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Samstag, 24. Dezember 2011

Jupiters Kern könnte sich auflösen

Jupiter, der größte Planet des Sonnensystems | Copyright: NASA

Berkeley/ USA - Neue Berechnungen von Wissenschaftlern der University of California deuten daraufhin, dass der feste, felsige Kern des Jupiters unter den im Inneren des Gasriesen vorherrschenden extremen Bedingungen schmelzen und sich nach und nach sogar ganz auflösen könnte. Tatsächlich kann das Szenario einige ungewöhnliche Merkmale des Jupiterinneren erklären, die bislang den gängigen Theorien der Planetenentstehung zu widersprechen scheinen.

Wie Hugh Wilson und sein Kollege Burkhard Militzer vorab auf "arxiv.org" berichten, lassen sich die extremen Bedingungen im Innern des Jupiters derzeit noch nicht im Labor simulieren - schließlich herrschen hier Temperaturen von rund 20.000 Grad Celsius und ein Druck vor, der dem etwa 40-Millionenfachen des irdischen Luftdrucks entspricht. Aus diesem Grund wendeten die Forscher quantenmechanische Berechnungen über die Bedingungen im Innern des Jupiters und das Verhalten der den Jupiterkern bildenden Materialien an und kamen so zu dem Schluss, dass der Kern des Jupiters nicht nur schmelzen, sondern sich auch gänzlich auflösen und dabei die Atmosphäre des Gasriesen anreichern könnte.

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Grund für die Schlussfolgerung, sei der auffallend kleine Kern, der hauptsächlich aus Eisen, Fels und Eis besteht und von flüssigem Wasserstoff und Helium unter dem hohem Druck der Schwerkraft des Riesenplaneten - die wiederum für extrem hohe Temperaturen sorgt - umgeben ist.

Mit ihrem Szenario der Erosion des Jupiterkerns präsentieren die Forscher zugleich eine Erklärung dafür, warum der Kern des Jupiters kleiner ist als der des Saturns, obwohl Simulationen auf der Grundlage bisheriger Modelle der Planetenentstehung eigentlich ein gegenteiliges Szenario erwarten lassen.

"Die Wissenschaft geht davon aus, dass Gasriesen durch die Ansammlung von Wasserstoff und Helium um einen Protokern aus Gestein und Eis entstehen", so die Forscher. Erreichen diese Kerne eine Masse von mehr als zehn Erdenmassen, so beginnen sie aufgrund ihrer Gravitation Gase aus ihrer Umgebung anzuziehen, wodurch sich gewaltigen und dichten Atmosphären bilden.

Bisherige Messungen haben jedoch ergeben, dass der Jupiterkern weniger als zehn Erdmassen schwer ist, während der Kern des kleineren Saturns bis zwischen bis zu 30 Erdmassen entspricht. Außerdem enthält die Atmosphäre Jupiters deutlich mehr schwere Elemente als erwartet.

Als Beispiel für die Zusammensetzung des Planetenkerns des Jupiters wählten Wilson und Militzer Magnesiumoxid und berechneten dessen Verhalten angesichts der extremen Bedingungen im Innern des Gasriesen. Das Ergebnis zeigt, dass sich Magnesiumoxid bei derart hohen Druckverhältnissen und Temperaturen oberhalb von 10.000 Grad Celsius in flüssigem Wasserstoff auflöst. Das wiederum führe zu einer erheblichen Umverteilung des felsigen Materials im Jupiter. Im Innern des kleineren Saturns hingegen seien die Bedingungen nicht extrem genug, um zu einer derartigen Erosion und Auflösung zu führen.

Damit legen die Kalkulationen der beiden Wissenschaftler nahe, dass schon heute der Jupiterkern nicht mehr so groß ist, wie er ursprünglich einmal war. Vergleichbare Prozesse spielen sich wahrscheinlich auch im Innern von Gasriesen außerhalb des Sonnensystems ab. In diesem Falle sollte mit zukünftigen spektroskopischen Analysen der Atmosphären von Exo-Gasriesen die Überprüfung des skizzierten Szenarios möglich sein, wenn hier ähnlich kleine Kerne oder sogar große Gasplaneten entdeckt werden würden, die gar keinen festen Kern mehr aufweisen.

Leider wissen Wilson und Militzer bislang noch nicht, mit welcher Rate sich Kerne wie der des Jupiters verflüssigen und auflösen können. Wäre diese Erosionsrate bekannt, könnte sie unter anderem auch zur Altersbestimmung von Gasriesen verwendet werden.

