Freitag, 20. April 2012

Psychologen: Kein spezifisches "Gottes-Areal" im Hirn

Mysterium Hirn (Illu.). | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Columbia/ USA - Schon lange diskutieren Mediziner und Psychologen über die Existenz einer bestimmten Hirnregion, einem soegannnten "Gottes-Areal", die für die Spiritualität des Menschen verantwortlich sein soll. Eine aktuelle Studie kommt nun zu dem Schluss, dass Spiritualität ein derart komplexes Phänomen sei, dass unterschiedliche Hirnareale gemeinsam für spirituelle Erfahrungen verantwortlich sind - es also den einen "Gottespunkt" im Hirn nicht gibt.

"Wir haben eine neuropsychologische Grundlage für Spiritualität gefunden. Dabei handelt es sich aber nicht um nur ein spezifisch isoliertes Areal", erläutert Brick Johnstone vom Lehrstuhl für Psychologie an der the School of Health Professions der University of Missouri. Spiritualität sei vielmehr ein dynamisches Konzept, das viele Hirnregionen beanspruche. "Einige Teile des Hirns spielen zwar eine herausragende Rolle, doch spielen sie mit anderen Regionen zusammen, um eine spirituelle Erfahrung zu ermöglichen."

In seiner aktuellen Studie untersuchte Johnstone die spirituelle Einstellung von 20 Patienten, die an traumatischen Hirnverletzungen litten, die den Scheitellappen betreffen - jene Hirnregion also, die sich nur wenige Zentimeter über dem Ohr befindet. Je stärker die Verletzung dieses Hirnareals der rechten Hirnhälfte bei den Patienten war, desto näher fühlten sich die betroffenen Patienten einer "höheren Macht".

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"Neuropsychologen haben immer wieder nachweisen können, dass eine Beeinträchtigung dieser Hirnregion auf dieser Seite zu einer Abschwächung der Konzentration auf das eigene Ich führt", erläutert Johnston. "Da auch unsere Untersuchungen belegen, dass Patienten mit einer solchen Beeinträchtigung eine ausgeprägtere Spiritualität entwickeln, liegt die Folgerung nahe, dass eine erhöhte Spiritualität mit einer reduzierten Konzentration auf das eigene Selbst einhergeht. Tatsächlich stimmt diese Sicht mit zahlreichen religiösen Texten überein, die dazu auffordern, sich mehr um das Wohl anderer als um das eigene zu kümmern."

Die rechte Hirnhälfte wird zudem mit der Selbstwahrnehmung assoziiert, während die linke Hälfte des Gehirns mit unserer Verbindung zu anderen zu tun hat. Obwohl der Wissenschaftler in seiner aktuellen Studie Menschen mit Hirnverletzungen untersucht hatte, so zeigten doch schon frühere vergleichende Untersuchungen von meditierenden buddhistischen Mönchen und Franziskanerinnen mit "normalen" Hirnfunktionen, dass Menschen die Reduzierung der Funktionen der rechten Hirnhälfte gezielt erlernen können und sich so die spirituellen Erfahrungen während Meditationen und Gebeten steigern lassen.

Zusätzlich untersuchte Johnstone die Häufigkeit religiöser Praktiken wie Kirchgang, täglichen Gebeten oder dem Konsum religiöser Sendungen in den Medien und setzte diese mit gemessener Aktivität im Frontallappen in ein Verhältnis. Auch hier zeigte sich, dass es eine Verbindung zwischen erhöhter Hirnaktivität in dieser Region und vermehrter religiöser Praktiken zu geben scheint. "Diese Beobachtung legt nahe, dass spirituelle Erfahrungen mit Aktivität in verschiedenen Hirnregionen einhergehen", so Johnston abschließend.

Schon in früheren Studien wollen US-Forscher mehrere Hirnareale und -regionen ausfindig gemacht haben, die für die Verarbeitung religiöser Inhalte zuständig sind. Zum einen zeigte sich dabei, wie eng Glaube mit Alltagsbildern verbunden ist, zugleich aber auch, dass der Glaube gläubige Menschen beruhigen und Herausforderungen leichter bewerkstelligen lassen kann als Atheisten (...wir berichteten, s. Links).

11. März 2009

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / missouri.edu
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