Samstag, 18. Februar 2012

Neue Theorie: Stonehenge als realer Nachbau einer magischen Klangillusion

Klangraum Stonehenge (Illu.). | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Vancouver/ Kanada - Bei der Archäoakustik handelt es sich um eine zunehmend ebenso an Ansehen wie an Popularität gewinnende Facette der Archäologie, mit der die einstigen Klangwelten archäologischer Stätten erforscht werden, um damit Rückschlüsse auf die Nutzung etwa von Höhlen und Bauwerken, etwa für kultisch-kulturelle Zwecke ziehen zu können. Auf dem Jahrestreffen der "American Association for the Advancement of Science" (AAAS) präsentierte der kalifornische Archäoakustiker Steven J. Waller seine neue Theorie, wonach der mächtige Steinkreis von Stonehenge im englischen Wiltsthire sozusagen ein Nachbau einer für die damaligen Menschen zwangsläufig magisch erscheinenden Klangillusion akustischer Interferenz sein könnte.

In Feldversuchen hatte Waller zuvor ergründet, welche Assoziationen vor dem geistigen Auge von Probanden entstehen, wenn diese mit verbundenen Augen zwei Flötenspieler auf einer Kreisbahn umrunden, wenn die Musiker gemeinsam ein und denselben fortwährenden Ton spielen.

Von dem bei den meisten Probanden übereinstimmenden Ergebnis war Waller fasziniert, zeichnete das immer wieder An- und Abschwellen der inneren Wahrnehmung doch gleichmäßige Abstände und in der Vorstellung der Probanden entsprechend platzierte steinerne Säulen, Mauern oder mächtige Steinblöcken. "Die Skizzen dieser von den Klängen erweckten Assoziationen, gleichen dem Bauplan der ikonografischen Steinkreise von Stonehenge erstaunlich genau nach", so Waller.

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In der Jungsteinzeit, so erläutert Waller, war den Menschen die Natur von Klangwellen und deren Eigenschaft, sich gegenseitig sowohl verstärken als auch abzuschwächen oder sogar gänzlich auszulöschen zu können - also das Phänomen der Interferenz und dessen physikalischen Hintergründe - noch nicht bekannt. "Alles, was sich die Menschen damals nicht erklären konnten, wurde magisch und übersinnlich interpretiert", so der unabhängige Forscher. "Die beim Kreistanz wahrgenommenen ruhigeren Abschnitte, könnten auch bei den jungsteinzeitlichen Menschen, die etwa im Kreis Musikanten umrundet haben, die Illusion erweckt haben, dass ein unsichtbares Objekt bzw. Objekte zwischen ihnen und den Musikanten stand."

Diese Illusion könnte für die Menschen ein beeindruckendes und wahrhaft magisches Erlebnis gewesen sein. Ein solches Erlebnis, so radikale Wallers Theorie, könnte Inspiration und Motivation zum Nachbau dieser Klangmauern gewesen sein - eine Illusion, die auf die Menschen wie eine übersinnliche Eingabe gewirkt haben könnte.

Tatsächlich reproduziere selbst noch die heutige Ruine diesen Eindruck, wenn man den Steinkreis umrundet, während in seinem Inneren eine Klangquelle aktiv ist, so Waller: "Die Steine von Stonehenge werfen sozusagen akustische Schatten, die auf erstaunlich akkurate Weise das Interferenzmuster des Bauwerks imitieren."

Schon 2009 zeigte der Musikwissenschaftler Rupert Till von der Huddersfield University anhand eines Computermodells von Stonehenge, dass der Steinkreis in seiner ursprünglichen Form ideal war, um bestimmte Klänge und Musik zu verstärken - Stonehenge also als frühgeschichtliche Open-Air-Konzertarena? (...wir berichteten).

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