Samstag, 10. März 2012

Dem Menschen ähnlicher als gedacht: Forscher entschlüsseln Gorilla-Genom

Gorilla | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Cambridge/ USA - Britische Genetiker haben zum ersten Mal das vollständige Gorilla-Genom entschlüsselt. Während das Ergebnis bestätigt, dass unsere nächsten Verwandten im Tierreich weiterhin die Schimpansen sind, zeigt das Ergebnis dennoch, dass ein Großteil des menschlichen Genoms sehr viel mehr dem von Gorillas als dem von Schimpansen gleicht.

Mit dem Abschluss der Arbeiten war es Wissenschaftlern erstmals möglich, die Genome aller vier noch lebenden Menschenaffenarten, also Menschen, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans, direkt miteinander zu vergleichen. Damit offenbart die Studie einzigartige Einblicke in unsere eigene Herkunft und stellt für die Wissenschaft eine wichtige Quelle auch für die Erforschung der menschlichen Evolution und Biologie dar.

"Das Gorilla-Genom ist deshalb von so besonderer Bedeutung, da es uns Einblicke in jene Zeit ermöglicht, als sich unsere Vorfahren von unseren nächsten evolutionären Cousins trennten", erläutern Aylwyn Scally, Dr. Chris Tyler-Smith und Dr. Richard Durbin vom britischen Wellcome Trust Sanger Institute im Fachmagazin "Nature." "Jetzt können wir die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen unseren und den Genen von Gorillas, also den größten lebenden Primaten ergründen."

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

In ihrer Arbeit haben sich die Forscher auf 11.000 Gene von Menschen, Schimpansen und Gorillas mit evolutionär wichtigen genetischen Veränderungen konzentriert. Während Menschen und Schimpansen genetisch am engsten miteinander verwandt sind, fanden die Forscher dennoch auch viele Teile die sich nicht gleichen. "15 Prozent des menschlichen Genoms gleicht dem von Gorillas mehr als dem von Schimpansen und 15 Prozent des Schimpansen-Genoms gleicht dem von Gorillas mehr als dem von Menschen."

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie sei die Entdeckung, dass nicht nur die Unterschiede sondern auch die Ähnlichkeiten parallel verlaufener Veränderungen zwischen den Arten Millionen von Jahren evolutionärer Divergenz, entsprechen.

"Wir haben entdeckt, dass wir Menschen viele parallele genetische Veränderungen mit Gorillas teilen, darunter auch Entwicklungen des Gehörs. Damit stellen unsere Ergebnisse bisherige Vermutungen in Frage, nach denen die vergleichsweise schnelle Entwicklung des menschlichen Gehörs mit der Entwicklung der Sprache 
einherging", so Tyler-Smith.

Die Ergebnisse erhellen auch den Zeitpunkt der Trennung der beiden Arten. Laut den Forschern trennten sich Gorillas von Menschen und Schimpansen vor rund zehn Millionen Jahren. Die erneute Aufteilung in die heute noch lebenden Östlichen und Westlichen Gorillas fand hingegen erst innerhalb der vergangen eine Million Jahre statt und verlief schrittweise. Diese Trennung sei sowohl mit der Trennung von Schimpansen und Bonobos als auch mit der von modernen Menschen und den Neandertalern zu vergleichen. Die Trennung von Mensch und Schimpanse ereignete sich laut der Studie vor rund sechs Millionen Jahren. "Nach Jahren der Debatte stimmen unsere genetischen Interpretationen nun auch mit dem Fossilfunden überein“, erläutert Durbin. "Da es keine weiteren Menschenaffenarten mehr gibt, können sich Paläontologen und Genetiker jetzt einem intensiven Studium der Genome widmen."

"Die Erforschung der Menschenaffen ermöglicht uns nicht nur Einblicke in unsere eigene Evolution sondern zeigt uns auch, wie wichtig es ist, die Vielfalt dieser bemerkenswerten Arten zu bewahren", betonen die Forscher abschließend.

Bücher zum Thema:

- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / sanger.ac.uk

Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE