Samstag, 17. März 2012

Überprüfende Studie findet keine Bestätigung für übersinnliche Vorahnung

Mysterium Hirn (Illu.). | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Edinburgh/ Schottland - Im Januar 2011 sorgte die Veröffentlichung einer Studie im angesehenen Fachmagazin "Journal of Personality and Social Psychology" für internationales Aufsehen und einen Aufschrei der Wissenschaftsgemeinde, als darin der angesehene US-Psychologe Dr. Daryl J. Bem von der Cornell University (CU) nichts Geringeres behauptete, als dass er Beweise für übersinnliche Vorahnungen gefunden zu haben (...wir berichteten 1, 2). Britische Wissenschaftler haben die Studie nun in eigenen Versuchen nachgestellt und erklärt, keine Belege für Bems Behauptungen gefunden zu haben. Das Ergebnis wirft zugleich die Frage nach dem Einfluss des Experimentators auf das Ergebnis auf.

Um zu überprüfen, ob die von Bem beschriebenen Beweise nach naturwissenschaftlichen Standards auch reproduzierbar sind, hat sich das Team um den Psychologen Stuart Ritchie von der University of Edinburgh, Richard Wiseman von der University of London und Christopher French jenen Experimenten angenommen, die auch laut Bem die stärksten Ergebnisse erzielt hatten und stellten den Versuchsaufbau und -ablauf bis ins Detail nach.

In seinen Experimenten nutzte Dr. Bem bereits bekannte psychologische Phänomene - kehrte deren Chronologie jedoch um. So gründet eines der nun wiederholten Experimente beispielsweise auf dem bekannten Phänomen, dass es leichter fällt, sich zukünftig Wörter zu merken, wenn wir diese zuvor eingeübt wurden.

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Hierzu wurden 100 CU-Studenten eine Liste mit 48 bekannten Wörtern vorgelegt. Für jedes Wort hatten die Studenten drei Sekunden lang Zeit, um es sich zu merken und zu visualisieren. Danach sollten sich die Teilnehmer an so viele Wörter der Liste wie möglich erinnern und diese aufschreiben. Danach wählte ein Computer 24 der Wörter aus der Liste nach dem Zufallsprinzip aus. Diese Wörter sollten die Studenten erneut mehrmals als Erinnerungsübung abschreiben.

Das erstaunliche Ergebnis des Experiments zeigte, dass die Studenten mit höherer Wahrscheinlichkeit sich im vorigen Erinnerungstest an genau jene Wörter besser erinnerten, die sie erst später erneut aufgrund der zufallsgenerierten Computervorgabe abschreiben sollten.

"Es war gerade so, als lerne man für ein Examen, schreibe dann diesen Test und lerne danach noch mal und bekommt dadurch dann eine bessere Note" kommentiert Ritchie Bems Ergebnisse. "Sie können sich sicher vorstellen, dass wir von diesem Ergebnis ziemlich überrascht waren", so Ritchie gegenüber "LiveScience.com".

Da Bem selbst andere Wissenschaftler dazu aufgerufen hatte, seine Tests zu überprüfen und hierzu auch alle eingesetzten Computerprogramme und Spezifizierungen zur Verfügung stellte, konnten die Tests deckungsgleich an den Universitäten von Edinburgh und London an jeweils 50 Studenten wiederholt werden.

Die Ergebnisse, so die Forscher, waren eindeutig: "Wir haben nichts gefunden.". Die Forscher konnten jedoch nicht aufzeigen, warum Bem zu anderen Ergebnissen gekommen ist und vermuten nun, dass bei der statistischen Auswertung Fehler unterlaufen sind.

In einer ersten Antwort auf die im Fachjournal "PLoS ONE" veröffentlichte Überprüfungsstudie kommentierte Dr. Bem deren Ergebnisse mit dem Hinweis, dass es angesichts der lediglich zwei durchgeführten Überprüfungen noch "verfrüht sei, etwas über die Reproduzierbarkeit seiner Ergebnisse aussagen zu können." Es bedürfe multipler Replikationsfehlschläge, um eine Studie zu widerlegen.

Zudem gibt Bem zu bedenken, dass Ritchie, Wiseman und French, die als prominente Skeptiker übersinnlicher Fähigkeiten und Phänomene bekannt sind, die Testpersonen ihrer Experimente unabsichtlich beeinflusst und somit deren mögliche seherische Fähigkeiten eingeschränkt haben könnten. "Die Ergebnisse der überprüfenden Studie bedeuten nicht automatisch, dass unsere Ergebnisse nicht verifizierbar sind", so Bem. "Vielmehr sollten wir damit beginnen, auch den Experimentator als Variable in solchen Experimenten zu sehen, die in den Versuchsaufbau miteinbezogen werden sollte."

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