Mögliche Einblicke in den Zustand des Jupiterkerns erhoffen sich die Wissenschaftler auch von der sich derzeit auf dem Weg in Jupiter-System befindlichen NASA-Sonde der Juno-Mission. Diese wird aber erst 2016 hier erwartet. Bis dahin bleibt also noch etwas Zeit, um auch mögliche Konsequenzen des skizzierten Szenarios zu durchdenken.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arxiv.org

Uffington White Horse: Bürgerinitiative will Pferd zum Einhorn machen

Luftbild des Kreidebildes des Weißen Pferdes von Uffington in Oxfordshire | Copyright: franklaumen.de

Uffington/ England - Seit Jahrhunderten schon wird die Kreisfigur in den Hügeln oberhalb von Uffington in der englischen Grafschaft Oxford bereits beschrieben, ist wahrscheinlich noch deutlich älter und gilt mit dem Steinkreis von Stonehenge noch heute als eine der Ikonen der frühgeschichtlichen Historie Englands. Eine Bürgerinitiative ist der Überzeugung, dass das in die Grasnarbe der Hügel gescharrte und mit Kreidefels aufgefüllte Pferdebild einst ein Einhorn dargestellt habe und fordert nun die Wiederherstellung des angeblich ursprünglichen Zustands.

Schon jetzt hat die Facebook-Initiative "Save the Uffington Unicorn" fast 1.000 Befürworter und behauptet zudem, von einem anonymen Spender bereits 50.000 Pfund für die Umsetzung des Vorhabens erhalten zu haben.

Initiiert wurde die nicht nur von Historikern und Denkmalpflegern kritisierte Initiative von der britischen Kinderbuchautorin Paula Broderick, deren Trilogie "Toby and Sox" unter anderem auf der Idee basiert, dass sich die Menschen einst in einer Schlacht mit Löwen, Drachen und Einhörnern gemessen hatten. Der Ort dieser Schlacht, die Hügel von Uffington, sei in Erinnerung an diese Schlacht mit der Darstellung eines Einhorns markiert worden. Diese, so die fiktive Theorie der Autorin, sei dann später von christianisierenden Mönchen im Geheimen umgestaltet worden, um die Erinnerung an die beschriebenen Ereignisse auszulöschen. In ihren Büchern könne man jedoch nun die "wahre Geschichte", auf die sie bei ihren Buchrecherchen gestoßen sei, nachlesen.

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Nicht zuletzt wegen dieser offenkundigen Verknüpfung der Initiative mit den Inhalten ihrer Kinderbuchreihe, die sich nur allzu offenbar weltweit erfolgreichen Buchreihen anderer Autoren orientiert, kritisieren viele Beobachter die Aktion als nichts weiter, als eine werbewirksame Öffentlichkeitskampagne.

Glaubt man den Informationen zur Initiative jedoch, so ist diese dennoch ernst gemeint. Das Horn, das die Hobby-Historikerin dem "Weißen Pferd von Uffington" aufsetzen will, soll - so ein Bericht des britischen "Telegraph" - immerhin 75 Fuß, also knapp 23 Meter lang werden.

Panorama mit dem Uffington White Horse und dem Dragons Hill (links). | Copyright: A.Müller, grewi.de

Das Areal, auf dem sich das Uffington White Horse befindet, wird heute vom britischen "National Trust" verwaltet und gepflegt. Die nationale Denkmalpflegeorganisation hat gegenüber der Zeitung bestätigt, dass ein entsprechender Antrag der Initiative eingegangen sei.

Die Denkmalpfleger sehen hinter der Eingabe jedoch keinerlei Gründe, für eine Umgestaltung des "Pferdes" zu einem Einhorn. Der für Oxfordshire verantwortliche Generaldirektor des National Trust, Richard Henderson wiegelt denn auch auf Anfrage des "Telegraph" ab: "Es gibt so viele Mysterien und Legenden rund um das Weiße Pferd von Uffington, aber uns liegen bislang keinerlei Gründe vor, die nahe legen würden, dass das Bild jemals ein Einhorn zeigen sollte. Aus diesem Grund haben wir auch keinerlei Absicht, irgendwelche Veränderungen an dem Bild herbeizuführen."

Tatsächlich ist es aber nicht das erste Mal, dass das Uffington White Horse Inhalt kontroverser Diskussionen ist. Selbst Archäologen und Historiker sind sich nicht sicher, was die stilisierte Darstellung genau zeigen soll.

Besonders der direkt unter dem Weißen Pferd liegende "Dragon Hill", der Drachenhügel (s. Abb.), an dem der Legende nach der Heilige Georg den Drachen erschlagen haben soll, verweist für einige Historiker und Folklore-Forscher darauf, dass das Kreidebild eigentlich einen Drachen darstellen soll. Dies würde dann zumindest den ungewöhnlich langen Schwanz und die auffallend gespaltene Zunge der Darstellung erklären.

Während das Hügelbild selbst anhand von neueren Messungen in die frühe Eisenzeit (800–450 v. Chr) oder die späte Bronzezeit (2200 v. Chr. bis 800 v. Chr.) datiert wird, wurde es in historischen Quellen spätestens sei dem 11. Jahrhundert als "Pferd" bezeichnet. Hinweise darauf dass das Bild einst ein Einhorn zeigen sollte, sind bislang offenbar nur der Fangemeinde um Paula Broderick bekannt...

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / telegraph.co.uk
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