Mittwoch, 8. Februar 2012

Wissenschaftler entschlüsseln vollständiges Genom einer ausgestorbenen Menschenform aus einem Fossil

In der südsibirischen Denisova-Höhle wurde das Fragment des Fingerknochens gefunden, aus dem nun das komplette Genom eines Denisova-Menschen sequenziert wurde. | Copyright: MPI für evolutionäre Anthropologie, eva.mpg.de

Leipzig/ Deutschland - Der Fund eines fossilen Fingerknochen-Fragments in der Denisova-Höhle in Südsibirien 2008 und die darauf folgende vorläufige genetische Identifikation 2010 waren eine wissenschaftliche Sensation, offenbarten sie doch eine bis dahin unbekannte ausgestorbene Menschenform. Jetzt haben Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig das komplette Genom der sogenannten Denisova-Menschen entziffert, die zusammen mit den Neandertalern die nächsten ausgestorbenen Verwandten heute lebender Menschen darstellen. Auch aus kryptozoologischer Sicht dürften die Forschungsergebnisse interessant sein, liegt der Fundort doch in einem Gebiet, das noch heute für Sichtungen der sibirischen Varianten des Yetis bekannt ist.

Mit einer neuentwickelten hochempfindlichen Technik konnten die Wissenschaftler um Svante Pääbo und Matthias Meyer jede Base innerhalb des Denisova-Genoms etwa 30 Mal lesen. Die dafür benötigte DNA wurde aus weniger als zehn Milligramm des Fingerknochens gewonnen. Im Gegensatz dazu war in der 2010 veröffentlichten Version jede Position im Durchschnitt nur etwa zweimal sequenziert worden. Zwar reichte schon diese Auflösungsgrad aus, um die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Denisova, Neandertalern und modernen Menschen zu ermitteln, nicht jedoch um die Evolution spezifischer Teile des Genoms genauer zu erforschen. "Die nun vollständige Version des Genoms ermöglicht es, selbst die winzigen Unterschiede zwischen den Genkopien, welche dieses Individuum von seinem Vater beziehungsweise von seiner Mutter erbte, zu unterscheiden", erläutert die Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (eva.mpg.de).

Damit ist das Denisova-Genom das erste in derart hoher Qualität vorliegende komplette Genom einer ausgestorbenen Menschenform und stellt einen immensen Fortschritt in der genetischen Erforschung der menschlichen Evolution dar. "Wir hoffen, dass Biologen dieses Genom nutzen werden, um genetische Veränderungen aufzuspüren, die für die Entwicklung moderner menschlicher Kultur und Technologie wichtig waren und die es dem modernen Menschen ermöglichten, vor etwa 100.000 Jahren in kurzer Zeit von Afrika ausgehend die gesamte Welt zu besiedeln“, sagt Pääbo. Die Forscher gehen davon aus, dass das Genom auch neue Aspekte der Geschichte von Denisova-Menschen und Neandertalern offenlegen wird.

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Die Leipziger Forschergruppe wird eine nähere Beschreibung des Denisova-Genoms noch in diesem Jahr veröffentlichen. Doch schon ab heute steht das vollständige Denisova-Genom aber bereits für Jedermann frei zugänglich online zur Verfügung.

- Das Denisova-Genom kann unter www.eva.mpg.de/denisova/ und als öffentlicher Datensatz in Amazon Web Services (AWS) http://aws.amazon.com/datasets/2357 eingesehen werden.

Das Fragment des Fingerknochens wurde 2008 von den Professoren der Russischen Akademie der Wissenschaften, Anatoly Derevianko und Michail Shunkov, während Ausgrabungsarbeiten in der Denisova-Höhle entdeckt. Die Denisova-Höhle ist eine einzigartige archäologische Fundstätte, die wahrscheinlich bereits vor etwa 280.000 Jahren von Menschen bewohnt wurde. Der Fingerknochen wurde in einer Schicht gefunden, die auf ein Alter von 50.000 bis 30.000 Jahre datiert wurde.

Zeichnerische Darstellung eines Almas. | Copyright: Harry Trumbore, aus L.Coleman/P.Huyghe: "The Field Guide to Bigfoot and Other Mystery Primates"

Noch heute kommt es in der Region immer wieder zu Sichtungen von aufrechtgehenden Primaten, die von der lokalen Bevölkerung mit verschiedenen Namen, etwa als Almas, Chuchunaa oder Mulen bezeichnet werden und sozusagen die sibirische Variante des Bigfoot und Yetis darstellen. Nicht erst seit dem Fund in der Denisova-Höhle spekulieren Kryptozoologen aber auch Homininologen darüber, ob Nachkommen der noch bis vor kurzem gänzlich unbekannten Denisova-Menschen gerade in der Region des Fundorts - aber auch anderswo - bis heute überlebt haben könnten.

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