Sonntag, 22. Januar 2012

Forschungsgruppe denkt das Ende des Kapitalismus

Symbol des Wachstumskapitalismus: Das Frankfurter Bankenviertel. | Copyright: grewi.de

Jena/ Deutschland - Mit dem "Festtag der Jenaer Soziologie“ am 26. Januar 2012 eröffnen Soziologen der Friedrich-Schiller-Universität in Jena den Start des DFG-Forschungskollegs "Postwachstumsgesellschaften". Unter dem Motto "Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften" gehen die Wissenschaftler der Frage auf den Grund, ob der das Modell des Wachstumskapitalismus vor dem Ende steht? Und wenn ja, wie geht es weiter?

"Es spricht vieles dafür, dass der Prozess der Selbststabilisierung der Gesellschaft durch immerwährendes materielles Wachstum nicht mehr funktioniert", sagt Prof. Dr. Klaus Dörre. Der Soziologe von der Universität Jena (uni-jena.de) nennt das Krisenjahr 2009 als Menetekel: Die weltweit sinkende Produktionsleistung erinnerte an die Weltwirtschaftskrise 1929/33. Andererseits habe sich die sinkende Produktion als Segen für die Ökologie erwiesen, konstatiert Dörre.

Gemeinsam mit seinen Jenaer Fachkollegen Prof. Dr. Stephan Lessenich und Prof. Dr. Hartmut Rosa bekam Dörre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) das Forschungskolleg zu den "Postwachstumsgesellschaften" bewilligt.

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Das für die Dauer von acht Jahren angelegte Kolleg, wird von der DFG mit rund sechs Millionen Euro finanziert und soll von seinem Hauptsitz aus ein Netz aus Kontakte zu international renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern knüpfen, um gemeinsam an den aktuellen Fragen zu arbeiten.

Schon von der öffentlichen eröffnenden Podiumsdiskussion in der Aula der Friedrich-Schiller-Universität Jena über "Postwachstumsgesellschaften: Eine Zukunftsperspektive?" verspricht sich Dörre eine heiße Diskussion, weil äußerst konträre Meinungen aufeinanderprallen werden. So vertrete Dr. Meinhard Miegel (Denkwerk Zukunft) die Ansicht, es gelte, sich vom Wohlstandsdenken des Westens zu verabschieden. Der Kapitalismus könne nur mit Hilfe eines stark gestutzten Wohlfahrtsstaates weiterexistieren. Dr. Hans Jürgen Urban von der IG Metall halte entgegen, die Umverteilung von oben nach unten sei dringend geboten. "Urban setzt auf qualitatives Wachstum", sagt Dörre. Hingegen erteile Dr. Birgit Mahnkopf - eine der Mitbegründerinnen des Netzwerks "attac" - sowohl der Wachstumsideologie als auch dem Kapitalismus eine Absage. Beides habe sich überlebt. Eine Ansicht, die Dr. Karl-Heinz Paqué sicher kaum teilen wird. Der Ökonom und einstige Finanzminister von Sachsen-Anhalt hält eine Versöhnung von Wachstum und Ökologie für möglich.

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Quellen: uni-jena.de / grenzwissenschaft-aktuell.de
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