Donnerstag, 9. Februar 2012

Russische Wissenschaftler bestätigen erfolgreichen Vorstoß in den Wostoksee

Radar-Aufnahme des Wostoksees durch "RADARSAT-1". | Copyright: NASA

St. Petersburg/ Russland - Nachdem Gerüchte und erste Meldungen international Aufsehen erregt hatten (...wir berichteten), hat das russische Arktische und Antarktische Forschungsinstitut (AARI) nun den erfolgreichen erstmaligen Vorstoß in einen subglazialen Süßwassersee unter dem bis zu vier Kilometern dicken Eis der Antarktis bestätigt. Im seit mindestens mehreren tausenden von Jahren und länger von der Oberfläche abgeschlossenen Wasser des Wostoksees hoffen die Forscher auf bislang unbekannte Lebensformen zu stoßen, die sich seit Urzeiten nicht mehr oder auf eine ganz eigene, der Wissenschaft gänzlich unbekannte Art und Weise weiterentwickelt haben.

"Der Vorstoß in den See wird uns die Möglichkeit geben, die Evolution lebender Organismen biologisch einzuschätzen, da diese Organismen eine wirklich lange Zeit ohne Kontakt mit der Atmosphäre und fern vom Sonnenlicht verbracht haben", wird der Leiter der Arbeiten am Wostoksee, Waleri Lukin von der BBC zitiert.

Im friedlichen Wettstreit mit US-amerikanischen und britischen Forschern, um die erste Anbohrung, Beprobung und Analyse eines subglazialen antarktischen Süßwassersees, bemühen sich die russischen Forscher schon seit den 1970er Jahren an einer Anbohrung des Wostoksees.

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Mitte der 1980er Jahre wurden die Arbeiten zeitweilig eingestellt, um eine umweltschonendere Methode der Anbohrung zu erkunden. Da viele der bislang zwischen 150 und 300 bekannten subglazialen Süßwasserseen unter dem Antarktiseis wahrscheinlich miteinander verbunden sind, befürchten Wissenschaftler und Umweltschützer, dass eine mit oberirdischen Bakterien oder Umweltgiften verschmutzte Bohrsonde nicht nur das erhoffte urzeitliche Ökosystem des Wostok sondern auch das anderer Seen kontaminieren könnte. Die russischen Forscher haben zwar den Einsatz von Schmierstoffen eingeräumt, erklärte aber zugleich, dass die angewandte Methode sicher sei und schon zuvor in Grönland mehrfach erprobt wurde.

Neben einem Einblick in urzeitliche Ökosysteme stellen die Arbeiten der internationalen Teams auch einen Vorgeschmack auf die Erkundung von Gewässern auf außerirdischen Himmelskörpern wie den ebenfalls von einer kilometerdicken Eisschicht bedeckten Ozeanen der Saturn- und Jupitermonde Enceladus und Europa dar.

Die nun erfolgreiche Anbohrung des Wostok gelang den Wissenschaftlern nach eigenen Aussagen in einer Tiefe von 3769,30 Metern. Mit dem Anstich des Sees seien auch schon erste Wasserproben entnommen und in sterilen Behältern verwahrt worden. Weltweit warten Wissenschaftler nun mit Spannung auf deren erste Auswertungen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / bcc.co.uk

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