Donnerstag, 23. Februar 2012

Stadt Köln rehabilitiert Katharina Henoth und andere Opfer der Hexenprozesse

Die Statuen der Katharina Henoth und des Friedrich Spee von Langenfeld an der Fassade des Kölner Rathauses. | Copyright: Raimond Spekking, CC-by-SA-3.0

Köln/ Deutschland - Am Montag den 13. Februar 2012 hat der Ausschuss für Anregungen und Beschwerden der Stadt Köln die Hexenprozesse vor 400 Jahren verurteilt und die Rehabilitation der 1627 als Hexe erdrosselt und verbrannten Patrizierin und Postmeisterin Katharina Henoth (auch Henot) und anderer Opfer der Hexenprozesse zu Köln einstimmig beschlossen.

"Das außerordentlich große Interesse von Gästen und Pressevertretern hat uns gezeigt, dass die Hexenverfolgung kein veraltetes Thema ist. Noch heute gibt es leider Gewalt, Diskriminierung, Mobbing und Vorurteile gegen Menschen", erklärte der Vorsitzende des Ausschusses, Horst Thelen. Die Vielzahl der Petenten sei ein Beleg für die Aktualität des Themas und dass das Schicksal der Katharina Henoth die Menschen weit über die Stadtgrenzen hinaus berührt.

Den Antrag zur Rehabilitation stellte der evangelische Pfarrer Hartmut Hegeler, der mit seiner Petition nicht nur Katharina Henoth, sondern auch allen anderen Opfern der einstigen Hexenverfolgung und Hexenprozesse zu Köln eine Stimme geben wollte.

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Nach der Sitzung bedankte sich Hegeler sichtlich erfreut für den einstimmigen Beschluss. Vornehmlich sei es ihm auch nicht um eine juristische, sondern um eine sozialethische Rehabilitierung gegangen, berichtet und zitiert der WDR: "Es ist unsere moralische Pflicht, dass wir für das Schicksal von Menschen eintreten, die unschuldig verfolgt wurden." In Deutschland hätten bisher schon 13 Kommunen die Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert, so der Pfarrer.

Während in Köln insgesamt 38 Todesurteile gegen angebliche Hexen, darunter nicht nur Frauen, sondern auch Männer und Kinder, ausgesprochen und vollstreckt wurden, wurden in ganz Deutschland, genauer gesagt auf dem Boden des damaligen Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation von 1450 bis 1750 schätzungsweise 25.000 Menschen hingerichtet. Rund 80 Prozent der insgesamt etwa drei Millionen Angeklagten waren, dem zeitgenössischen mitteleuropäischen Hexereibegriff entsprechend, Frauen.

Katharina Henoth wurde zwischen 1570 und 1580 in Köln geboren und gilt als das bekannteste Opfer der Kölner Hexenverfolgung. Henoth war eine bekannte und einflussreiche Frau, die nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam mit ihren Bruder die Postmeisterei in Köln betrieb. Nach Streitigkeiten mit dem Generalerbpostmeister Graf Leonhard II. von Taxis um dessen angestrebte Zentralisierung des Postwesens, strengten die Henoths einen Prozess vor dem Reichskammergericht gegen v. Taxis an. In der Folge - Historiker streiten sich bis heute über den Nachweis eines Zusammenhangs - wurde Katharina Henoth von einer angeblich besessenen Nonne der Hexerei beschuldigt, ein Gerücht, dass sich in der Bevölkerung schnell verbreitete. Schnell wurden ihr danach auch konkrete Vorwürfe, etwa Schuld an der Raupenplage im Clara-Klosters sowie die Verantwortung für Krankheit und Tod mehrerer Menschen angedichtet und mehrfachen Anträgen auf Freilassung auf Kaution oder die Zulassung von Verteidigern nicht entsprochen.

Trotz mehrfacher Folter, während der sie verkrüppelt wurde und schwer erkrankte, verweigerte die Angeklagte ein Geständnis und hätte aus diesem Grund selbst nach damaligem Recht eigentlich freigelassen werden müssen. Stattdessen wurde Katharina Henoth am 19. Mai 1627 in Köln-Melaten zunächst erdrosselt und dann verbrannt.

Schon 1988 beantragte der Kölner Frauengeschichtsverein die Umbenennung der "Henot-Straße" in "Katharina-Henot-Straße". Katharina Henoth ist seit dem selben Jahr durch eine Arbeit der Bildhauerin Marianne Lüdicke, einer Nachfahrin von Katharina Henoth, am Kölner Rathaus gemeinsam mit dem Jesuit, Hexentheoretiker und Kritiker der Hexenprozesse Friedrich Spee, dargestellt (s. Abb.). Außerdem wurde 1992 die Gesamtschule Köln-Kalk/Höhenberg in Städtische Katharina-Henoth-Gesamtschule umbenannt.

- Den Antrag auf "Rehabilitation der Katharina Henot und anderer Opfer der Hexenprozesse in Köln (02-1600-87/11)" finden Sie HIER

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / koeln.de / wdr.de / gruenekoeln.de / wikipedia.de

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