR-Planetengeologe. Schließlich blicke man jetzt nur auf eine Oberfläche, die noch unter einer dicken Schicht aus feinem Material verschwindet. "Die Aufnahmen werden dann eine Auflösung von 20 Metern haben und auch Gesteinsbrocken oder vielleicht sogar Reste erkalteter Lavaströme zeigen." Der Planetenforscher freut sich auf die nächste Phase der Mission: "Da wird sich vieles offenbaren!"

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