Donnerstag, 15. März 2012

Neurowissenschaftler: "Wir haben einen freien Willen"

Mysterium Hirn (Illu.). | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Wien/ Österreich - Auch wenn schon wenige Augenblicke bevor wir eine Entscheidung in die Tat umsetzen, diese in den Nervenbahnen des zelebralen Cortex sichtbar wird, "bedeutet dies nicht, dass es keinen freien Willen gibt", erklärt der Hirnforscher Thomas Klausberger vom Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien anlässlich der internationalen "Brain Awareness Week", der Woche des Gehirns, von 12. bis 16. März. "Die Entscheidungen werden zwar in vielen Hirnregionen vorbereitet, wo und wie sie dann endgültig getroffen werden, ist noch völlig unklar."

Der Wissenschaftler vergleicht die Suche nach einem "neuralen Code" als Analogie zur Suche nach dem DNA-Code durch Genetiker: "Wir wissen noch viel zu wenig über die Struktur und Arbeitsweise des menschlichen Gehirns."

Tatsächlich lässt sich bereits Sekunden vor der Entscheidungsfindung aus einer Aktivität im präfrontalen Cortex, einem Teil des Frontallappens der Großhirnrinde (Cortex) an der Stirnseite des Gehirns ablesen, wie eine anstehende Entscheidung ausfallen wird. Dies gelte vor allem für kurzfristige Entscheidungen: "Oft erst danach legen wir uns eine Begründung für unser Tun zurecht. Wir erfinden sie."

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Dennoch zeige die Fähigkeit des Menschen, sich langfristige Ziele zu setzten, dass es dennoch einen freien Willen geben muss, so Klausberger weiter: "Da geht es nicht um den Abgleich von Erfahrungen. Das ist die Projektion von etwas Neuem. Diese Fähigkeit haben wir, weil wir den größten präfrontalen Cortex besitzen."

Dieser Teil der Großhirnrinde bezeichnet der Neurowissenschaftler auch als so etwas wie den "Stoßdämpfer der Gefühle", ist der präfrontale Cortex doch immer dann verstärkt aktiv, wenn jemand ängstlich oder wütend ist und diese Emotionen erfolgreich unterdrückt bzw. zügelt, um dadurch effektiv auf die vorhandene Situation reagieren bzw. um eine neue Situation bewerten zu können. "Wird eine Emotion ausgelöst, beginnt der präfrontale Cortex sofort mit der Analyse und gleicht mit unterschiedlichen neuronalen Pfaden alle erdenklichen Reaktionen ab - und entscheidet sich dann für die geeignetste."

In diesem Teil des Gehirns sind außerdem die grundsätzlichen moralischen Einstellungen eines Menschen gespeichert: "Wird dieser Teil des Gehirns verletzt, kann es zu grundsätzlichen Änderungen in den Verhaltensmustern kommen", so Klausberger weiter. "Der Charakter des Menschen kann sich emotional total verändern.“ Das liege daran, dass der präfrontale Cortex mit vielen anderen Gehirnregionen vernetzt ist, und Informationen über unsere Erfahrungen, Emotionen und Motivationen miteinander verbindet, um praktisch und moralisch richtige Entscheidungen zu ermöglichen.

Wie an anderen internationalen Einrichtungen, so findet auch am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien (meduniwien.ac.at) vom 12. bis zum 16. März 2012 die internationale “Woche des Gehirns” statt. Hierzu richten sich Vorträge und Workshops an Schüler ab der 10. Schulstufe.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / meduniwien.ac.at

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