Montag, 26. März 2012

Nanosatellit O/OREOS liefert erste Antworten auf Fragen zu Leben und Überleben jenseits der Erde

Entwicklungsmodell des O/OREOS-Satelliten | Copyright: NASA

Washington/ USA - Im vergangenen November (2011) transportierte der Kleinstsatellit O/OREOS irdisches Leben in Form von Mikroben und organischen Molekülen außerhalb des Einfluss- und somit Schutzbereichs des Erdmagnetfelds und setzte diese so im Rahmen eines Langzeitexperiments den unwirtlichen Bedingungen des Weltalls auf einer Reise zum Mars aus (...wir berichteten). Jetzt liegen die ersten Ergebnisse des Experiments vor.

Im Innern des etwa schuhschachtelgroßen O/OREOS-(Organism/ORganic Exposure to Orbital Stresses)-Satelliten umkreisten die Mikroben und organischen Komponenten sechs Monate die Erde im extremen Vakuum und außerhalb des sonst vor Weltraumstrahlung schützenden Erdmagnetfelds.

Trotz der geringen Größe wurden an Bord des Nanosatelliten zwei Experimente durchgeführt: Im Experiment SEVO (Space Environment Viability of Organics) befanden sich unterschiedliche organische Moleküle in einer sich drehenden kreisrunden Vorrichtung an der Außenseite des Satelliten (s. Abb.) und wurden dadurch direkt der Strahlung der Sonne ausgesetzt. Mit diesem Versuchsaufbau wollten die Forscher jenen Zustand simulieren, unter dem entsprechende Komponenten auch im Innern oder auf der Oberfläche von Kometen und Asteroiden der Strahlung im Weltall ausgesetzt sind. Hintergrund dieses Experiments ist die sogenannte Panspermie-Theorie, nach der entsprechende Moleküle außerirdischer Herkunft, etwa aus interstellaren Staubwolken, erst mit Kometen und Asteroiden auf die Erde gelangt sind und hier auf die idealen Umweltbedingungen stießen, um Leben entstehen zu lassen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Das zweite Experiment mit der Bezeichnung SESLO (Space Environment Survivability of Live Organisms) untersuchte, wie lange die Mikroben an Bord des Satelliten auf einem auf diese Weise simulierten Langzeitflug durch All, eine solche Reise überstehen können: Innerhalb des Satelliten wurden hierzu die im Trockenschlaf gehaltenen Bakterien jeweils nach einer Woche, drei Monaten und schlussendlich sechs Monaten durch Zugabe ihres bevorzugten Nährstoffmediums zum Leben erweckt, dabei von Sensoren überwacht und der Zustand, etwa ihres Nährstoffkreislaufs, analysiert.

Der Bacillus subtilis | Copyright: NASA

Von einigen Mikroben ist bekannt, dass sie unter widrigen Bedingungen ganz erstaunliche Überlebenstechniken entwickeln. So bilden einige Arten durch eigenständige Reproduktion ihres eigenen genetischen Materials eine Art Schutzschicht um sich herum. Diese Hülle besteht dann also aus ihren eigenen Proteinen und schützt sie so selbst vor widrigsten Umständen wie beispielsweise starker Strahlung, oder dem Fehlen von Wasser, Luft und Nährstoffen. "Es ist fast so, als würden sich diese Mikroben ihre eigenen Weltraumkapseln bauen", erläuterte der (allerdings nicht an den Experimenten direkt beteiligte) Astrobiologe Chris McKay vom "Ames Research Center der NASA.


"Sollten wir je Mikroben auf dem Mars oder anderswo isolieren, so müssen wir nachweisen können, dass es sich nicht um ein irdisches Bakterium handelt, das an Bord des Raumschiffs an diesen Ort gelangt ist", so McKay weiter. Mit sechs Monaten dauert die O/OREOS-Mission vergleichbar lange, wie ein Flug von der Erde zum Mars. Die Ergebnisse können also auch Auskunft darüber geben, wie sich irdische Mikroorganismen auf einer solchen Reise verhalten. Als Musterbeispiele für Überlebenskünstler unter den Mikroben haben die Forscher u.a. den "Bacillus subtilis" ausgewählt, der mit sechs Jahren den bisherigen Überlebensrekord im All hält.

Begleitend zu allen Experimenten im All, führten die O/OREOS-Wissenschaftler auch auf der Erde vergleichende Kontrollexperimente durch.

Wie Forscher aktuell im Fachmagazin "Astrobiology" berichten, keimten und wuchsen die bakteriellen Sporen nach 14 Tagen in der Umlaufbahn, danach wieder nach 97 Tagen. In geringer Schwerelosigkeit (Mikrogravitation) wuchsen die Zellen langsamer und zeigten weniger metabolische Aktivität als ihre Gegenstücke auf der Erde. Interessanterweise zeigten die nach 97 Tagen wiedererweckten Mikroorganismen keine signifikanten Unterschiede in ihrem Wachstum im Vergleich zu jenen, die nach nur 14 Tagen reanimiert wurden.

Die Ergebnisse ermöglichen den Wissenschaftlern neue Erkenntnisse darüber, wie lebenden Organismen außerhalb der Erde zurechtkommen und überleben können und wie das Leben im All überdauern kann und so von einem Planeten zu einem nächsten gelangen kann.

"Neben den wissenschaftlichen biologischen Ergebnissen, belegt der Erfolg des O/OREOS-Mission, dass sogenannte die kleinen 'Cubesats' (Würfelsatelliten) kosteneffektive Plattformen für Wissenschaftlich Forschungsprojekte sein können", kommentiert Mary Voytek vom Astrobiology Program der NASA.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Erdmeteoriden könnten irdisches Leben auf Jupitermonde getragen haben

23. August 2011
Extremophile Bakterien wachsen noch bei 400.000facher Erdanziehungskraft
28. April 2011
Extremophile Bakterien: Bioexperiment außerhalb der ISS zurück auf der Erde
5. April 2011
Panspermie: NASA testet Mikroben und Moleküle unter Weltraumstress

25. Oktober 2010
Europäische Ballonsonde sucht nach außerirdischem Leben Stratosphäre

5. Oktober 2010
Chemie-Professor fordert Panspermie-Missionen

11. Februar 2010
Unbekannte Bakterienarten in der Stratosphäre entdeckt - Wissenschaftler schließen außerirdischen Ursprung nicht aus
18. März 2009
Neue Stratosphären-Bakterien möglicherweise doch nicht außerirdisch

24. März 2009

Zum Thema:


- - -


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov

Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE